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Zahlen deutsche Banken wirklich so lausig?

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Die US-Investmentbanken gelten in Sachen Boni am Finanzplatz London als besonders großzügig. Darüber hinaus verfügen sie über gute Möglichkeiten die EU-Bonusdeckelung zu umgehen. Dagegen haben die europäischen Banken mit wachsender Regulierung und politischem Druck zu kämpfen. Doch einen großen Bogen sollten die Mitarbeiter um die deutschen Banken machen.

Denn nach der „eFinancialCareers 2014 Bonus Survey“ haben die deutschen Player in Großbritannien Boni von durchschnittlich nur 63.500 Dollar springen lassen. Dagegen belief sich die variable Vergütung bei US-Banken auf stolze 101.300 Dollar, bei britischen Instituten auf 80.500 Dollar und bei Schweizer Banken auf 66.800 Dollar.

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Die Deutsche Bank agiert bei der Vergütung ihrer Investmentbanker besonders vorsichtig. So zählt der deutsche Branchenprimus zu den wenigen Banken in London, die noch keine monatlichen „Zuschüsse“ gewähren. Dabei handelt es sich um an die Leistung gebundene Vergütungsbestandteile, die weder zu den Grundgehältern noch zu den Jahresboni gehören. Somit stellen sie eine Möglichkeit dar, die EU-Bonusdeckelung elegant zu umgehen. Bei der Deutschen Bank werden die Boni erst ab der Marke von 100.000 Euro zeitverzögert ausbezahlt. Von den 8577 Beschäftigten im Front Office sind von dieser Maßnahme nur 4700 Mitarbeiter betroffen. Mit anderen Worten: Knapp 4000 Front Office-Bankern kassieren Boni von unter 100.000 Euro.

Laut dem Vergütungsbericht der Deutschen Bank belief sich der durchschnittliche Bonus in 2013 auf 83.200 Euro. Der Personalaufwand fiel im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent.

Dagegen hat die Commerzbank ihren Vergütungsbericht für das abgelaufene Jahr noch nicht vorgelegt. Allerdings hat das Institut in 2012 insgesamt nur 95 Mio. Euro an seine 2053 Investmentbanker ausgeschüttet, womit sich ein durchschnittlicher Bonus von 46.200 Euro errechnet. Von dem Bonuspool wurden allerdings nur 7,6 Mio. Euro in Bargeld auf den Tisch geblättert.

Um die EU-Bonusdeckelung auf 200 Prozent des Grundgehalter anzuheben, müssen sich die US-Banken nur die interne Zustimmung der Aktienbesitzer ihrer englischen Tochtergesellschaften einholen. Dagegen müssen die eigentlichen EU-Banken das Placet einer Mehrheit ihrer sämtlichen Aktionäre gewinnen.

Auch bei der US-Investmentbank Goldman Sachs purzelten in 2013 die Gesamtvergütungen. Allerdings gaben sie nur leicht von 400.000 Dollar in 2012 auf 383.000 Dollar in 2013 nach. Auch einige führende britische Investmentbanker haben sich für die bestehende Bonuskultur eingesetzt. Laut Barclays-Chef Anthony Jenkins seien die Investmentbanking-Boni erforderlich, um eine „Todesspirale“ zu vermeiden, die beim Massenexodus talentierter Fachkräfte unvermeidlich wäre. Der Personalaufwand verminderte sich somit auch nur marginal um 2 Prozent. Auch der Rivale HSBC hat sich bei den monatlichen „Zuschüssen“ zwischenzeitlich sehr großzügig gezeigt.

Die beiden Schweizer Großbanken haben nach mageren Jahren endlich wieder ihre Boni erhöht. So kletterte der Bonuspool der UBS allein um 28 Prozent. Doch damit nicht genug: Die aufgeschobenen Boni beginnen erst ab einer Schwelle von 300.000 Franken. Dies bedeutet, dass sämtliche Investmentbanker aus den niederen und mittleren Hierarchieniveaus quasi ihre gesamten Boni in Cash erhalten dürften. Darüber hinaus hat die UBS die Anzahl ihrer „regulierten Mitarbeiter“ an der Themse von 188 auf 156 Beschäftigte verringert. Für diese gelten besonders strikte Vergütungsauflagen. Auch wenn die Vergütungsstrukturen beim Rivalen Credit Suisse immer komplexer werden, sank der Personalaufwand im abgelaufenen Jahr doch lediglich um 3 Prozent.  Unter dem Strich muss man wohl sagen, dass die deutschen Banken die unrühmlichen Ausreißer darstellen.

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