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Der Kampf um die CS-Spitze ist eröffnet: Wer wird Nachfolger von Brady Dougan?

Die Schlinge um den Hals von Credit Suisse-Chef Brady Dougan zieht sich immer enger. Die US-Justiz verlangt von der Schweizer Großbank ein förmliches Eingeständnis, bei der Steuerhinterziehung ihrer US-Kunden tatkräftig mitgeholfen zu haben. Dabei wollen sich die Amerikaner nicht mit einem Bauernopfer begnügen. Vielmehr fordern sie eine Unterschrift von der Chefetage. Mithin kommen nur CS-Chef Brady Dougan oder Verwaltungsrats-Präsident Urs Rohner in Frage. Die Credit Suisse sei nicht „too-big-to-jail“, hieß es aus den USA.

Da sich Rohner anscheinend auf breite Unterstützung im Verwaltungsrat stützen kann und die Ergebnisse der Credit Suisse namentlich im Investment Banking enttäuschend ausfielen, läuft alles auf eine Unterschrift Dougans hinaus. Damit dürften seine Tage an der Spitze der Credit Suisse und womöglich auch im Banking gezählt sein. Offen ist hingegen, mit welchen finanziellen Anreizen der Verwaltungsrat Dougan die Unterschrift unter das Todesurteil für die eigene Karriere schmackhaft machen will. Schließlich stammt Dougan aus dem Investment Banking und ist mithin kaum für die Beihilfe zur Steuerhinterziehung verantwortlich. Ihm kann man allerdings vorwerfen, dass sich die CS nicht im Kielwasser der UBS vor einigen Jahren freigekauft hat.

Dabei geht es bei Dougan nicht nur um die eigene Karriere, sondern auch um viel Geld. Denn der US-Amerikaner steht bereits sieben Jahre an der Spitze des Konzerns und hat in dieser Zeit stattliche Bonusansprüche angesammelt, von denen ein Großteil als aufgeschobene Vergütung immer noch nicht ausgezahlt wurde. Allein für 2013 hat Brady 9,79 Mio. Franken zugesprochen bekommen, wovon lediglich 2,5 Mio. auf das Grundgehalt entfielen.

Mithin spekulieren Tages-Anzeiger und 20 Minuten, wer denn für die Nachfolge Dougans überhaupt in Frage kommt. Der Kreis der Kandidaten verkleinert sich dabei rasant, falls folgende Kriterien eine Rolle spielen: Muss der künftige CS-Chef Schweizer sein oder kommen auch Amerikaner, Briten oder gar Franzosen in Frage? Soll der Nachfolger aus dem Investment Banking oder der Wealth Management stammen? Haben nur interne oder auch externe Kandidaten eine Chance?

Headhunter Stephan Surber von Pageexecutive in Zürich schätzt, dass bei einer möglichen Dougan Nachfolge kein externer Kandidat zum Zuge käme. „Dazu verfügt die Credit Suisse einfach über genügend eigenes Management-Know-how“, sagt Surber. „Ich gebe wenig auf Spekulationen. Aber wenn es wirklich zu einer Dougan-Nachfolge kommen sollte, dann gehe ich davon aus, dass die Credit Suisse wieder zur guten alten Schweizer Tradition der Nachhaltigkeit zurückkehren wird.“ Daher zählt Surber Hans-Ulrich Meister zu den Favoriten.

Hans-Ulrich Meister

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Eine Schweizer Lösung für die Dougan-Nachfolge stellt Hans-Ulrich Meister tatsächlich dar, denn er ist Chef des Private Banking & Wealth Management der Credit Suisse und verantwortet das Schweizer Geschäft. Meister, Jahrgang 1959, hat seine Karriere 1983 bei der Schweizerischen Bankgesellschaft begonnen, einer Vorgängerinstitution der UBS und sitzt seit 2008 in der Geschäftsleitung der Credit Suisse. Allerdings bringt Meister kaum Erfahrungen im Investment Banking mit und hat selbst ab 2002 im Wealth Management der UBS in New York gearbeitet. Damit besteht das Risiko, dass auch Meister noch Altlasten aus der Hochzeit des Schweizer Bankgeheimnisses mitbringt.

Eric Varvel

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Eric Varvel leitet mit Gaël de Bossard zusammen das Investment Banking der Credit Suisse, wobei der Amerikaner für das Aktiengeschäft zuständig ist. Der 51jährige ist bereits seit 2008 Mitglied der Geschäftsleitung. Varvel stieß in 1990 zur Credit Suisse und hat diverse Posten im Investment Banking in Asien und den USA wahrgenommen.

Gegen Varvel spricht, dass er klar zum Typus amerikanischer Investmentbanker zählt, was vor allem bei Schweizern immer noch etwas Anrüchiges darstellt. Allerdings hat Varvel auch einen wichtigen Trumpf in der Hand: Er sitzt seit 2010 im Verwaltungsrat der Börse von Katar, das nach der saudi-arabischen Olayan Group mit 5,2 Prozent der größte Aktionär der Credit Suisse ist.

Gaël de Bossard

 

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Beihilfe zur Steuerhinterziehung ist bei Gaël de Bossard eher nicht zu erwarten. Denn der 47jährige hat eine lupenreine Investment Banking-Karriere hinter sich. Nachdem der Franzose seit 1990 mehrere Funktionen im Fixed Income-Geschäft von JP Morgan ausübte, wechselte er 2001 zur Credit Suisse First Boston. Vor seiner Berufung in die Geschäftsleitung am 1. Januar 2013 war er vier Jahre lang als Co-Leiter Global Securities für das Geschäft mit festverzinslichen Anlagevehikeln und Devisen zuständig. Dies verantwortet er auch noch im Vorstand der CS.

Gegen de Bossard sprechen neben seiner kurzen Zugehörigkeit zum Vorstand auch die jüngsten Quartalsergebnisse. Dort brachen die Erträge aus dem Fixed Income-Geschäft um 17 Prozent auf knapp 2,1 Mrd. Franken ein. Eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Anders als die UBS hält die Credit Suisse an ihrem Fixed Income-Geschäft fest.

David Mathers

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David Mathers amtiert als Finanzchef der Credit Suisse und sitzt immerhin seit 2010 in der Geschäftsleitung. Darüber hinaus ist er für die IT und das Back Office der Bank verantwortlich. Mathers bringt Erfahrung im Investment Banking mit. Als COO der Sparte war er jedoch nur für Back- und Middle Office verantwortlich. Auch die Erfahrungen im Wealth Management fallen eher dünn aus. Damit hat der 49jährige Brite allenfalls Außenseiterchancen – zumal er als Weggefährte Dougans gilt.

Robert Shafir

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Robert Shafir leitet das Wealth Management-Geschäft der Credit Suisse in den USA und ist gemeinsam mit Meister für das Geschäft für wohlhabende Privatkunden verantwortlich. Der Amerikaner war 17 Jahre lang bei der untergegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers tätig, zuletzt als Leiter des Aktiengeschäfts. Shafir wechselte kurz vor deren Zusammenbruch im August 2007 in die Geschäftsleitung der Credit Suisse, wo er zwischen 2008 und 2012 das Asset Management leitete. Shafir bringt also Erfahrungen im Investment Banking, Asset und Wealth Management mit, was ihn für den Chefsessel qualifiziert. Allerdings befindet er sich als Leiter des US-Wealth Managements derzeit auch im Auge des Taifuns, der über die CS hereinbricht.

Boris F. J. Collardi

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Eine externe und Schweizerische Lösung wäre Boris Collardi, seit 2009 Chef von Julius Bär. Mit der Übernahme des internationalen Wealth Management-Geschäfts der Bank of America Merrill Lynch verfolgt der schweizer-italienische Doppelbürger eines der ambitioniertesten Projekte bei der Konsolidierung der Schweizer Wealth Management-Branche. Mit diesem Projekt will er sich klar für höhere Aufgaben qualifizieren. Der 40jährige gilt jedoch so manchem als ein wenig zu jung für den CS-Chefposten. Außerdem verfügt Collardi über keinerlei Erfahrungen im Investment Banking – allein dies macht ihn zu einem Außenseiter.

Bruno Pfister

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Rasch zur Verfügung stehen dürfte der kürzlich zurückgetretene Chef der Swiss Life Bruno Pfister. Der 55jährige ist ebenfalls Schweizer und hat seine Karriere bei Chase Manhattan begonnen. In den 90er Jahren arbeitete er im Wealth Management der LGT, wo er auch zum Finanzchef avancierte. Auch bei der Credit Suisse ist Pfister kein Unbekannter. Vielmehr war Pfister ab 1999 in der Geschäftsleitung für das Kundensegment- und Produktmanagement zuständig. Doch auch ihm dürfte die erforderliche Erfahrung im Investment Banking fehlen. Swissness ist eben doch nicht alles.

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