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Wieso der Job als Headhunter in den Finanzdienstleistungen zurzeit wenig Spaß macht

london

Beim Headhunting in den Finanzdienstleistungen handelt es sich um ein schwieriges Geschäft. Auch wenn sich der Arbeitsmarkt zuletzt entspannt hat, werden doch zumeist nur frei werdende Stellen wiederbesetzt. Und der Wettbewerb in der Personalvermittlungsbranche ist unerbittlich. Dies gilt auch und ganz besonders für London. Wir haben mit einschlägigen Headhuntern über ihre größten Probleme gesprochen. Dafür mussten wir ihnen allerdings Anonymität zusichern.

1. Die Branche ist voller Scharlatane

„Das wirkliche Problem besteht darin, dass es einerseits eine Menge echter Executive Search-Unternehmen und spezialisierte Boutiquen gibt, und andererseits eine Menge Unternehmen, die auf reiner Erfolgsbasis arbeiten, und lediglich vorgeben, Headhunter zu sein“, schimpft ein Managing Partner eines Londoner Personalvermittlers. „Es handelt sich um Drücker und wegen ihnen hat die Branche einen schlechten Ruf“, ergänzt er.

2. Kandidaten scheuen jegliches Risiko

Es fällt immer schwerer, Finanzprofis für einen neuen Job zu erwärmen. „Es ist sehr schwer, Kandidaten davon zu überzeugen, dass ein Arbeitgeberwechsel Sinn macht“, erzählt der Managing Partner. „Sie wissen, was sie an ihrem alten Job haben und außerdem haben sie eine Menge Bonusansprüche angesammelt. Die meisten Finanzdienstleister befinden sich in einer schwierigen Lage und die Kandidaten machen sich Sorgen, auf eine Stelle zu wechseln, mit der sie unvertraut sind.“

3. Banken geben vor, einem Einstellungsstopp zu unterliegen

An diesem Zeitpunkt im Jahr geben die meisten Banken vor, dass ein Einstellungsstopp verhängt sei, erzählt ein Headhunter. Doch die Wirklichkeit kann ganz anders aussehen. „Sie sagen, dass  es einen Einstellungsstopp gebe und dann werden Neueinstellungen gemeldet. Uns wird nicht immer die Wahrheit erzählt“, sagt ein auf Fixed Income spezialisierter Headhunter. So kursieren Gerüchte, dass es bei Macquarie, Santander und Citi Einstellungsstopps gebe. Dagegen soll die UBS immer noch Einstellungen vornehmen. Einstellungsstopps enden meistens damit, dass ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt und ein anderer dafür eingestellt wird.

4. Banken brauchen für den Einstellungsprozess sehr lange und sagen im letzten Moment ab

„Bei den Banken herrscht große Verwirrung, wer und wann eingestellt werden soll“, sagt ein aufs Aktiengeschäft spezialisierter Headhunter. „Eine Bank gab uns ein Mandat, nach XYZ zu suchen, und nachdem sie vier wirklich gute Kandidaten gesehen haben, entschieden sie sich plötzlich, das Ganze abzublasen. Wir haben überhaupt kein Geld erhalten.“

5. Verzweifelte Kandidaten akzeptieren keine Absage

„Ich hatte einen Bereichsleiter für eine halbe Stunde am Telefon – obwohl ich ihm schon in den ersten fünf Minuten gesagt habe, dass ich ihm nicht weiterhelfen kann“, sagt der Equities-Headhunter. „Er versuchte immer wieder sich selbst zu vermarkten. Ich sollte ihn für Berufe berücksichtigen, in denen er keinerlei Erfahrung mitbringt und ich wusste, dass ich ihm nicht helfen kann.“

6. Headhunter stehen im Wettbewerb mit In-house Recruitern

Die meisten Banken streben an, mehr Stellen durch die eigene HR-Abteilung zu besetzen. Externe Headhunter werden erst herangezogen, wenn die angestellten Hiring Manager erfolglos waren.

7. Die Gebühren geraten unter Druck

Die Gebühren für die Vermittlung eines Kandidaten belaufen sich auf 20 bis 28 Prozent des ersten Bruttojahresgehaltes. Dabei streicht nur ein kleiner Kreis von bevorzugten Headhuntern Gebühren von mehr als 25 Prozent ein. Laut einem auf Fixed Income spezialisierten Headhunter haben sich die Gebühren auf diesem Niveau seit dem vergangenen Jahr eingependelt. Allerdings würden einige Banken weiter versuchen die Gebühren für neue Mitarbeiter unterhalb des Managing Director-Levels weiter zu drücken.

8. Headhunter müssen sich gegen interne Besetzungen behaupten

Um die Kosten zu drücken, versuchen auch immer mehr Banken offene Stellen zunächst intern zu besetzen. Denn dies bedeutet kein zusätzliches Personal und keine hohen Kosten für Headhunter. „Das kann schon sehr frustrierend sein“, sagt der Fixed Income-Headhunter. „Wenn es einen anständigen internen Kandidaten gibt, dann muss ihn der Kunde berücksichtigen, auch wenn er weiß, dass er anderswo jemand besseres finden könnte.“

9. Der Arbeitsmarkt ist immer noch in schlechter Verfassung

„Das Hauptproblem besteht im mangelnden Volumen. Es gibt keine großen Investitionen und es herrscht Stagnation. Auch nur den Sign-off für eine Neueinstellung zu erhalten, kann sehr frustrierend ausfallen. Die Büropolitik spielt eine große Rolle und Sie müssen die interne Argumentation Ihres Kunden unterstützen“, sagt ein Personalvermittler. „Der gesamte Einstellungsprozess wird immer intransparenter und Sie wissen niemals, wo Sie gerade stehen.“

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