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1000 neue Stellen sind nicht genug: EZB-Mitarbeiter schicken Brandbrief

ECB

Für die neue einheitliche Bankenaufsicht muss die Europäische Zentralbank (EZB) bis zum Herbst 1000 neue Stellen schaffen. Doch dies ist aus Sicht der Mitarbeiter nicht genug. „Wir sind der Meinung, dass eine angemessene Personalausstattung für das Europäische System der Zentralbanken (EZSB) und insbesondere für die EZB unabdingbar ist, um eine sichere, dauerhafte und erfolgreiche Erledigung der Aufgaben zu gewährleisten und dabei die Unabhängigkeit und den guten Ruf zu wahren“, heißt es in einem offenen Brandbrief der Mitarbeitergewerkschaft Ipso.

Personalaufbau hält mit wachsenden Aufgaben nicht mit

Zur Schaffung von 1000 neuen Stellen für die einheitliche Bankenaufsicht sagte Ipso-Generalsekretär Wolfgang Hermann gegenüber eFinancialCareers: „Ich halte diese Zahl für sehr knapp bemessen.“ Der Verwaltungsrat der EZB wolle aus politischen Erwägungen die Mitarbeiterzahl an der unteren Grenze des Nötigen halten.

Doch auch für die übrigen Aufgaben der EZB fordert Ipso zusätzliches Personal. „Seit der Finanzkrise in 2008 haben die Aufgaben der EZB kolossal zugenommen, während die Mitarbeiterzahl nicht im gleichen Maße aufgestockt wurde“, sagte Hermann. „Die Arbeitsbelastung ist wahnsinnig hoch, dennoch sind die Mitarbeiter auch weiterhin sehr motiviert.“

Im vergangenen Jahr habe Ipso einen Mitarbeiterbedarf von 200 Stellen veranschlagt. Tatsächlich seien aber nur 60 Stellen geschaffen worden. Allerdings falle es schwer, genaue Zahlen zu ermitteln. „Es gibt bei der EZB kein richtiges System von Stellenbeschreibungen wie es auch keinen strukturierten Karrierepfad gibt“, sagte Hermann. „Sie greifen ins Vage.“

98 Prozent der befristeten Stellen werden in feste Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt

Die Gewerkschaft kritisierte überdies den hohen Anteil an befristet Beschäftigten. So erhalten neue Mitarbeiter bei der EZB zunächst nur dreijährige Verträge und leitende Manager Fünfjahresverträge. Dies gefährde die Unabhängigkeit der EZB. Die Mitarbeiter hätten bei Personalentscheidungen kein Mitspracherecht. Damit unterlägen die Beschäftigten der Willkür des Managements und der Personalabteilungen. Darüber hinaus eröffne das herrschende Verfahren Einflussmöglichkeiten für nationale Seilschaften. Allerdings bezifferte Herman den Anteil der befristeten Verträge, die nach drei oder fünf Jahren in feste Arbeitsverhältnisse umgewandelt würden, auf 98 bis 99 Prozent.

Scharf wandte sich die Gewerkschaft auch gegen Leiharbeit, Berater- und Kurzzeitverträge. „Wir sind insbesondere schockiert darüber, dass anstelle von Mitarbeitern der EZB und der nationalen Aufsichtsbehörden, Personal von Oliver Wyman, einer privaten Beratungsfirma, damit beauftragt wurde, einen großen Teil der Bewertung der Qualität der Aktiva (sogenannte ‚asset quality review‘) der europäischen Banken durchzuführen.

EZB mahnt zu verantwortungsvollem Umgang mit den Kosten

Die EZB wies unterdessen den Brandbrief der Mitarbeiter zurück: „Die EZB ist von einem vorsichtigen Umgang mit den allgemeinen Gehaltskosten überzeugt.“ Der Aufbau der einheitlichen Bankenaufsicht müsse kosteneffizient erfolgen. Dies sei die EZB Steuerzahlern und dem Bankensektor schuldig, die die Kosten zu tragen hätten.

Abgesehen von der Arbeitsbelastung habe die EZB als EU-Behörde doch einige Vorzüge, was die gute Vergütung, Zulagen und die vergleichsweise geringe Besteuerung der Mitarbeiter betrifft, meint Hermann. „Es ist für die Karriere sicherlich ganz gut, drei oder fünf Jahre EZB im Lebenslauf zu haben.“

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