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INTERVIEW: Wie ich mit 37 aus dem Investmentbanking ausstieg

Arbeitsplatz Garten (Foto: iStock)

Arbeitsplatz Garten (Foto: iStock)

Es hört sich wie die perfekte Investmentbanking-Karriere an: Einstieg mit Anfang 20 und Ausstieg mit 40. Doch gibt es so etwas überhaupt? Wir haben mit Adam Knight gesprochen, dem dieses Kunststück tatsächlich gelungen ist. Nach seinem Bachelor in Cambridge 1996 hat Knight bei der US-Investmentbank Goldman Sachs als Rohstoffhändler angefangen. Dort arbeitete er sechs Jahre lang als Managing Director, bevor er als Global head of commodities für vier Jahr zur Credit Suisse wechselte. In 2011 gab er seinen Job in der Londoner City auf und betätigt sich seither als Privatinvestor, arbeitet von zuhause aus und chauffiert seine Kinder zur Schule. Daneben baut er den Fonds „Social and Sustainable Capital“ (SSC) auf.

Wieso haben Sie das Banking verlassen?

Hauptsächlich weil sich gerade eine Gelegenheit geboten hat. Ich habe keine bewusste Entscheidung zum Ausstieg getroffen. Aber das Geschäft, das ich aufgebaut habe – eine Partnerschaft zwischen Glencore und der Credit Suisse – wurde als Joint Venture aufgelöst und zur Credit Suisse transferiert. Plötzlich ergab sich für die mich die Gelegenheit auszusteigen und ich ergriff sie.

Traden Sie immer noch?

Nein.

Vermissen Sie das Traden?

Nein.

Überrascht Sie das?

Ich mochte das Trading damals gern und ich hatte das Glück mit großartigen Leuten bei großartigen Unternehmen zusammenzuarbeiten. Zu dieser Zeit passte Banking zu meinem Lebensstil, aber jetzt mit meiner jungen Familie möchte ich nicht mitten in der Nacht aufwachen, weil sich meine Trading-Positionen bewegt haben.

Auch als Privatinvestor werde ich bei meinen Ideen immer noch intellektuell gefordert, aber ich trade nicht mehr rund um die Uhr – und das passt zu mir.

Schon bevor ich das Banking verlassen habe, hatte ich mich ohnehin vom Trading wegentwickelt. Erst war ich Trader, dann managte ich Trader und schließlich war ich Manager ohne direkte Verantwortung fürs Trading.

Nach Ihrem Karrierewechsel haben Sie SSC aufgebaut. Haben Sie den Eindruck, etwas zurückgeben zu müssen?

Während meiner Zeit im Banking hatte ich viel Glück. Ich hatte eine gute Karriere und ich surfte auf der Welle der Finanzmärkte zu einer Zeit, als es sich für einen selbst noch lohnte. Aber ich habe auch miterlebt, wie die Märkte bis zur Finanzkrise von Leuten an der Spitze heruntergewirtschaftet wurden und wie dies das Ansehen der Finanzdienstleistungen und der Märkte beschädigt hat. Als ich ging, wollte ich zeigen, dass Kapitalismus und Märkte viel Gutes und soziale Wohltaten bewirken können, wenn sie richtige eingesetzt werden.

Also haben Sie beim Aufbau von SSC politische und intellektuelle Ziele verfolgt?

Politische nicht, intellektuelle schon. Wir wollten zeigen, dass die Märkte dabei helfen können, einige Probleme von Wohlfahrtsorganisationen zu lösen. Diese Organisationen können sich dann auf Probleme konzentrieren, die schwieriger zu lösen sind und sich nicht durch überarbeitete Geschäftsmodelle bewältigen lassen. Daher stellte es für mich eine geschäftliche und intellektuelle Herausforderung dar. Es handelte sich aber auch um einen pragmatischen Ansatz. Es ging um den nachhaltigsten Weg, einige der größten sozialen Probleme unserer Zeit zu lösen.

Wussten Sie schon, dass Sie sich mit nachhaltigen Investments beschäftigen wollen, als Sie das Investmentbanking verließen?

Nein, ich durfte ein Jahr lang nicht bei der Konkurrenz anfangen. Also habe ich Zeit zuhause mit meiner Familie verbracht. Ich habe auch freiwillig für einige Wohlfahrtsorganisationen gearbeitet, wobei ich feststellte, dass ich ihnen nicht besonders viel helfen konnte. Nach einer Trading-Karriere verfüge ich einfach nicht über die Fähigkeiten, die eine Wohlfahrtseinrichtung benötigt, und ich wollte auch nicht von Null mit dem Erwerb dieser Fähigkeiten anfangen.

Stattdessen habe ich mich entschieden, einen Weg zu finden, meine Finanzkenntnisse für einen positiven Zweck zu nutzen. Auf diese Weise entdeckte ich das „Impact Investing“. Dabei werde ich auch weiter intellektuell durch das Investieren gefordert, aber es profitieren mehr Menschen davon als nur meine Familie und ich.

Welche langfristigen Pläne hegen Sie für SSC?

Letztlich wollen wir eine starke doppelte Rendite erzielen, nämlich finanziell und sozial, um mehr Investoren anzulocken. Auf diese Weise sollen soziale Investments zu einer etablierten Anlageklasse werden und gesellschaftlich orientierten Unternehmen helfen, ihr Potenzial voll zu entfalten. Im Moment sind wir dabei, unsere erste Investition zu tätigen und wir haben eine erste Bank dazu gebracht, in den Fonds zu investieren.

Ich denke, viele Banker würden gerne etwas Ähnliches machen. Welchen Rat würden Sie Ihnen mitgeben?

Ich hatte viel Glück. Ich habe den Jackpot sehr früh geknackt, ich war gerade einmal 37 Jahre alt, als ich in 2012 die Branche verließ und jetzt bin ich 40. Ich hatte einfach unglaublich viel Glück. Heute fällt es wesentlich schwerer Geld im Banking zu verdienen als es in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. Die Branche ist härter geworden – und dabei handelt es sich wohlmöglich um etwas Gutes. Wer allerdings in besseren Zeiten angefangen hat, wird wohl sagen, dass es nicht mehr so gut ist. Wenn Sie allerdings neu einsteigen, dann handelt es sich immer noch um eine großartige Karriere – vor allem im Vergleich zu vielen anderen. Sie befinden sich am Puls der Weltwirtschaft und Sie arbeiten mit einigen der talentiertesten und interessantesten Menschen und Unternehmen zusammen.

Sie haben auch in Coinfloor investiert. Können Sie uns darüber etwas erzählen?

Bei Coinfloor handelt es sich um eine Bitcoin-Börse. Ich denke, dass digitale und virtuelle Währungen eine faszinierende Chance bieten. Ich wollte nicht einfach nur Bitcoins kaufen, ich wollte zur Entwicklung der Währung beitragen. Coinfloor verfügt über ein sehr gutes Modell mit einem großen Schwerpunkt auf Sicherheit und Compliance. Das ist wichtig, wenn sie bei der Masse der Leute eine breite Akzeptanz für die neue Bezahlmethode schaffen wollen. Das gilt umso mehr, wenn diese Währung hauptsächlich von Startups vorangetrieben wird

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich versuche ein Karriere-Portfolio aufzubauen, wobei ich aktiven Geschäften, sozialen Investments und gemeinnützigen Tätigkeiten nachgehe. Zusätzlich zu SSC und Coinfloor bin ich Treuhänder bei Roundhouse und sitze im Aufsichtsrat einiger anderer Unternehmen, in die ich investiert habe. Ich denke, dass ich dabei eine gute Balance zwischen meinen existierenden Kompetenzen und dem Erwerb von Wissen über neue Sektoren und Geschäftsmodelle erzielt habe.

Es ist sehr erfüllend und ich habe gut zu tun, aber ich habe einen recht flexiblen Tagesablauf. Die meisten Tage bringe ich meine Kinder zur Schule, arbeite dann von zuhause aus und versuche sie so oft wie möglich wieder abzuholen. Wenn ich mein eigenes Leben entwerfen könnte, würde ich es genauso gemacht haben und ich verstehe das als ein großes Privileg.

Was würden Sie anderen Bankern raten, die Privatinvestoren werden wollen?

In London gibt es ein recht gutes Netzwerk von Privatinvestoren, aber die erforderlichen Kompetenzen unterscheiden sich erheblich von denen, wie sie in liquiden Märkten gefordert werden. So investiere ich in kein Unternehmen, wenn ich dort niemanden kenne und ich bevorzuge es, mich im Fahrwasser anderer Leute zu engagieren, die sich darin besser auskennen – wie z.B. Risikokapitalfonds wie Passion Capital und Dawn Capital.

Bei privaten Investments handelt es sich nicht um eine kurz-, sondern um eine langfristige Investitionsstrategie. Bislang bin ich noch aus keinem Investment ausgestiegen. Die meisten scheinen ganz gut zu laufen, aber erst mit der Zeit wird sich zeigen, ob ich richtig lag…

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