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Chefs, Mitarbeiter oder Aktionäre: Wer zahlt die Milliardenbuße der Credit Suisse?

Endlich liegt die Einigung mit der US-Justiz auf dem Tisch. Die CS bekennt sich schuldig, vermögenden US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben und zahlt eine Buße von gut 2,5 Mrd. Franken. Da die Schweizer Großbank hierfür nur Rückstellungen von 892 Mio. Franken gebildet hat, schlägt die Einigung mit einem Minus von 1,6 Mrd. Franken auf das Ergebnis durch. Damit ist der Vorsteuergewinn aus dem ersten Quartal von gut 1,7 Mrd. Franken quasi ausradiert.

Brady schließt Rücktritt (vorerst) aus

Offiziell zeigte sich CS-Chef Brady Dougan reumütig: „Wir bedauern das Fehlverhalten im früheren grenzüberschreitenden US-Geschäft außerordentlich. Es führte zum größten und langwierigsten Rechtsfall für die Credit Suisse. Die Beilegung dieser Angelegenheit ist für uns ein wichtiger Schritt vorwärts.“

Trotz des Milliardenschadens lehnte Dougan die Forderung nach einem Rücktritt ab. Ein solcher Schritt hatte „nie zur Diskussion“ gestanden. „Ich fühle mich der Credit Suisse sehr verbunden“, ergänzte der US-Amerikaner. Medien hatten im Vorfeld über einen Rücktritt von Dougan und von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner spekuliert. In der jetzigen Einigung ist davon keine Rede.

In der Tat stellt sich die Frage, wer für den Schaden den Kopf hinhalten muss: Chefetage, Mitarbeiter oder Aktionäre? Zwar stammt Dougan selbst aus dem Investmentbanking und ist daher nur bedingt für den Milliardenschaden verantwortlich zu machen, den das Wealth Management verursacht hat. Dennoch lässt sich ihm ankreiden, dass er nicht schon vor fünf Jahren im Kielwasser der UBS einen Deal mit der US-Justiz angestrengt hat. Seinerzeit musste die UBS gerade einmal etwa 800 Mio. Franken auf den Tisch blättern und kam damit um 1,6 Mrd. Franken günstiger als die Credit Suisse davon.

Der Vorteil des heutigen Deals: Er kommt auf der Basis des Schweizer Rechts zustande. Die Credit Suisse muss also vorerst keine Kundendaten von US-Bürgern herausrücken und damit das formal immer noch geltende Schweizer Bankgeheimnis brechen. Die UBS musste damals Notstandsrecht in Anspruch nehmen, um die Kundendaten an die US-Behörden auszuliefern.

Bonusansprüche der Führungsspitze sollen einkassiert werden

Unterdessen forderte der Schweizer Bankpersonalverband, dass die Führungsspitze die Kosten selbst übernehme. „Die Angestellten waren zu lange die leidtragenden Dritten in diesem Konflikt, die lediglich die Weisungen der Führungsspitze befolgt haben“, hieß es vom Bankpersonalverband. „Aus diesem Grund müssen diese Parteien nun auch die Konsequenzen für ihr Handeln übernehmen und die Buße von 2,8 Mrd. Dollar selber begleichen, in dem sie die Boni signifikant verringern und die aufgeschobenen Wertpapiere aus dem Long-Term Incentive Programm verflüssigen.“ Auch Schweizer Politiker stoßen in das gleiche Horn: „Wer zahlt jetzt die Millionen-Boni zurück?“,  twitterte die sozialdemokratische Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer.

Auch auf Anfrage wollte sich die Credit Suisse nicht dazu äußern, welche Auswirkungen die Einigung auf die aufgeschobenen Bonusansprüche der Mitarbeiter hat. Obgleich diese ganz ansehnlich ausfallen, dürften sie kaum zur Begleichung des Bußgeldes genügen. So weist der Vergütungsbericht aufgeschobene Bonusansprüche von Dougan in Höhe von 12,4 Mio. Franken für 2013 und von 19,8 Mio. Franken für 2012 aus. Für den den gesamten Vorstand belaufen sich diese Zahlen auf 94,7 Mio. in 2013 und 110,2 Mio. in 2012.

Aktionäre können ihrer Dividende Adé sagen

Klar ist unterdessen, dass die Aktionäre über entgangene Dividendenzahlungen zur Kasse gebeten werden. Denn durch die Strafzahlung verringert sich das harte Eigenkapital nach Basel III per Quartalsende auf 9,3 Prozent. Mithin dürfte für 2014 eine Dividende in die Ferne rücken, da erst einmal das Eigenkapital auf 10 Prozent aufgefüllt werden muss.

„Nach Erreichung der Kernkapitalquote von 10 Prozent beabsichtigen wir, ungefähr die Hälfte unserer Gewinne den Aktionären über unsere jährlichen Ausschüttungen weiterzugeben und gleichzeitig unser Kapital weiter zu stärken, um unser langfristiges Ziel einer Kernkapitalquote von 11 Prozent zu erreichen“, heißt es von der Credit Suisse. Dennoch gibt es zumindest einen Trost für die arg gebeutelten Aktionäre: Nach Bekanntwerden der Einigung sprang der CS-Aktienkurs um etwa 2 Prozent in die Höhe, denn die Börse hasst nichts mehr als Unsicherheit. Und diese hat sich mit der heutigen Einigung verringert.

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