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Haben Frauen im Investmentbankbanking überhaupt Karrierechancen?

Auch das Schweizer Topmodell Xenia Tschoumitcheva hat sich im Investmentbanking versucht und sich gegen eine Karriere in der Branche entschieden.

Auch das Schweizer Topmodell Xenia Tschoumitcheva hat sich im Investmentbanking versucht und sich gegen eine Karriere in der Branche entschieden.

Frauen und Karriere im Investmentbanking? Das muss keinen Widerspruch darstellen, wie Helene von Roeder beweist. Die Astrophysikerin ist nach 18 Jahren im Kapitalmarktgeschäft am 1. April in den vierköpfigen Vorstand von Morgan Stanley Deutschland aufgestiegen. Ein anderes Beispiel ist Ingrid Hengster. Als Chefin der Royal Bank of Scotland war sie für 500 Leute verantwortlich. Im Juli rückte die 52jährige in den Vorstand der staatseigenen KfW-Bank ein.

Nach fünf Jahren kommen Frauen oft in der Karriere nicht weiter

Doch laut der Headhunterin und früheren Fixed Income Sales-Mitarbeiterin Angela Hornberg von Advance Human Capital in Frankfurt stellen Frauen auf den höheren Führungsebenen im Investmentbanking immer noch eine Ausnahme dar. Nach ihren langjährigen Erfahrungen haben weibliche Investmentbanker besonders in Deutschland immer noch mit Vorbehalten zu kämpfen. „10 Prozent der Mandanten suchen pro-aktiv nach Frauen, 10 Prozent sind gegen Frauen und 80 Prozent sind von dem Thema genervt“, sagt Hornberg. Bei ausländischen Banken falle Frauen eine Investmentbanking-Karriere leichter als bei den deutschen Häusern wie die Beispiele von Roeder und Hengster belegen.

Nach Einschätzung von Hornberg würde das Verhältnis von Frauen zu Männern unter den Einsteigern mittlerweile etwa 40 zu 60 betragen. Doch im Laufe der Jahre und mit steigender Seniorität sinke der Frauenanteil kontinuierlich. „Ab dem fünften Jahr, an der Schwelle zur Führungskarriere, wird es schwierig“, sagt Hornberg. „Ab dann zählen die ‚kulturellen Kompetenzen‘ der männlich geprägten Arbeitswelt (z.B. Seilschaften!)  und darin tun sich Frauen oft schwer.“

An mangelnder fachlicher Kompetenz liege der Karriere-Nachholbedarf von Frauen nicht. „Das Investmentbanking ist eine sehr männliche Kultur. Es zählen Ego, Geld und Wettbewerb. Da werden die Frauen bis auf einige herausgedrängt.“ Bei der Karriere zähle nicht allein Leistung, sondern man muss auch selbst pro-aktiv mehr Geld und Beförderungen einfordern. „Das liegt Frauen oftmals nicht so“, beobachtet Hornberg.

In Gesprächen würden männliche Kandidaten rasch mit ihren Gehaltsvorstellungen vorpreschen, während Frauen oft entgegneten: „Die Bezahlung ist nicht so wichtig.“ In einer Branche, in der die Menschen so stark nach dem Geld bewertet werden, sei dies der falsche Ansatz. Die Personalexpertin rät Frauen mit Karriereambitionen ihre Ansprüche selbstbewusster vorzubringen.

Viele Frauen scheuen die Männerwelt des Investmentbankings

Dagegen sieht Headhunterin Stefanie Storck von Capital Talent in Frankfurt die Situation von Frauen im Investmentbanking positiver: „Von den großen Banken kommt schon gelegentlich der Kommentar: Wenn Sie eine Frau haben, dann würden wir sie gerne kennenlernen.“ Das Problem dabei: Es gibt einfach zu wenige weibliche Bewerber im Investmentbanking, sagt Storck.

Zum einen stünden die Frauen, die in der Vergangenheit nicht eingestellt worden seien, jetzt auch nicht als Fach- oder Führungskräfte zur Verfügung. „Wenn man jetzt mehr Frauen einstellt, dann zahlt sich das erst in 10 bis 15 Jahren aus.“ Zum anderen: „Vielen Frauen wollen auch nicht ein Leben wie z.B. in M&A. Das ist oft eine Männerwelt, in der teilweise die Nacht durchgearbeitet wird“, sagt Storck.

Außerdem ließe sich der Job eines Investmentbankers nur schwer mit Kindern vereinbaren. Wer ein, zwei Jahre im Mutterschaftsurlaub war, dem Falle eine Rückkehr überdies schwer. „In M&A kann man einfach nicht Teilzeit arbeiten“, ergänzt Storck. Ganz anders sehe dies in Bereichen wie Controlling, Accounting oder Buchhaltung aus. Hier seien Frauen leicht verfügbar. „Das sind Positionen, die man mit normalen Arbeitszeiten abdecken kann“, sagt Storck.

Jeder muss das für sich richtige Umfeld finden, um Karriere zu machen

Auch Headhunterin Mirja Linke von Deininger Consulting in Frankfurt beobachtet keine Vorbehalte gegen Frauen im Investmentbanking. „Ich habe bisher nicht die Erfahrung gemacht, dass jemand explizit keine Frau einstellen will“, sagt Linke, die selbst ihre Karriere in M&A begonnen hat. Falls Linke eine Stelle im Investmentbanking zu besetzen hat, dann wären 80 bis 90 Prozent der Kandidaten nach wie vor Männer. „Die Ausbildung im Investmentbanking ist wirklich hart. Es handelt sich nicht um ein Märchen, dass die Leute die Nächte durcharbeiten“, erzählt Linke. „Vielleicht möchten sich  viele Frauen das auch nicht antun.“

Linke ist keine Befürworterin von Quoten. „Grundsätzlich muss jeder für sich das Umfeld suchen, wo man am besten Karriere machen kann. Das muss man sich als Frau ganz genau ansehen“, sagt Linke. „Aber das gilt auch für Männer. Da muss jeder seine persönliche Wahl treffen. ‚Your choices are half chance.“

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