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DER JUNIOR: 4 Typen von Fondsmanagern

1. Der Schwätzer

Er telefoniert den ganzen Tag pausenlos mit irgendwelchen Brokern, Analysten oder Investor Relations Managern. Obwohl die Gespräche dazu gedacht sind, ihn aufzuklären über Investmentideen, Chancen, Risiken und Marktstimmungen, so übertrifft doch sein
Sprechanteil denjenigen seiner Gesprächspartner deutlich. Seine Redseligkeit wird nur noch von seinem Ego übertroffen. Er hat die Börsenweisheit mit Löffeln gefressen und will daran auch alle Welt teilhaben lassen. Jeder Call vom Broker der nicht funktioniert hat, wird gnadenlos zerrissen. Derjenige, der funktioniert, wird darauf reduziert, dass die
Marktbewegung ohnehin selbstverständlich war. Sollte er selbst
einmal mit einer seiner Überlegungen schiefliegen, hat er selbstverständlich eine
Begründung parat.

Dem Schwätzer entgegnet man am besten, in dem man vorgibt, all seinen Ausführungen ehrfürchtig zu lauschen. Große Widerworte sollte man nicht geben und es wird auch nicht erwartet, dass man seine Investmentideen ausführlich erläutert. Meist ist es völlig ausreichend, eine Idee nur zu äußern, schon wird man bombardiert mit minutenlangen Ausschweifungen zu dem Thema.

2. Der Quantitative Typ

Er hat meist ein Fach wie Mathematik oder Physik studiert. Seine Welt besteht aus Zahlen. Er ist ein kühler Rechner und kann mit den zum Teil hysterischen Stimmungsschwankungen des Marktes nicht viel anfangen. Newsflow-getriebene Fondsmanager, die ihre Trades unter Einfluss von Gier und Angst durchführen, belächelt er nur, während er unermüdlich von morgens bis abends nach Korrelationen sucht und seine Theorien mit Hilfe von Backtests überprüft.

Sein Problem dabei ist, dass sich die Vergangenheit nicht immer wiederholt und vergangene Marktgesetze von heute auf morgen nicht mehr gelten können. Sobald er das gemerkt hat, liegt er bereits einige hundert Basispunkte hinter seiner Benchmark. Auch unternehmensspezifische Ereignisse liegen außerhalb seines Radars. Der “Quant” hat für gewöhnlich eine deutlich größere Anzahl von Unternehmen in seinem Portfolio, da er seine Investitionsentscheidungen hauptsächlich nach mathematischen Zusammenhängen trifft. Den “Quant” beeindruckt man am besten durch ausgiebige finanzmathematische Kenntnisse. Sagt man z. B. dass kontinuierliche Renditen normalverteilt sind, hat der Quant einen direkt in sein Herz geschlossen und man darf zu Belohnung “exceln” bis der Arzt kommt.

3. Der Wellenreiter

Fundamentale Daten sind ihm egal. Er kauft, was von der Presse hochgelobt wird. Sein Verhalten gleicht einer Hausfrau, die Aktien kauft, sobald in der Bildzeitung ein neues Alltime-High verkündet wird. Grundsätzlich ist diese Vorgehensweise gar nicht mal schlecht, denn gemäß dem Motto “The trend is your friend” ist es an jedem Punkt eines Trends wahrscheinlicher, dass er sich fortsetzt, als dass er bricht. Das Problem ist nur, dass der Wellenreiter meist den Absprung verpasst.

Dem Wellenreiter begegnet man am besten, in dem man ihn ständig mit Anlageideen bombardiert. Er hat selbst keine Ahnung von dem, was er tut. Daher verlässt er sich gern auf andere. Den Typ des Wellenreiters findet man oft unter den Fondsmanagern die hinter ihrer Benchmark liegen (also ziemlich viele). Verzweifelt über das Misslingen der eigenen Investment-Strategie, sucht er nach Titeln, die einfach nur laufen, um seine P&L bis zum Stichtag der Performancemessung für den eigenen Bonus zu retten.

4. Der Valuegetriebene

Er ist der Prototyp des gewieften Investors. Warren Buffett ist sein Vorbild und Benjamin
Graham hat er schon dreimal gelesen. Ständig auf der Suche nach unterbewerteten Aktien durchpflügt er die Börse. Hat er einen Kandidaten gefunden, startet er mit seinem
Hauptwerkzeug, der DCF-Analyse. Er arbeitet sich durch Unmengen von Research-Material. Dann legt er los und prognostiziert die Entwicklung der Umsätze, des Gewinns, der Steuern, der Abschreibungen und der Investitionstätigkeit. Nach langer Zeit kommt er dann auf die zukünftigen Cashflows des Unternehmens, zinst diese ab und kommt so zum fairen Wert der Aktie, der im Idealfall deutlich über dem aktuellen Kurs
liegt.

Prinzipiell ist der Weg des Valuegetriebenen vielversprechend, doch er hat oft ein Problem: Er verliebt sich in seine Aktie. Nach stundenlangem Einarbeiten in die Materie baut er eine regelrechte Beziehung zu dem Objekt seiner Begierde auf. Daher will er sie natürlich auch am Ende des Research-Prozesses kaufen. Doch was passiert, wenn am Ende seiner Analyse eine Überbewertung herauskommt? Dann macht er es wie viele Analysten: Er schraubt so langean seinen Annahmen, bis das Ergebnis seine Meinung zu bestätigen scheint.

Der Autor ist Junior im Aktienteam einer großen Fondsgesellschaft.

Kommentare (1)

Comments
  1. Als Junior kann man das sicherlich schreiben…Stupid boy

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