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Interview mit der Frau, die 1000 Stellen besetzen muss

Willike

Die EU hat den Aufbau einer einheitlichen Bankenaufsicht (Single Supervisory Mechanism) bei der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, die für die rund 130 signifikantesten Banken der Eurozone zuständig sein wird. Dafür sollen innerhalb von zwölf Monaten etwa 1000 zusätzliche Mitarbeiter in Frankfurt eingestellt werden. Dr. Caroline Willeke ist bei der EZB Projektleiterin für das Recruitment für die Bankenaufsicht. Im Interview mit eFinancialCareers erzählt Willeke, wie die Ausschreibungen ablaufen, welche Profile gesucht werden und wieso die EZB ein attraktiver Arbeitgeber ist.

Wie wollen Sie die 1000 Stellen besetzen? Die Bewerbungsfristen für die oberste Leitungsebene sind bereits abgelaufen. Wie geht es weiter?

Bei den 1000 Stellen handelt es sich zum einen um etwa 770 Stellen in der Bankenaufsicht selbst und um rund 230 Stellen in anderen Bereichen, die Services für die Bankenaufsicht übernehmen, z.B. Statistik, Recht, IT, Personalabteilung etc.

Alle Stellen werden öffentlich über unsere Website ausgeschrieben, teilweise auch noch über Anzeigen in den Medien. Dabei muss man weiter differenzieren: Bei den zehn Top-Management-Stellen im Bereich der Aufsicht ist die Bewerbungsfrist bereits abgelaufen. Bei diesen zehn Positionen werden wir von dem Personalberatungsunternehmen Egon Zehnder unterstützt.

Jetzt haben wir die mittleren Managementpositionen für zwei der Generaldirektionen innerhalb der Bankenaufsicht ausgeschrieben, die für die direkte Aufsicht der signifikanten Banken zuständig sein  werden. Da geht es um Abteilungsleiter, Unter-Abteilungsleiter und sogenannte Adviser, sprich Berater, die sich auf dem gleichen Level wie Unter-Abteilungsleiter befinden. Diese Stellen sind besonders wichtig, weil sich daraus die Koordinatoren der Joint Supervisory Teams, sprich der gemeinsamen Aufsichtsteams, speisen werden. Die werden relativ bald benötigt, weil wir viel vorbereiten müssen.

Für die Besetzung der Chefsessel arbeiten Sie mit Egon Zehnder zusammen. Gibt es weitere Pläne, Headhunter zu engagieren?

Wir haben einen Rahmenvertrag mit Egon Zehnder, den wir im Bedarfsfall abrufen können.

Mir stellt sich die Frage, wie man eine so riesige Organisation aufbaut? Wenn ich es richtig verstehe, fangen Sie oben an.

Wir haben uns bewusst für diesen Top-Down-Ansatz entschieden, damit den jeweiligen Managern die Möglichkeit gegeben wird, ihre Teams quasi selber aufzubauen. Das heißt, dass  wir in der Tat mit den Expertenausschreibungen noch ein bisschen warten, damit die Abteilungsleiter und ihre Stellvertreter bei der Auswahl ein Wörtchen mitreden können.

Wann ist damit zu rechnen, dass die ersten Experten- oder Fachpositionen ausgeschrieben werden?

Die Ausschreibungen für die Experten in der Bankenaufsicht werden um den Jahreswechsel erfolgen. Ausschreibungen für die Bereiche, die eine unterstützende Funktion haben, finden sich zum Teil schon auf unserer Webseite.

Dann geht es um eine größere Anzahl an Stellen?

Ja, in der Tat handelt es sich um einige hundert Stellen. Es ist aber nicht so, als würde bislang noch niemand an der Vorbereitung der Bankenaufsicht arbeiten. Neben EZB-Mitarbeitern haben wir bereits rund 80 abgeordnete Experten von den Nationalbanken auf temporären Stellen. Dazu werden noch rund 30 weitere für die Bilanzprüfung hinzukommen, weil es sich dabei um Tätigkeiten handelt, die wir nicht weiter aufschieben können. Die Vorbereitungsarbeiten sind ja auch schon seit Monaten im Gange.

Diese 80 oder später 110 Mitarbeiter sollen also in feste Beschäftigungsverhältnisse überführt werden?

Auch sie müssen sich um die permanenten Stellen bewerben.  Bei uns ist es so, dass Expertenstellen zunächst immer für drei Jahre besetzt werden, bei Führungspositionen für fünf Jahre, und anschließend wird entschieden, ob diese in unbefristete Verträge umgewandelt werden.

In der freien Wirtschaft kommt es häufig vor, dass beim Neuaufbau eines Geschäftsbereichs ganze Teams abgeworben werden. Ist ähnliches bei der EZB beabsichtigt?

Komplette Teams abzuwerben, so wie in der Privatwirtschaft, das machen wir ohnehin nicht. Um potenzielle Mitarbeiter für die Arbeit bei der EZB zu interessieren, haben wir sogenannte Roadshows bei allen nationalen Behörden durchgeführt: Um welche Aufgaben es sich handelt, wie die Beschäftigungsbedingungen bei der EZB sind usw. – wir haben also allgemeine Informationen bereitgestellt.

Suchen Sie nur bei anderen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden nach Personal oder haben auch Bewerber von z.B. Geschäftsbanken oder Beratungsgesellschaften eine Chance?

Wir streben durchaus gemischte Teams an. Natürlich benötigen wir Kollegen, die Erfahrung mit der Bankenaufsicht und Regulierung mitbringen. Aber die kann man auch z.B. im Risikocontrolling von Banken gewonnen haben, wo man der Gegenpart für die Bankenaufsicht war. Ebenso gibt es Wirtschaftsprüfer, die sich mit Bankbilanzen und ihrer Prüfung auskennen. Derartige Kollegen wollen wir auch ansprechen.

Es ist sicher sehr ambitioniert, einen solchen Apparat von 1000 Mitarbeitern innerhalb von zwölf Monaten aufzubauen. Noch dazu, weil an Profilen wie Compliance und Risikomanagement schon seit Jahren ein Mangel herrscht. Wie können Sie die Leute überzeugen, bei der EZB und nicht bei einer Großbank anzufangen?

Es ist sehr attraktiv, an dem Neuaufbau der europäischen Bankenaufsicht mitzuarbeiten. Ein großer Motivationsfaktor stellt die Aufgabe als solche dar. Für Kollegen, die vielleicht schon eine gewisse Zeit in dem Bereich dabei sind, ist es eine erstklassige Gelegenheit, noch einmal richtig durchzustarten und am gemeinsamen Europa mitzuarbeiten.

Zweitens bietet die EZB ein sehr internationales Umfeld, in dem qualifizierte Kollegen aus allen EU-Ländern dabei sind. Auch das wird sehr geschätzt. Ich glaube auch, dass die Beschäftigungskonditionen sich sehen lassen können, gerade wenn man sich das Gesamtpaket anschaut: mit Europäischer Schule, Kinderkrippen etc. Daher sind wir zuversichtlich, hochqualifizierte Bewerber anziehen zu können.

Wie sieht die Bezahlung im Vergleich zu anderen Zentralbanken und der Privatwirtschaft aus und welche zusätzlichen Leistungen können Sie konkret anbieten?

Es fällt mir schwer, unsere Gehälter mit denen in der Privatwirtschaft zu vergleichen, vor allem weil unsere Konditionen und Nebenleistungen ganz anders sind. Deshalb empfehle ich jedem, der sich für eine Beschäftigung bei uns interessiert, auf unserer Website zu informieren. Wir haben unter der Rubrik „Job opportunities“ ein „Newcomer-Corner“, wo alle Informationen zur Gehaltsstruktur, aber auch zu Schule, Kinderkrippe usw. enthalten sind.

Sie unterstützen also Kinder von ausländischen Mitarbeitern, die an eine internationale Schule gehen, finanziell?

Da muss man unterscheiden. Wir arbeiten eng mit der European School Frankfurt zusammen. Wenn Kollegen ihre Kinder dorthin schicken, dann brauchen sie nichts zu bezahlen. Falls sie sich für die International School Frankfurt oder das französische Lycée entscheiden, dann müssen sie es in aller Regel selber bezahlen.

Gibt es bei der European School überhaupt genügend Plätze?

Wir konnten beim Bau der European School natürlich noch nicht wissen, dass die europäische Bankenaufsicht eines Tages zur EZB kommt. Bei der Europäischen Schule werden derzeit allerdings Übergangsmaßnahmen getroffen, so dass neu hinzukommende Schülerinnen und Schüler weiterhin aufgenommen werden können

Es werden ja sicherlich viele Mitarbeiter aus dem Ausland kommen, aus Italien, Spanien oder Frankreich. Sie haben dort schon Roadshows durchgeführt. Ist die Resonanz groß oder herrschen Vorbehalte, nach Frankfurt umzuziehen – zumal Deutschland kein englischsprachiges Land ist?

Meine Erfahrung ist, dass die Resonanz sehr groß ist. Das sehen wir auch bei den Bewerbungen für die Top-Management-Positionen; wir sehen es aber auch bei allen anderen Kampagnen, die extern ausgeschrieben sind. Der Zuspruch aus der ganzen EU ist sehr, sehr groß.

Da es sich um Frankfurt handelt, sollte man das Argument, dass Deutschland nicht englischsprachig ist, nicht zu hoch gewichten. Ich kenne etliche Kollegen, die nicht sehr gut Deutsch können, und sich schon seit Jahren in Frankfurt sehr wohl fühlen. Frankfurt ist eine sehr internationale und offene Stadt, die allermeisten Frankfurter sprechen recht gut Englisch oder, falls es sein muss, mit „Händen und Füßen“.

Es gibt in Einzelfällen gewiss Kollegen, die Frankfurt zunächst für ein wenig provinziell im Vergleich zu Madrid oder Rom halten. Wenn man aber erst einmal hier ist und sich das Kulturprogramm angeschaut hat, dann stellt man fest, dass Frankfurt auch mit deutlich größeren Städten mithalten kann.

Wie bewirbt man sich konkret bei der EZB? Muss man sich über Ihre Online-Plattform bewerben?

Da haben Sie vollkommen Recht. Auf unserer Online-Plattform kann man ein Profil einrichten, lange bevor man sich tatsächlich bewirbt. Dann kann die eigentliche Bewerbung recht zügig erfolgen. Die Bewerbung muss auf Englisch abgefasst werden.

Welche Sprachkenntnisse müssen EZB-Mitarbeiter mitbringen – abgesehen von Englisch?

Englisch ist die Arbeitssprache der EZB. Gleichwohl wird erwartet, dass jeder Mitarbeiter mindestens eine weitere Sprache der EU einigermaßen beherrscht. Das kann nur ein Problem für Kollegen sein, deren Muttersprache Englisch ist. In der Aufsicht wird auch der Kontakt mit den Banken vor Ort eine Rolle spielen. Von daher sind weitere Sprachkenntnisse natürlich von Vorteil.

Müssen Mitarbeiter der EZB  einen Pass aus der EU oder der Euro-Zone mitbringen?

Bedingung ist EU-Nationalität.

Gibt es Umzugshilfen für neue Mitarbeiter, die z.B. von Madrid nach Frankfurt umziehen müssen?

Das gehört zum Paket dazu, sobald man mehr als 50 Kilometer von der EZB entfernt lebt. Das ist alles ganz komfortabel geregelt und Einzelheiten werden in der schon erwähnten „newcomers corner“ auf unserer Internet-Seite erläutert.

Welche Voraussetzungen müssen neue Mitarbeiter in Hinsicht auf Studium und Berufserfahrung mitbringen?

Ab Expertenlevel setzen wir im Prinzip einen Master Abschluss  voraus oder auch einen Bachelor, der aber zusätzlich mit vier Jahren Berufserfahrung verbunden sein muss.

Das hört sich so an, als ob potenzielle Mitarbeiter mindestens einen Studienschluss sowie mehrjährige einschlägige Berufserfahrung mitbringen müssen. Haben jüngere Leute überhaupt eine Chance?

Ich würde nicht ausschließen, dass unter der sehr großen Zahl an Einstellungen auch der ein oder andere Kollege mit wenig Berufserfahrung eine Chance erhält. Dennoch ist es sicherlich so, wie es auch in der Frühphase der EZB war, dass man zunächst versucht, erfahrene Kollegen zu gewinnen. Mittlerweile haben wir ein Graduate Programm, das einen Einstieg in  die EZB  bietet. Über dieses Programm werden sicherlich künftig auch Mitarbeiter für die Bankenaufsicht gewonnen werden.

Abschließend möchte ich noch fragen: Wie hoch schätzen Sie die Chance ein, dass Sie Ende 2014 tatsächlich die 1000 neuen Mitarbeiter an Bord haben?

Wir werden auf gar keinen Fall an der Qualität der Kandidaten Abstriche machen, nur um etwas schneller zu sein. Wir in dem Team, das für das Recruitment zuständig ist, setzen uns zu 200 Prozent dafür ein, dass wir das in zwölf Monaten hinbekommen und ich bin da auch sehr optimistisch. Denn im Moment läuft alles nach Zeitplan. Wenn die ersten Manager anfangen, dann werden sie nichts unversucht lassen, ihre Teams zu vervollständigen.

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