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ERFAHRUNGSBERICHT: Wie es sich in einem Family Office tatsächlich arbeitet

Jede Familie unterscheidet sich.

Jede Familie unterscheidet sich.

Sie wollen in einem Family Office arbeiten? Eine gute Wahl. Denn die Arbeit in einem Family Office stellt einen der aufregendsten Jobs in Finance dar – weitaus aufregender als in einer großen Investmentbank, wo Sie jeden Tags so ziemlich das gleiche machen. Schließlich stellt eine Investmentbank nichts anderes als eine Fabrik dar.

Falls Sie ein vertrauenswürdiger Berater in einem Family Office werden wollen, das zwischen 500 Mio. und 15 Mrd. US-Dollar verwaltet, dann müssen Sie eng an die Familie herankommen. Abgesehen von anderen Dingen sind hierfür Zeit, Loyalität, Vertrauen und Integrität erforderlich. Wenn Sie denken, dass es schwierig ist, in eine Investmentbank hineinzukommen – was tatsächlich der Fall ist – dann sollten Sie wissen, dass der Einstieg in ein Family Office exponentiell schwieriger ausfällt. Ein Berater muss ein Begleiter sein und jemand, dem das Wohl der Familie am Herzen liegt. Einige dieser Familien sind schon viel herumgekommen und haben einiges gesehen. Sie lassen sich nicht leicht täuschen.

Es gibt alle möglichen Arten von Family Offices: Von etablierten, denen Unternehmen gehören, deren Produkte Sie jeden Tag benutzen, bis zu den Neulingen, die ihr Vermögen in relativ kurzer Zeit gemacht haben. Bei den Leuten, die in diesen Offices arbeiten, handelt es sich zum Teil um Familienmitglieder und deren Partner. In anderen Fällen ist die Familie nur bei den Entscheidungen auf der obersten Ebene beteiligt und überlässt die alltägliche Verwaltung ihrer Investments den Profis.

Eine große Rolle spielt dabei die Kultur des jeweiligen Family Offices. Ich kenne ein Family Office aus Aserbaidschan. Es wird von einem guten Freund des Familienoberhaupts geleitet und alle Leute, die dort arbeiten, sind enge Freunde des Familienoberhaupts. Vertrauen ist wichtiger als alles andere. Andererseits kenne ich ein amerikanisches Family Offices, das Einstellungen nur aufgrund der Kompetenzen vornimmt. Sie stellen jemanden ein, den sie noch nie zuvor gesehen haben, falls diese Person ihr Vermögen mehren kann. Das hängt ganz von der jeweiligen Familie ab.

Nepotismus, Chauffeure und Privatjets

Nur um Ihnen einen kleinen Eindruck zu vermitteln: Ich habe bei einem Family Office gearbeitet, wo ich mit einem der Kinder befreundet war. Obgleich der Vater zu den reichsten Männern Großbritanniens gehörte, zählte das Family Office weniger als zehn Mitarbeiter. Es war in einer der besten Adressen von Mayfair angesiedelt. Wir hatten einen Chauffeur, der uns während des Tages zu den Meetings fuhr, sowie zwei Privatjets zu unserer Verfügung. Wir nutzen diese um Zeit zu sparen, was übrigens den größten Vorteil von Privatjets darstellt. Die Arbeitsumgebung war immer entspannt. Wir hatten viel Geld zu investieren und daher haben wir uns die Zeit genommen, die richtigen Investments zu tätigen.

Während des Tages kamen die Leute ins Office und boten uns Investitionsgelegenheiten an. An manchen Tagen hatten wir mehr als ein Dutzend Meetings. Die Investments, die uns angeboten wurden, waren zahlreicher als die Haare auf dem Rücken eines Gorillas. Wir haben Investitionsmöglichkeiten von der ganzen Welt gesehen und in allen erdenklichen Sektoren. An demselben Tag konnte ich mir Investitionsangebote von einem Spielehersteller-Startup im Silicon Valley anhören, von einer Finanzierung russischer Ölförderanlagen, einer Glückspielwebsite in Gibraltar, der Finanzierung von Flugzeugen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Entwicklung einer Ferienanlage in Lateinamerika, einer Schweizer Privatbank, einer karibischen Insel , einer mongolischen Goldmine etc.

Es ging alles ganz schnell. Es gab keine Bürokratie, wie man sie in einem Großunternehmen findet. Eines Tages kam jemand mit einer Investitionschance. Es war eine schlimme Situation. Jemand in Osteuropa benötigte dringend 10 Mio. US-Dollar an Bargeld, aber die Banken wollten ihm das Geld nicht geben. Er besaß zwei Villen in Südfrankreich, die er als Sicherheit anbot. Wir hatten ein 30minütiges Gespräch und anschließend eine Telefonkonferenz mit dem potenziellen Kreditnehmer Am nächsten Tag sind wir in einen Privatjet gesprungen und haben uns die Villen angesehen. Der Deal wurde innerhalb von einer Woche abgewickelt.

Die Arbeit in einem Family Office stellt eine großartige Chance dar, um sein Netzwerk zu entwickeln. Sie treffen einige wirklich interessante Leute als Folge Ihrer Nähe zu der Familie. Als ich für die oben genannte englische Familie gearbeitet habe, lernte ich viele andere Family Offices kennen, berühmte Unternehmer, eine Reihe von Hollywood-Schauspielern aus der ersten Reihe, Top-Models, berühmte Gastronomen und die Mitglieder verschiedener königlicher Familien. Das bekommen Sie in einer Investmentbank nicht geboten.

Bei ibanker handelt es sich um den ehemaligen Mitarbeiter einer großen Investmentbank, der eine Investmentgesellschaft für Family Offices gegründet hat, die spezielle Dienstleistungen für Family Offices und Staatsfonds von rund um den Globus anbietet. Sein erster Roman wird im Frühjahr 2014 veröffentlicht. Weiter produziert er den Kurzfilm „A Lucky Guy“, das den Zuschauern das wahre Gesicht des Investmentbankings zeigen möchte. Der Film soll Mitte 2014 herauskommen.

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