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Karrieretrick: Wieso sich die Rückkehr zu einem ehemaligen Arbeitgeber lohnt

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Haben Sie auch den Eindruck, dass Sie sich beruflich in einer Sackgasse befinden und Ihre Arbeit einfach nicht genügend honoriert wird? In diesem Fall kann es sich um eine kluge Strategie handeln, den Arbeitgeber im Guten zu verlassen und nach einigen Jahren zurückzukehren. Denn durch diesen kleinen Umweg haben Sie wichtige Berufserfahrung, eine Gehaltserhöhung und einen schickeren Jobtitel erreicht. Auf diese Weise qualifizieren Sie sich auch für höhere Aufgaben.

Bei derartigen Karriereschlenkern scheint es sich um einen neuen Trend zu handeln. Ein Beispiel hierfür stellt Roman Baljé dar, der fünf Jahre lang für die japanische Investmentbank Nomura arbeitete, bevor er als Head Fixed Income Sales für Skandinavien und die Niederlande zu JP Morgan wechselte. Nach weniger als zwei Jahren kehrte Baljé zu seinem alten Arbeitgeber zurück. Auch die Credit Suisse übt sich in der Wiedergewinnung altbekannter Mitarbeiter. So haben die Schweizer die Trader Neilan Govender und Julien Eisenberger nach einem kurzen Abstecher zum Hedgefonds Brevan Howard wieder an Bord geholt. Der Aktienanalyst Karl Green kehrte ebenfalls nach vier Jahren bei Altium Capital im Februar zurück.

„Aus Unternehmenssicht ist garantiert, dass der Rückkehrer zu den Werten und der Kultur des Unternehmens passt“, erläutert Graham Ward, Assistenzprofessor für Führung am INSEAD, der früher das europäische Aktiengeschäft von Goldman Sachs leitete. „Die Wege des Karrierefortschritts und der Vergütung werden zweifellos verstanden, weshalb das Risiko eines Abgangs niedriger ausfällt. Außerdem erhalten Sie ein fertiges Produkt und benötigen nicht erst eine dreijährige Entwicklung.“

Dieser Trend belegt auch, dass die Finanzprofis ihre Karriereentwicklung immer mehr in die eigenem Hände nehmen, anstatt auf das Unternehmen zu vertrauen, meint Karrierecoach Linda Jackson von 10Eighty. „Es hört sich ein wenig melodramatisch an. Aber wenn Ihr aktueller Arbeitgeber nicht Ihren Karrierevorstellungen entspricht, dann haben Sie das Recht, sich anderswo umzuschauen“, betont Jackson. „Dennoch ist es unglaublich wichtig ein Ehemaligennetzwerk und Fürsprecher bei dem Unternehmen zu behalten, weil sich vielleicht in zwei Jahren eine großartige Chance bei Ihrem alten Arbeitgeber ergibt.“

Auch für die Unternehmen birgt diese Karrierestrategie einige Vorteile. Laut Jackson würden sich so die Kosten und das Risiko einer Neueinstellung signifikant verringern. Angestellte wiederum können durch einen solchen Karriereschwenk ihre Gehälter kräftiger steigern, als wenn sie durchgehend bei dem gleichen Arbeitgeber geblieben wären. Denn höhere Gehaltsaufbesserungen lassen sich oftmals nur bei einem Arbeitgeberwechsel durchsetzen. Der Unterschied kann sich durchaus auf 20 Prozent belaufen. In einigen Bereichen sind auf diese Weise sogar noch höhere Gehaltssteigerungen möglich. So wird von Compliance-Spezialisten berichtet, dass sie durch einen befristeten Abstecher zu einem anderen Unternehmen ihr Gehalt sogar verdoppeln konnten. Die Kombination aus Fachkräftemangel und ständig neuen regulatorischen Anforderungen macht‘s möglich.

Dies gilt besonders für Schwellenländer. „Ein Compliance-Mitarbeiter hat uns vor drei Jahren für eine andere Bank verlassen und er wurde kürzlich für das Zweieinhalbfache seines alten Gehalts wieder eingestellt“, erzählte kürzlich ein HR-Mitarbeiter aus Hongkong, der namentlich lieber ungenannt bleiben möchte.

Ward rät daher, die Verbindungen zu seinem alten Arbeitgeber zu pflegen. „Goldman Sachs pflegt z.B. proaktiv sein Ehemaligennetzwerk und versucht es aufrechtzuerhalten. So lange Sie in Verbindung bleiben und so lange Sie Ihr Netzwerk in der Branche und zu den verschiedenen Stationen Ihres Berufslebens aufrechterhalten, so lange gibt es auch eine gute Chance, dass sich irgendwann wieder einmal die Tür öffnet.“

Dennoch stellt dies nicht immer einen Zuckerschlecken dar. „Sie kehren mit mehr Kompetenzen und einem abgerundeteren Blick zurück, um mehr Verantwortung zu übernehmen und nicht um sich auszuruhen“, betont Jackson.

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