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Schlaraffenland abgebrannt: Wieso Banker bald deutlich weniger verdienen könnten

Klartext über das Gehaltsniveau in der Bankenbranche hat UBS-Präsident Kaspar Villiger bei der letzten Generalversammlung der Schweizer Großbank gesprochen: In Finanzbranche würden nun einmal deutlich höhere Gehälter als in der Realwirtschaft gezahlt.

“Gute Leute, die mit ihren Teams große Erträge erzielen, sind gesucht wie eh und je. Wenn man sie halten und gewinnen will, muss man sich in Größenordnungen bewegen, die im betreffenden Arbeitsmarkt üblich sind. Sonst kann man eine große Bank nicht erfolgreich führen”, sagte Villiger.

Doch mit den Schlaraffenlöhnen könnte es bald vorbei sein, falls man einer Studie der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Philippon von der Universität New York und Ariell Reshef von der Universität Virginia Glauben schenken darf.

Deregulierung ließ Gewinne und Gehälter sprudeln

Die beiden Forscher haben den Zusammenhang zwischen der Regulierungsdichte des US-Bankensektors und dem Gehaltsniveau von 1906 bis 2006 untersucht. Und die Ergebnisse sind wenig ermunternd. Demnach bildet die Kurve ein großes U.

Somit sind die Gehälter vor dem großen Börsencrash im Oktober 1929 deutlich höher ausgefallen als in der Realwirtschaft, das gleiche gilt für die drei Jahrzehnte nach 1980. In der Zwischenzeit mussten sich die Banker mit deutlich bescheideneren Gehaltsschecks begnügen.

“Finanzjobs stellten relativ hohe Anforderungen an die Fachkenntnisse, waren komplex und hochbezahlt bis in die 1930er und nach den 1980er Jahren, aber nicht in der Zwischenzeit”, heißt es in der Studie.

Als Grund für diese Entwicklung machen die Wissenschaftler die Regulierungsdichte im Finanzsektor aus. So wurden infolge des Schwarzen Freitags und der darauf folgenden Weltwirtschaftskrise in den frühen 30er Jahren die Daumenschrauben in den Finanzmärkten deutlich angezogen. Als Folge davon purzelten die Bankgewinne und das Gehaltsniveau.

“Unsere Analyse zeigt auch, dass die Gehälter im Finanzsektor um 1930 und von Mitte der 90er bis 2006 exzessiv hoch waren”, heißt es in der Studie weiter. Denn durch die geringe Regulierung gingen viele Unternehmen höhere Risiken ein wagten Börsengänge und nahmen hohe Kredite auf. Damit wuchs auch die Nachfrage nach hochqualifiziertem Personal bei den Banken.

Regulierungsoffensive bei nächstem G20-Gipfel

Doch falls diese These zutreffen sollte, dann neigt sich die Zeit des Banker-Schlaraffenlands dem Ende zu. So planen diverse Länder eine massiv intensivere Regulierung der Märkte. Die EU hat bei ihrem Brüsseler Gipfel diese Woche beschlossen, bei dem bevorstehenden G20-Gipfel am 26./27. Juni in Toronto einen neuen Anlauf bei der internationalen Durchsetzung einer Bankenabgabe und einer Finanztransaktionssteuer zu wagen.

Falls es zu keiner Einigung unter den G20 komme, wolle Europa sogar einen Alleingang versuchen, hieß es aus der EU. Die Bundesregierung rechnet bereits fest mit jährlichen Einnahmen von 2 Mrd. Euro aus einer Finanzstransaktionssteuer. Unabhängig davon dürften künftig auch die Anforderungen an das Eigenkapital der Banken und die Beschränkung riskanter Derivate-Geschäfte kommen.

Mithin könnte Kaspar Villiger unrecht haben und sich das Gehaltsniveau wieder dem der Realwirtschaft annähern.

Kommentare (2)

Comments
  1. Es gibt den traurig-wahren Witz:

    “Stellen Sie sich vor, morgen fallen alle Aktienanalysten, Investmentbanker und Finanzberater tot um,
    oder morgen fallen alle Krankenschwestern, Polizisten, Feuerwehrmänner und Altenpfleger tot um –

    überlegen Sie kurz, was Sie persönlich vermissen würden, und setzen Sie dies in Relation zu deren Bezahlung.”

    Besten Gruß,

    Markus

  2. Bislang hat man von einem Druck auf ie Gehälter wenig gemerkt. Die Banken haben zwar in der Krise Personal abgebaut, aber keine Gehälter gedrückt und auch die Boni scheinen wieder auf alten (hohen) Niveau angekommen zu sein. Also Sturm im Wasserglas.

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