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Was eine Psychologin Goldman Sachs-Mitarbeitern rät

Mittlerweile dreht sich in den Banken alles um die Nöte der jungen Banker. Denn die Generation um Mitte 20 wird in den Investmentbanken besonders hart herangenommen. Sie sind oft überarbeitet, sozial isoliert, werfen sich Pillen ein und müssen ihren Schlaf in einer Toilettenkabine nachholen. Nach einigen Jahren kehren viele der Branche frustriert den Rücken – und das obgleich in einigen Sparten wie z.B. M&A junge Banker heißbegehrt sind, da nach der Finanzkrise einfach zu wenig ausgebildet wurde.

Damit steigt der Druck auf die Banken, die Nachwuchsbanker bei Laune zu halten. Dies mag die Investmentbank Goldman Sachs bewogen haben, die Psychologin Dr. Meg Jay anzuheuern, deren Spezialgebiet junge Erwachsene sind. Kürzlich hielt Jay jedenfalls einen Vortrag vor Goldman Sachs-Analysten. Die Psychologin hat bereits vor einiger Zeit einen ganz ähnlichen Vortrag gehalten. Hier die nützlichsten Ratschläge:

1. Das Leben beginnt schon vor dem 30. Geburtstag

Junge Finanzprofis geben sich oft der Illusion hin, dass es sich beim Jahrzehnt zwischen 20 und 30 lediglich um eine Vorbereitung für das wahre Leben handle, das mit dem 30. Geburtstag beginne, berichtet Jay. Doch eben diese Jahre seien für die persönliche Entwicklung ausschlaggebend. Denn 80 Prozent der lebensentscheidenden Momente ereignen sich vor dem 35. Geburtstag. „Unser drittes Lebensjahrzehnt ist eine Zeit, in der die Dinge, die wir unternehmen oder unterlassen, einen enormen Einfluss auf die späteren Jahre und sogar folgende Generationen haben“, betont Jay.

2. Schieben Sie die Dinge nicht auf

Die Generation der 20jährigen werde geradezu ermuntert, die Probleme auf die lange Bank zu schieben. Da dieser Lebensabschnitt oft als Übergangszeit missverstanden werde, herrsche die Tendenz, jetzt den Kuchen zu verspeisen und den Gang ins Fitnessstudio aufzuschieben oder die Kreditkartenschulden erst im folgenden Monat zu bezahlen. Damit würden die Probleme für die Zukunft aufgespart.

Die Menschen in diesem Alter müssten lernen, langfristig zu denken, rät Jay. Besonders Hochschulabsolventen seien daran gewöhnt, in Semesterlängen zu denken. „Ein Mitzwanziger versteht unter Zukunft im Januar gerade einmal Mai. Es dreht sich alles darum, was er in diesem Sommer unternimmt und mit wem er in im nächsten Jahr zusammensein wird. Aber das Ende der Komfortzone kommt danach“, sagt Jay.

3. Wer nicht rechtzeitig die Weichen stellt, gerät mit Mitte 30 aufs Abstellgleis

Wenn Sie erst bis nach Ihrem 30 Geburtstag warten, um den richtigen Job und den richtigen Partner zu finden oder eine Familie zu gründen, dann haben Sie bereits den Weg des Scheiterns betreten. „Der Wetteinsatz ist ziemlich hoch“, sagt Jay. „Wenn Sie eine Menge bis Mitte 30 aufgeschoben haben, dann entsteht ein enormer Druck, gleichzeitig einen Partner zu finden, eine Karriere aufzubauen und in eine neue Stadt zu ziehen.“

Falls Sie also nicht schon mit Mitte 20 ein bewusstes und umsichtiges Leben führen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Mitte 30 enttäuscht sein werden, wenn Karriere, Partnerfindung und Familiengründung nicht nach Ihren Vorstellungen verlaufen.

4. Das Geld, das Sie mit Mitte 20 verdienen, ist besonders wichtig

Jay lässt kaum eine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass die Jahre zwischen 20 und 30 exponentielle Auswirkungen auf die künftigen Verdienstmöglichkeiten haben. Das scheint sich für die jungen Banker von Goldman Sachs und anderswo eigentlich ganz verheißungsvoll anzuhören. Laut dem Recruitment-Unternehmen One Search beläuft sich z.B. die Vergütung für einen M&A-Mitarbeiter in London im ersten Jahr bereits auf 100.000 Pfund und steigt bis zum dritten Jahr auf 280.000 Pfund an – wahrlich kein Kleingeld.

5. Ziehen Sie nicht schon mit Mitte 20 zusammen

In einem Artikel für die New York Times wandte sich Jay gegen die sogenannte Lebensgemeinschafts-Falle. „Viel zu oft begeben sich junge Erwachsene in diese Situation, die sie für kostengünstig und risikoarm halten. Erst Monate oder gar Jahre später stellen sie fest, dass sie hier nicht mehr herausfinden“, sagt Jay. „Es ist so, als wenn Sie eine Kreditkarte mit 0 Prozent Zinsen haben. Nach zwölf Monaten steigt der Zins auf 23 Prozent und plötzlich befinden Sie sich in einer Falle wieder, weil der Kredit zu hoch ist, um ihn abzubezahlen. Doch das gemeinsame Zusammenleben kann ähnlich enden. Im Behavioral Economics wird so etwas als Konsumentenfalle bezeichnet.“

6. Suchen Sie sich Ihren Partner genau aus

Jay rät schon den 20jährigen sich genau anzuschauen, mit wem sie ihr Leben verbringen wollen. Ein Patient habe ihr erzählt: „Deine Familie kannst Du Dir nicht aussuchen, Deine Freunde schon.“ Doch dies stimme nicht: „Die beste Zeit an seiner Ehe zu arbeiten, ist die Zeit vor der Ehe… Sie sollten sich bewusst aussuchen, mit wem Sie zusammenleben wollen und nicht nur die Zeit mit demjenigen zu verbringen, der Sie sich aussucht.“

7. Das Stadtleben wird überschätzt

Für viele Banker mag sich dies wie ein Schock anhören. Doch laut Jay müssen Mittzwanziger nicht unbedingt ihr Leben in einer der großen Metropolen verbringen. Diese Altersgruppe tendiere dazu, ihre Zeit gemeinsam und immer an den gleichen Orten zu verbringen. Doch es gebe viele attraktive Alternativen.

8. Schlafwandeln Sie nicht durch Ihr Leben

Jay warnt davor, seinen Bankingjob für eine Weltreise oder die Selbstverwirklichung aufzugeben – ohne ein konkretes Ziel vor Augen zu haben. Schließlich wollen Sie nicht zu den Leuten zählen, die sich sagen: „Ich bin beinahe 30 und ich habe nichts vorzuweisen. Mein Lebenslauf sah besser aus, als ich die Uni verlassen habe.“

9. Nutzen Sie Ihre losen Bindungen für neue Chancen

Laut Jay gleichen Menschen Anfang 20 einem Flugzeug, das gerade gestartet sei. Mit einer geringen Kurskorrektur könnte die Maschine nach Hawaii oder Alaska fliegen. Dabei müssen die Leute beachten, dass die meisten Stellen gar nicht erst ausgeschrieben werden. Wenn Sie also Ihre nur losen Verbindungen mit Verwandten, Freunden oder auch nur flüchtigen Bekannten nutzen, dann kann sich damit schon die gesamte Richtung Ihres Lebens ändern.

10. Vergessen Sie Ihre Identitätskrise

Verbringen Sie diese Jahre nicht damit sich zu fragen, wer sie sein sollten und von einem Job zum anderen zu wechseln. Auch 20 Stunden am Tag in einer Bank zu arbeiten sei wenig hilfreich. Vielmehr gehe es in diesem Alter darum, die Grundlagen für das spätere Leben zu schaffen.

„Kümmern Sie sich nicht um Ihre Identitätskrise, sondern darum persönliches Kapital aufzubauen“, rät Jay. Suchen Sie nach etwas, dass Ihrer Persönlichkeit etwas hinzufügt und eine Investition darin darstellt, was Sie einmal sein wollen. „Jetzt ist die Chance für einen neuen Job gekommen, für das Praktikum, das Sie schon immer machen wollten“, sagt Jay. Nichts sei daran zu beanstanden, sich mit Mitte 20 ein wenig auszuprobieren – solange es sich in die richtige Richtung bewegt. Ansonsten handele es sich lediglich um Zeitverschwendung.

Doch werden sich die jungen Banker von Goldman Sachs von Jays Ratschlägen beeinflussen lassen? Das lässt sich kaum abschätzen. Womöglich werden einige zu dem Schluss kommen, dass sie einige Jahre verschwendet haben. Andere mögen sich darin bestätigt sehen, dass sie die wichtigste Zeit ihres Lebens durchmachen, viel Geld verdienen, einen erstklassigen Lebenslauf vorweisen können – aber es versäumen, die Grundlagen für etwas anderes zu schaffen.

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