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Die Karriere-Kolumne – Die Psychologie des “Netzwerkens”

Wenn Sie per Kontaktpflege eine Stelle suchen wollen, sollten Sie sich eine etwas ältere, aber nach wie vor aktuelle Studie mit dem Titel “Predictors and outcomes of Networking intensity amongst unemployed job-seekers” anschauen, die bereits 2000 im Journal of Applied Psychology veröffentlicht wurde.

Arbeitsuchende sollten selbstbewusst sein, aber nicht zu selbstbewusst

Nach Ansicht der drei Autoren gibt es viele psychologische Gründe, warum Menschen beim effektiven Netzwerken zögern. Das Hauptproblem ist demnach die erforderliche soziale Verbindlichkeit. Bewerber müssen bereit sein, ihre Verwundbarkeit zu zeigen, schließlich offenbaren sie gegenüber anderen, dass sie eine Arbeit suchen. Und das fällt vielen nicht leicht.

Wer sich seiner Arbeitslosigkeit schämt, dem wird es schwerfallen, sich gegenüber anderen zu öffnen. Denn dann ist es schwierig, seine Vorzüge zu preisen, damit andere überhaupt von den eigenen Fähigkeiten und Interessen erfahren. Andererseits – darauf weisen die Autoren ebenfalls hin – können Jobsucher auch zu aufdringlich und zu kühn auftreten, was wiederum andere abschreckt.

Es ist sicher nicht einfach zu lernen, wie man andere für sich einnimmt, aber jeder kann sein Gegenüber zum Beispiel fragen, wie er an seine Stelle gekommen ist. Damit erinnern Sie den anderen daran, wie wichtig das Knüpfen von Kontakten im Laufe seiner Karriere war und wecken vielleicht Sympathie für Ihre misslage Lage. Vielleicht fühlt sich Ihr Gesprächspartner sogar verpflichtet, seine Dankbarkeit, die er seinen Kontakten schuldet, Ihnen gegenüber zu zeigen.

“Netzwerker” müssen am Ball bleiben

Netzwerker schaden sich, wenn sie ihre Kontakte nicht pflegen. Es ist gut möglich, dass Sie Ihren Kontakt nach einer gewissen Zeit noch einmal daran erinnern müssen, dass Sie weiter auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz sind. Ansonsten kann es passieren, dass Sie der Mensch, der Sie anscheinend an diesem Abend so interessant fand, einfach vergisst.

Netzwerker müssen jeden Stein umdrehen

Ein anderer verbreiteter Fehler ist die Tatsache, dass viele Arbeitsuchende ihre sozialen Kontakte nicht energisch genug nutzen. Um Ihre Chancen zu optimieren, sollten Sie eine Liste mit allen Menschen, die sie auch nur flüchtig kennengelernt haben, anfertigen, und erst dann überlegen, ob und wie sie denen mitteilen wollen, dass sie eine neue Stelle suchen.

Sie können zum Beispiel Ihren Terminkalender, auch gerne ältere Jahrgänge, durchforsten und in Ihrem Gedächtnis nach alten Kontakten kramen.

Theoretisch ist es übrigens so, dass vor allem Menschen, die Sie nicht so gut kennen, am ehesten von Jobangeboten erfahren. Vermutlich verkehren die Menschen, mit denen Sie sonst am meisten zu tun haben, in den gleichen Kreisen wie Sie – und deshalb können die nicht mehr wissen (können) als Sie selbst.

Durch Netzwerken vermittelte Stellen halten länger

Es gibt Forschungsergebnisse, die bestätigen, dass diejenigen, die über Ihr Kontaktnetz an einen neuen Job gekommen sind, wahrscheinlich länger dabei bleiben, bessere Resultate erzielen und eine positivere Einstellung zu Ihrer Stelle haben. Das könnte daran liegen, weil diese Arbeitsuchenden durch das Netzwerken ein besseres Gespür über den künftigen Arbeitsplatz bekommen als Bewerber, die sich traditionell bewerben.

Psychiater Dr. Raj Persaud praktiziert in London.

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