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Fünf Dinge, die sich nach der Lehman-Pleite im Recruitment geändert haben

Vor knapp zwei Jahren, am 15. September 2008, mussten Lehman Brothers die Insolvenz beantragen. Ein Beben erschütterte die Finanzindustrie und ist in seinen Nachwirkungen noch heute zu spüren.

Die internationale Personalberatung Huxley Associates hat jetzt eine Zwischenbilanz zu den Auswirkungen der Krise auf das Recruitment in den Finanzberufen gezogen. eFinancialCareers stellt die wichtigsten Ergebnisse vor:

1. Es wird nur noch selektiv eingestellt

“Von 2006 bis 2008 gab es ein ganz aggressives Einstellungsverhalten”, sagt Jan Veder, Senior Account Manager bei Huxley. Dies ist nun einem eher selektiven Recruitment gewichen. “In London und Frankfurt ist die Krise noch nicht aus den Köpfen verschwunden”, ergänzt Veder, was besonders für das Frontoffice gelte. Dagegen werde in New York schon wieder aggressiv eingestellt.

Dies gehe auf eine andere Arbeitsmarktkultur in den angelsächsischen Ländern zurück. Das Heuern gehe dort ebenso schnell vonstatten wie zuvor das Feuern, wodurch auch die Fluktuation höher ausfalle als in Kontinentaleuropa. “Durch den stärkeren Wettbewerb zahlen die Banken dort auch schon wieder mehr”, sagt Veder.

Der starke Abbau in der Krise hat auch für die Kandidatendatenbank der Recruitment-Unternehmen segensreiche Auswirkungen. “Dreiviertel unserer Kunden haben uns ihren CV zugesandt”, heißt es in einer Huxley-Präsentation.

2. Noch großes Marktpotenzial für Recruitment-Unternehmen in Deutschland

Die Personalsuche über Headhunter ist in den USA und Großbritannien wesentlich verbreiteter als in Deutschland. Überdies hat die Branche das dortige Marktpotenzial schon weitgehend gehoben.

Dagegen prophezeit Veder rosige Aussichten für die deutsche Recruitment-Branche, wie aus der Matrix hervorgeht. Hierzulande seien die Recruitment-Märkte noch im Wachsen begriffen und das Marktpotenzial noch nicht ausgereizt. Überdies sei Deutschland die größte Volkswirtschaft in Europa.

Allerdings seien der deutsche und der französische Recruitment-Markt “Closed Shops”. Denn die Sprachbarrieren machen es vielen auswärtigen Bewerbern unmöglich, sich hierzulande zu bewerben.

3. In welchen Bereichen wird mehr oder weniger eingestellt?

Obgleich es bei den Einstellungen in der Krise erst einmal bergab ging, werden laut Huxley Associates händeringend nach Accountants, Risk Managern und Compliance-Kandidaten gesucht , ein Trend, der laut Dorothea Friebe, Managerin Banking & Finance bei Huxley, noch immer anhält.

“In diesem Bereich zwingt die SoFFin zu Einstellungen”, sagt Friebe. Denn wenn bestimmte Positionen nicht besetzt seien, dürfe das Geschäft nicht fortgeführt werden. Da in der Krise gerade die strauchelnden Institute wichtiges Personal eingebüßt haben, sind gerade diese Banken auf Mitarbeitersuche.

Dagegen sieht es in anderen Bereichen noch eher mau aus. “Das Trading ist so gut wie tot”, sagt Friebe. So wurden erhebliche Trading-Aktivitäten einiger Banken in Frankfurt mittlerweile nach London verlagert. Dennoch gibt es laut Veder Ausnahmen: “Algotrading ist ein großer Trend, auf den die Leute anspringen.” Auch das Investmentbanking ist schwierig, meint Friebe: “In M&A geht was, aber nur im Mittelstand.”

In anderen Bereichen hellt sich der Stellenmarkt indes wieder auf. “Im Asset Management wird wieder eingestellt. Allerdings wird sehr darauf geachtet, was Geld bringt”, beobachtet Friebe.

Für das Private Banking habe die Krise sogar zu einer Zeitenwende geführt. In der Vergangenheit haben Private Banker ihren Arbeitsplatz kaum gewechselt, weil die Kunden auch nicht zu einem Wechsel der Bank bereit waren. Nach den heftigen Verlusten im Zuge der Finanzkrise hat sich diese Einstellung gründlich gewandelt. “Die Kunden wechseln jetzt eher die Bank und somit auch die Private Banker”, sagt Friebe.

4. Negative Korrelation zwischen Regulierung und Gehältern

Nach der Krise werden die Schrauben bei den Finanzmärkten kräftig angezogen. Laut einer US-Studie sinkt das Gehaltsniveau bei steigender Regulierung. “Damit werden die Finanzberufe weniger sexy”, kommentiert Veder.

Doch durch die demographische Entwicklung und die wachsende Konkurrenz der asiatischen Finanzplätze werde sich der Druck auf die Vergütungen in Grenzen halten. “Denn der Finanzsektor ist der am weitesten globalisierte Markt”, ergänzt Veder.

5. Keine höhere Wechselbereitschaft durch schwache Boni

Nach der letzten Bonusrunde soll laut Medienberichten so mancher Banker das Taschentuch gezückt haben, um sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen. Doch Veder bezweifelt vehement, dass auf enttäuschende Boni die Wechselbereitschaft steige: “Geld ist nur noch ein Hygienefaktor neben anderen. Die Mitarbeiterbindung findet heute innerhalb der Teams statt.”

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