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Wie Boni von 250.000, 500.000 und 1 Mio. Dollar bei der Deutschen Bank strukturiert sind

Anshu_Jain

Seit der Finanzkrise sind die Boni der Banker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Zwar zahlen die Investmentbanken immer noch stattliche Vergütungen, dagegen hat sich gründlich gewandelt, wie diese strukturiert sind. Bestes Beispiel stellt die Deutsche Bank dar, die unter den globalen Investmentbanken für ihre rigide Bonuspolitik berüchtigt ist. So schiebt der deutsche Finanzriese die Auszahlung von besonders hohen Boni über fünf Jahre auf – bei der Konkurrenz sind es zumeist nur drei Jahre.

Leider hält sich die Deutsche Bank – wie so viele andere Institute – bedeckt, wenn es darum geht, Informationen über die Bezahlung ihrer Mitarbeiter herauszurücken. Einen Einblick gewährt indes der jährliche Vergütungsbericht, der allerdings hauptsächlich über die 1093 Mitarbeiter der Bank Auskunft gibt, die für Geschäftserfolg und Risiko des Investmentbankings eine besondere Verantwortung tragen. Insgesamt dürften im Front, Middle und Back Office des Coporate & Investmentbanking jedoch mehr als 25.000 Mitarbeiter beschäftigt sein.

Wir haben versucht die Lücken mit Informationen aus den Medien sowie durch Gespräche mit einschlägigen Headhuntern aufzufüllen. Die Deutsche Bank selbst wollte keine weiteren Informationen über ihr Vergütungssystem geben.

Die besagten Risikoträger, die wohl sämtlich zu den Spitzenverdienern zählen, unterliegen in Vergütungsfragen strengen EU-Auflagen. So müssen mindestens 40 Prozent der Vergütungen aufgeschoben erfolgen. Neudeutsch wird dies als „Deferrals“ bezeichnet. Der deutsche Branchenprimus scheint diese Bestimmung jedoch besonders streng auszulegen.

So werden die Boni der Risikoträger für 2013 laut dem Vergütungsbericht zu durchschnittlich 75 Prozent aufgeschoben ausbezahlt. Mithin kassieren die Risikoträger nur 25 Prozent ihrer „Cash-Vergütung“ in Form von Aktien, die sie auch erst nach sechs Monaten abstoßen können.

Die unten angezeigten Charts beziehen sich auf die Risikoträger. Es ist allerdings kaum zu erwarten, dass die Vergütungen der anderen Mitarbeiter mit einem Bonus jenseits 250.000 Dollar wesentlich anders strukturiert sind.

Klar ist unterdessen, dass bei sämtlichen Mitarbeitern der Deutschen Bank die Boni über 100.000 Euro (137.000 Dollar) zur Hälfte aufgeschoben ausbezahlt werden. Laut der Nachrichtenagentur Reuters beläuft sich der Anteil bei Boni zwischen 100.000 und 200.000 Euro (137.000 bis 274.000 Dollar) auf 50 Prozent, der für Boni zwischen 200.000 und 500.000 Euro (274.000 bis 685.000 Dollar) auf bis zu 75 Prozent ansteigt. Bei 500.000 bis 1 Mio. Euro (685.000 bis 1,37 Mio. Dollar) sind es 75 Prozent und bei jenseits von 1 Mio. Euro wird alles verzögert ausbezahlt.

Dabei sind die Cash-Boni in einem Jahr auf maximal 300.000 Euro begrenzt. Unter dem Strich scheint der deutsche Branchenprimus in seinem Investmentbanking die niedrigsten Cash-Boni aller vergleichbaren Banken zu zahlen.

Wie ein Bonus von 250.000 Dollar bei der Deutschen Bank strukturiert ist

Structure of a $250k bonus at Deutsche

Falls Sie bei der Deutschen Bank zu den Glücklichen zählen, die einen Bonus von 250.000 Dollar (183.000 Euro) für 2013 einstreichen, dann werden etwa 23 Prozent verschoben ausbezahlt. Die ersten 100.000 Euro kassieren die Mitarbeiter also in bar und die restlichen in aktienbasierten Vergütungsinstrumenten, die über die drei Folgejahre sukzessive ausbezahlt werden.

Wie ein Bonus von 500.000 Dollar strukturiert ist

Structure of a $500k bonus at Deutsche Bank

Wer für 2013 Bonusansprüche von 500.000 Dollar (366.000 Euro) erworben hat, dürfte 51 Prozent in bar und 49 Prozent zeitverzögert erhalten.

Wie ein Bonus von 1 Mio. Dollar strukturiert ist

Structure of a $1m bonus at Deutsche Bank 2

Bei einem Bonus von 1 Mio. Dollar (731.000 Euro) dürften bei der Deutschen Bank etwa 65 Prozent aufgeschoben und 35 Prozent bar ausbezahlt werden. Die Zahlungen erfolgen in den drei Folgejahren. Wer jedoch zu den 133 Mitgliedern des Top-Managements zählt, der muss bis zu fünf Jahren warten, bis er seine vollständige Vergütung bis 2013 erhalten wird.

Doch damit nicht genug. Sämtliche aufgeschobenen Boni der Deutschen Bank unterliegen zum Teil empfindlichen Rückforderungsmechanismen.

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