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Gründer von Tudor Investments erzählt von seinem Leben als Hedgefonds-Manager

Trader

Peter Borish als den vergessenen Manager der Tudor Investment Corporation zu bezeichnen, wäre wohl ein wenig ungerecht. Dennoch ist er weitaus weniger bekannt als Paul Tudor Jones, mit dem er einst den Hedgefonds gründete, und der auch weiterhin das Unternehmen führt. Nach seiner Zeit bei der Federal Reserve Bank in New York, als er das Geschäft mit Devisenderivaten überwachte, agierte Borish bei dem Hedgefonds von 1985 bis 1994 als rechte Hand von Jones.

Jones hat sich einen Namen gemacht, indem er den Schwarzen Montag von 1987 voraussah und rechtzeitig auf fallende Kurse gesetzt hatte. Allerdings war es Borish, der die Aktienmärkte beobachtete und ähnliche Kursmuster wie 1929 erkannte. „Ich möchte mir nicht zu sehr auf die Schulter klopfen. Zu der Zeit, als ich Paul traf, war ich fast noch ein Kind, das kaum den Bachelor hatte. Er brauchte jemanden, der für ihn modellierte. Ich konnte das und hatte einfach Glück den Job bei Tudor zu bekommen. Wir haben es ganz gut durch den Crash von 1987 geschafft, was uns bekannt machte“, erzählt Borish.

In 1995 gründete er seine eigene Computer Trading Corporation (CTA), bei der er immer noch als Präsident und CEO agiert. Er habe nie bedauert, Tudor Investments verlassen zu haben, das heute Vermögen von über 11 Mrd. US-Dollar verwaltet. Unterdessen häufte Jones ein Privatvermögen von 4,3 Mrd. Dollar an. „Ich brauchte eine bessere Work-Life-Balance. Mein eigenes Unternehmen zu gründen – und nicht nur die Nummer 2 zu sein – erlaubte mir mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.“

Heute betrachtet sich Borish als Stratege und Trading Coach. Kürzlich gründete er Quand Advisers – ein Unternehmen, das sich an kleine und mittelgroße Hedgefonds mit einem Fondsvolumen von 20 bis 50 Mio. Dollar richtet. Es bietet unternehmerisch denkenden Hedgefonds Managern mit einem guten Track Record Kapital an, aber auch Infrastruktur wie z.B. eine Handelsplattform, ein eigenes Research, Accounting sowie technische Dienstleistungen. Dafür verlangt er eine Gewinnbeteiligung von 20 Prozent.

Die Eintrittshürden zum Hedgefondsmarkt steigen unterdessen beständig. Dazu trägt vor allem die wachsende Regulierung durch den Dodd-Frank-Act in den Vereinigten Staaten sowie die Alternative Investment Fund Managers Directive (AIFMD) in Europa bei. Nach einer Untersuchung von Citi benötigen Hedgefonds mittlerweile ein Volumen von 300 Mio. Dollar, um profitabel arbeiten zu können.

„Sie brauchen einen ganzen Bauchladen an Kompetenzen: einen CTO; einen CFO, einen COO, einen GC usf. Und das können wir bieten“, sagt Borish. „Als wir Tudor gründeten, benötigte man nur einen Bloomberg Terminal, eine Anlagestrategie und Sie konnten sogar mit Ihrem eigenen Kapital loslegen. Wir waren Pioniere. Umso größer ein Hedgefonds wird, desto schwieriger fällt es Alpha zu generieren und sie mutieren zu einem Index-Folger. Wir wollen wendige Organisationen mit einer unternehmerischen Einstellung finden und ihnen die Mittel geben, die sie für den Erfolg benötigen.“

Was einen guten Hedgefonds-Manager ausmacht

Die Beschäftigung von Trading Coaches erfreut sich auf der Buy-Side wachsender Beliebtheit. So beauftragen Hedgefonds wie Brevan Howard, Man Group und natürlich auch Tudor Capital Berater, die sich Ernährung, Schlaf, Alkoholkonsum und das emotionale Wohlbefinden der Portfolio Manager anschauen, um die Fonds-Performance zu verbessern.

Laut Borish gebe es keine reine Lehre, um Hedgefonds-Manager zu trainieren. Vielmehr sei es wichtig die Vorzüge einer Person zu erkennen und „diese ein wenig voranzubringen“, damit sie ihr Potenzial auch ausschöpfen können.

„Viele Leute erzählen, dass man als Trader kein übergroßes Ego haben dürfe, da man ansonsten keine Fehler eingestehen könne. Dennoch glaube ich, dass man als Trader schon ein wenig Selbstbewusstsein benötigt, selbst wenn Sie verlieren. Sie brauchen das Selbstbewusstsein zu sagen: ‚OK, dieses Mal bin ich hereingefallen, aber ich werde mir das Geld beim nächsten Mal zurückholen‘. Das Erfolgsrezept für die Hedgefonds-Welt besteht in einem langem Atem und einem quantifizierbaren Track Record – wir haben alle genügend Strohfeuer gesehen.“

Viele ehemalige Eigenhändler würden gerne einen Fuß ins Hedgefonds-Geschäft bekommen, da die Banken heute nicht mehr mit ihrem eigenen Geld spekulieren. „Das Hauptproblem vieler Trader aus den Investmentbanken besteht darin, dass sie über keinen belegbaren Track Record verfügen“, erläutert Borish. „Mein Rat besteht darin, so unternehmerisch wie irgend möglich zu denken, klein anzufangen und sich über 24 bis 36 Monate einen Ruf aufzubauen.“

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