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Urteile bieten tiefe Einblicke: Deutsche Bank muss geschassten Mitarbeitern über 400.000 Euro nachzahlen

Handelssaal der Deutschen Bank.

Handelssaal der Deutschen Bank.

Im Februar hat die Deutsche Bank vier ihrer Mitarbeiter fristlos vor die Tür gesetzt. Der Verdacht: Die Angestellten hätten im Zuge der Festsetzung von EURIBOR und LIBOR unerlaubt Informationen an Händler weitergegeben. Eine Manipulation der Referenzzinssätze hat die Bank ihren Angestellten indes nicht vorgeworfen. Bereits am 11. September hat das Arbeitsgericht Frankfurt die Kündigungen für „unverhältnismäßig“ und damit für ungültig erklärt.

Jetzt hat das Gericht die schriftlichen Begründungen der Urteile nachgeliefert, die interessante Einblicke über die Vergütungsstrukturen und die Interna des deutschen Branchenprimus erlauben. So muss die Bank allein über 400.000 Euro für die Gehälter der geschassten Mitarbeiter nachzahlen. Konkret:

Millionenvergütungen für EURIBOR- und LIBOR-Ermittler

Ardalan G. ist einer der betroffenen Angestellten. G. ist Head of Global Finance Pool Trading / Head of GFFX und seit 13 Jahren im Unternehmen. Für die unfreiwillige Auszeit von etwa sechs Monaten muss die Bank G. insgesamt gut 136.000 Euro nachzahlen, woraus sich ein Bruttojahresgehalt von 265.000 Euro errechnet. Darüber hinaus stellt die schriftliche Urteilsbegründung fest: „Für das Kalenderjahr 2011 zahlte die Beklagte [die Deutsche Bank] dem Kläger [dem Angestellten] einen Bonus von 2.670.800 Euro.“

An Jörg V., Managing Director und Head of Pool Trading muss die Deutsche Bank ebenfalls für ein gutes halbes Jahr rund 136.000 Euro nachzahlen. Damit errechnet sich ein Bruttojahresgehalt von 265.000 Euro. Bei dem Bonus für 2011 zeigte sich die Deutsche Bank indes weniger spendabel. Dieser belief sich auf 780.000 Euro. V. war zum Kündigungszeitpunkt immerhin 21 Jahre bei dem Unternehmen beschäftigt.

Markus K. arbeitet sogar seit einem Vierteljahrhundert für die Deutsche Bank. K. hat sich von der Banklehre bis zum Director, CIB – Global Markets, GFFX – Liquidity Management and Transfer Pricing hochgearbeitet. Ihm muss die Bank gut 77.000 Euro nachzahlen, woraus sich ein Bruttorjahresgehalt von 150.000 Euro ergibt. Sein Bonus belief sich in 2011 auf 200.000 Euro.

Kai-Uwe K. ist Vice President, Global Finance & Foreign Exchange EURO Rates – Trading, Long Term Risk, Banking Book & Collateral Portfolio. Ihm muss die Bank knapp 67.000 Euro nachzahlen, woraus sich ein Jahresgehalt von 130.000 Euro errechnet. Hinzu kommt ein Bonus von 180.000 Euro in 2011. eFinancialCareers gelang es, K. telefonisch zu erreichen. Dieser wollte indes seine Version der Geschichte nicht erzählen. „Kein Kommentar“, hieß es lediglich.

Gericht: Fehlende Chinese Walls begünstigen Fehlverhalten

Laut der Deutschen Bank haben die Mitarbeiter am vergangenen Montag (4. November) wieder ihre Arbeit aufgenommen. Eine Freistellung sei nicht vorgesehen. Derzeit studiere die Bank die schriftliche Urteilsbegründung. „Wir prüfen, ob wir in Berufung gehen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Die Bank hatte den Betroffenen vorgeworfen, unerlaubt Informationen an Händler weitergegeben zu haben, die damit unzulässigerweise Gewinne einstreichen konnten. Eine Manipulation der Referenzzinsätze wurde ihnen hingegen nicht zur Last gelegt. Die Bank legte dem Gericht, diverse E-Mails sowie Chats aus den Bloomberg-Terminals vor, um die unzulässige Kommunikation zu beweisen.

In diesem Detail folgte das Arbeitsgericht der Bank. Allerdings hätte das Institut seine Mitarbeiter zunächst abmahnen müssen, um ihnen so die Möglichkeit einzuräumen, ihr Verhalten zu korrigieren. Daher wertete das Arbeitsgericht die fristlose Verdachtskündigung als „unverhältnismäßig“.

Darüber hinaus kritisierte das Gericht fehlende Chinese Walls in der Bank. So heißt es in einem der Urteile: „Zudem verhält sich die Beklagte [die Deutsche Bank] widersprüchlich. So wirft sie dem Kläger [dem Mitarbeiter] einerseits Kommunikation mit ihren Händlern vor, hat aber andererseits selbst eine Verzahnung zwischen ihren Händlern und den Ermittlern der Referenzzinssätze herbeigeführt. Sie beanstandet ein Verhalten, welches sie selbst ermöglicht hat.“

Es handelt sich um die Aktenzeichen 9 Ca 1551/13, 9 Ca 1552/13, 9 Ca 1553/13 sowie 9 Ca 1554/13. 

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