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VW sei Dank: Deutschland entwickelt sich zum M&A-Mekka

Während Moslems nach Mekka pilgern, zieht es M&A-Experten nach Deutschland. Denn während das Geschäft mit Firmenübernahmen nach der Finanzkrise lange tot war und außerhalb Deutschlands zumindest in Europa und Nordamerika noch vierlorts tot ist, wird hierzulande ein Deal nach dem anderen eingefädelt.

Am Spektakulärsten ist das jüngste Übernahmeangebot von Volkswagen für den Münchner Lkw-Bauer MAN. Eine Komplettübernahme könnte die Wolfsburger durchaus 10 Mrd. Euro kosten. Laut dem Datenanbieter Dealogic summiert sich in Deutschland das Volumen von Unternehmensübernahmen bis Ende vergangener Woche auf knapp 60 Mrd. Dollar (39 Mrd. Euro), was eine Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um stolze 91 Prozent bedeutet.

Damit ist Deutschland auf dem Weg, den Briten die Krone als der größte europäische M&A-Markt abzunehmen. “Deutschland ist in Hinblick auf die Investmentbanking-Gebühren immer noch die Nummer 2 nach dem Vereinigten Königreich. Doch Banker haben schon lange vorausgesagt, dass sich dies ändern könne”, schreibt etwa das englische Fachblatt Financial News.

Associate-Markt ist wie leergefegt

Angesichts des mit 1,25 Prozent niedrigen Leitzinssatzes und voller Unternehmenskassen in Deutschland scheint dieser Zeitpunkt jetzt gekommen zu sein. Damit zieht auch der lange verwaiste Arbeitsmarkt für M&A-Experten wieder deutlich an.

“Im Associate-Umfeld ist einiges los”, sagt Jan Veder vom Recruitment-Unternehmen Huxley-Associates in Frankfurt. Die Neueinstellungen sollen dazu beitragen, den wachsenden Auftragseingang abzuarbeiten. Dagegen würden erfahrene Banker und Leute von der Buyside derzeit nur vereinzelt eingestellt. “Wenn der Dealflow weiter steigt, dann werden auch wieder Vice Presidents und Managing Directors stärker nachgefragt”, prophezeit Veder.

“Der Markt für Associates mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung scheint wie leergefegt zu sein,” bestätigt Dirk Albütz von Executive Search-Unternehmen Heads!. “Associates sind extrem gesucht, da wichtige Teile des Unterbaus in den Banken durch die Finanzkrise weggebrochen sind”, erläutert der Experte.

Junge Investmentbanker wollen lieber Honigbiene oder Heuschrecke sein

Auch die Querwechsel von einer zur anderen Bank seien schwer zu arrangieren. Denn so mancher Investmentbanker spielt mit dem Gedanken, auf die Buyside zu wechseln, wo in deren Sicht das Arbeitsleben oftmals angenehmer ist – was aber auch nicht immer der Fall ist – und zuletzt attraktive Angebote vorhanden waren. “Dort sind sie dann Honigbiene oder Heuschrecke, ganz wie man will”, ergänzt Albütz.

Außerdem sagten sich viele Banker: “Wenn ich jetzt wechsle, dann habe ich die gleichen Schwierigkeiten in einem anderen Haus.” Folglich sei der Wechselwille nur verhalten. “Wenn sie wechseln wollen, dann nur zu Goldman Sachs oder der Deutschen Bank, da diese Häuser in Deutschland den besten Ruf genießen”, sagt Albütz.

Auch Leveraged Finance ist zurück

Durch den Wirtschaftsaufschwung werden auch die Banken mutiger, wodurch das Leveraged Finance-Geschäft wieder anspringt. Während der Krise war der Kreditmarkt für derartige Geschäfte reichlich ausgetrocknet. Laut Albütz schauen sich dort u.a. RBS, IKB, DZ Bank und Hypo Vereinsbank nach frischem Personal um.

Während der Krise hätten viele Banker von Leveraged Finance gezwungenermaßen auf Gebiete wie Debt Structuring umgesattelt. Diese Leute würden jetzt wieder verstärkt in ihre alten, wiederbelebten Tätigkeitsfelder zurückkehren.

Bewegung beobachtet Albütz auch bei ganz jungen Investmentbankern auf Analyst-Level mit Berufserfahrung von bis zu drei Jahren. Diese wollen andere Geschäftsfelder wie Leveraged Finance bzw. Akquisitionsfinanzierung kennenlernen.

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