☰ Menu eFinancialCareers

ZKB ist systemrelevant: Muss sich die Kantonalbank aus dem Investmentbanking verabschieden?

Die Schweizerische Nationalbank in Bern.

Die Schweizerische Nationalbank in Bern.

Eine kurze Meldung mit großer Wirkung: Die Zürcher Kantonalbank teilte am heutigen Montag (11. November) mit, dass die Schweizerische Nationalbank sie ab sofort als „systemrelevant“ einstuft. Damit muss die ZKB künftig ebenso strickte Eigenkapitalanforderungen wie die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse erfüllen.

Auf den ersten Blick erfüllen die Zürcher diese Anforderungen spielend. So weist das Institut in einem Pressekommuniqué genüsslich darauf hin, dass die Eigenmittelzielgröße derzeit bei 13,6 Prozent liege. Die ZKB wies per Ende Juni bereits 14,9 Prozent auf. Auch bei den schärferen Anforderungen an die Liquidität befände sich die ZKB in einer „komfortablen Lage“.

Trotz dieser Beschwichtigungen könnte der Höhenflug der ZKB in den zurückliegenden Jahren vor einem jähen Ende stehen und damit auch der Ausflug der Kantonalbank ins Investmentbanking. Die Staatsbank gesteht ein, dass sich die Marktanteile im systemrelevanten Einlagen- und Kreditgeschäft auf 6 bis 8 Prozent beläuft. Doch diese Werte beziehen sich auf die Gesamtschweiz, im Kanton Zürich sieht es ganz anders aus. Dort liegt der Anteil im Einlagengeschäft bei 35 bis 40 und im Kreditgeschäft bei 30 bis 35 Prozent.

Während die verschärften Eigenkapitalvorschriften dem Geschäft von UBS und Credit Suisse enge Grenzen setzten, standen bei der ZKB die Zeichen lange auf Expansion. So stieß das Institut ins Investmentbanking vor und erhöhte seine Bilanzsumme allein in den zwei Jahren bis Ende Juni von 133 auf mittlerweile stolze 150 Mrd. Franken.

Da anders als die deutschen Landesbanken die ZKB immer noch über eine ausdrückliche Staatsgarantie verfügt und daher mit einen sensationellen Rating von AAA glänzt, konnte sich das Institut recht günstig refinanzieren, was natürlich umgekehrt die Gewinne sprudeln ließ. So weist die ZKB für das erste Halbjahr einen Reingewinn von 394 Mio. Franken aus.

„Der Entscheid dürfte von erheblicher Tragweite sein“, sagte Martin Janssen, emeritierter Professor am Institut für Banking und Finance der Uni Zürich dem Tages-Anzeiger. „Entweder wird das Kapital erhöht, die Bank wird umstrukturiert oder eine Mischung beider Maßnahmen. Ich gehe davon aus, dass es am Schluss um dein ganzes Maßnahmenpaket gehen wird und dass sich die ZKB auch umstrukturieren wird – wie es die beiden Großbanken bereits zum großen Teil hinter sich haben.“

Betroffen dürften davon vor allem die neuen Geschäftsbereiche sein, die gesetzlich eigentlich nicht zum Auftrag einer Kantonalbank zählen. „Das heißt: Teile des außerkantonalen Geschäfts, Geschäfte mit Großanlegern und Großkunden, die nicht im Kanton Zürich ansässig sind, sowie vieles, was in Richtung Investmentbanking geht“, betont Prof. Janssen.

Dies könnte die ZKB zu einem Personalabbau in den betroffenen Bereichen zwingen. Darüber hinaus dürften dies die verbleibenden Mitarbeiter auch in ihren Portemonnaies zu spüren zu bekommen. Denn höhere Eigenkapital- und Liquiditäts-Anforderungen drücken regelmäßig auf die Rendite, wie UBS und Credit Suisse aus schmerzlicher Erfahrung wissen.

Darüber hinaus haben die kleineren Player oftmals günstigere Vergütungsmodelle, ein größerer Anteil der Boni wird also in bar statt zeitverzögert ausgezahlt. Allerdings sind derartige „Bonusanwartschaften“ auch bei der ZKB nicht unbekannt. In 2012 besaßen von 4917 Mitarbeitern gerade einmal 94 – also einer von 50 – über aufgeschobene Bonusansprüche, wie der Geschäftsbericht belegt.

Ähnliche Artikel:

Auf dem Weg zum Investmentbänkchen: Wo die UBS 9745 Stellen streichen will

Zürcher Kantonalbank spart sich 137 Stellen

Lohnt es sich, für die Zürcher Kantonalbank zu arbeiten?

 

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier