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Karrierealternative für Banker? Siemens schafft 1000 Jobs in Financial Services

Siemens

Kaum ein Finanzdienstleister ist so unbekannt und trägt doch einen der renommiertesten  Namen der deutschen Wirtschaft: Siemens. Der Konzern legte heute seine Ergebnisse für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres vor, das am 1. Oktober begonnen hat. Doch Siemens verkauft nicht nur Kraftwerke und Medizintechnik. Vielmehr besitzt der Konzern mit Siemens Financial Services (SFS) ein ganzes Portfolio von Finanzdienstleistern: Von Versicherungsvermittlern über Venture Capital-Unternehmen bis hin zu einer eigenen Bank.

Die Geschäftszahlen von SFS können sich durchaus sehen lassen. Da der Konzern die Ergebnisse seiner Töchter mit einiger Zeitverzögerung in homöopathischen Dosen veröffentlicht, stützen wir uns maßgeblich auf den Jahresabschluss 2013. Demnach kletterte die Bilanzsumme von 11,7 Mrd. Euro in 2009 auf 18,7 Mrd. Euro in 2013 – ein Plus von immerhin 60 Prozent. Unter dem Strich stand im Geschäftsjahr 2013 ein Vorsteuergewinn von 409 Mio. Euro.

Siemens Financial Services deklassiert Banken bei der Eigenkapitalrendite

Besonders bemerkenswert ist die Eigenkapitalrendite, mit der SFS die Konkurrenz aus der wahren Bankenwelt geradezu deklassiert. So weist der Siemens-Geschäftsbericht eine Eigenkapitalrendite von 17,1 Prozent in 2013 und sogar 21,9 Prozent in 2012 aus. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank brachte es in den beiden vergangenen Geschäftsjahren gerade einmal auf 1,9 und 0,5 Prozent – Peanuts also. Da Siemens für den Konzern Eigenkapitalkosten (WACC) von 7,5 Prozent ansetzt, erweist sich der Ausflug des Elektrokonzerns in die Finanzdienstleistungen als überaus lukrativ.

60 Prozent mehr Stellen innerhalb von nur vier Jahren

Davon profitieren auch die Mitarbeiter. Während bei anderen Finanzdienstleistern derzeit die Axt an den Mitarbeiterstamm gelegt wird, scheint SFS kräftig Personal aufzubauen. Von 2009 bis 2013 kletterte die Beschäftigung ebenfalls um 60 Prozent auf exakt 3007 Mitarbeiter. Mithin schuf SFS innerhalb von vier Jahren über 1100 Jobs – und das trotz der Finanzkrise. Allerdings ging ein Teil des Stellensegens auf Akquisitionen zurück. So habe der Konzern z.B. ein Leasingunternehmen in Russland gekauft, betont eine Konzernsprecherin. Wie sich der Stellenaufbau auf Neueinstellungen und Akquisitionen verteilt, konnte die Sprecherin nicht beziffern.

Quelle: Siemens Financial Services

Quelle: Siemens Financial Services

Auch die Vergütung kann sich sehen lassen

Doch lohnt sich die Arbeit bei SFS auch in finanzieller Sicht? Leider gibt die Sparte keine gesonderten Angaben zu Personalaufwand oder gar Gehältern. Bei der Siemens Bank GmbH sieht es indes ein wenig besser aus. Das Institut stellt jedoch mit 146 Mitarbeitern in 2012 – neuere Daten sind nicht verfügbar – nur einen winzigen Ausschnitt von SFS dar. Davon arbeiten 118 in München und 27 in London. Laut dem Vergütungsbericht ließ die Siemens Bank für Mitarbeiter insgesamt 14,1 Mio. Euro springen – knapp 11,3 Mio. als Festgehälter und fast 2,9 Mio. als Boni. Unter dem Strich kassierte also jeder Siemens-Banker durchschnittlich 97.000 Euro.

Bei den Boni zeigt sich die Siemens Bank im Vergleich zur Konkurrenz aus dem Corporate and Investment Banking zugeknöpft. So heißt es im jüngsten Vergütungsbericht: „Der Anteil der variablen Einkommensbestandteile am Jahreseinkommen beträgt im Grundsatz maximal 30 Prozent.“ Diese Einschränkung gilt freilich nur für den Standort München. In London zeigt sich die Siemens Bank großzügiger. Dort lägen die Boni „in der Regel“ bei 5 bis 80 Prozent, wenn die Ziele zu 100 Prozent erreicht würden. Doch selbst im Londoner Senior Management liegen die Boni „im Grundsatz bei maximal 65 Prozent der fixen Vergütung“ wie es im Vergütungsbericht weiter heißt.

Konzerne wie Siemens stellen interessante Alternativen für Banker dar

Laut Headhunter Andreas Christl von Talentspy in München können die Finanzdienstleistungstöchter von Großkonzern attraktive Karrierealternativen für Banker darstellen. Die Kandidaten hätten dort oft die Möglichkeit, sich in ihrer Karriere breiter aufzustellen als im Banking und später einmal in andere Bereiche des Konzerns zu wechseln. „Das ist einfach flexibler“, sagt Christl.

Für Headhunter Dirk Albütz von Fibance in Frankfurt handelt es sich bei SFS um eine „Brücke“ zwischen der Industrie und der Finanzwelt. Bei der Finanzierung von Projekten verfüge ein Konzern wie Siemens nicht nur über das Wissen einer Bank, sondern auch über Branchenkenntnisse. Damit besitze ein solcher Konzern einen Wissensvorsprung vor reinen Banken, was möglicherweise auch ein Grund für die gute Eigenkapitalrendite von SFS darstelle.

Auch Albütz hält Corporates für eine interessante Karrierealternative für Banker. „Das Thema Work-Life-Balance wird besser bedient. Dagegen ist Face-Time im Banking auch weiterhin ein großes Problem“, erläutert der Headhunter. Bei Industriekonzernen könnte man sich vielleicht auch mal einen Freitagnachmittag frei nehmen. „Das ist etwas entspannter.“

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