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Vorsicht vor Kulturunterschieden: Wie Sie beim Umzug nach Asien ein Karrieredesaster vermeiden

Falls Sie tatsächlich als Westler eine Stelle in Hongkong oder Singapur ergattern konnten, dann haben Sie immerhin schon die schwierigste Hürde genommen. Denn die kostenbewussten asiatischen Banken zögern immer häufiger, teure Fachkräfte aus dem Ausland anzuheuern.

Doch sollten Sie sich nicht allzu früh dazu selbst beglückwünschen, es in die globale Elite geschafft zu haben. Denn die Neuankömmlinge müssen sich erst bewähren, vor allem weil die Banken unter starken Rechtfertigungsdruck stehen, wieso sie keinen Einheimischen für die Stelle finden konnten. Dies berichten jedenfalls asiatische Recruiter. Daher spielen die ersten paar Wochen eine enorme Rolle. Wir haben zusammengestellt, wie Sie bei Ihren neuen Kollegen den richtigen Eindruck hinterlassen und die schlimmsten Fehler vermeiden.

1. Drängen Sie nicht darauf, alles ‚besser‘ machen zu wollen

Als Neuankömmling sollten Sie in Ihrem Team nicht vorschnell auf Veränderungen drängen. „Beginnen Sie unvoreingenommen und hören Sie zu, bevor Sie Neuerungen einführen. Ihre erste Reaktion sollte sein: ‚Zuhause habe ich es anders gemacht.‘ Allerdings gibt es oftmals gute Gründe, wieso dies hier anders gehandhabt wird“, sagt Marc Van de Walle, Global Head of Products bei der Bank of Singapore. „Sie müssen begreifen, dass Ihre Erfahrungen aus dem Ausland nicht unbedingt die einzige mögliche Antwort  sind. Es ist wichtig, dass Sie verstehen, wieso die Dinge auf diese Weise erledigt werden. Anschließend können Sie neue Ideen anbringen, sofern dies erforderlich ist.“

2. Gehen Sie den Unterschieden auf den Grund

„Rechnen Sie nicht damit, dass das Banking in Asien genauso wie in Europa oder Nordamerika abläuft; das ist nicht der Fall“, sagt Mike Jones, der früher für ANZ und HSBC in Asien gearbeitet hat und heute das Consultancy-Unternehmen Connected Analytics in Melbourne betreibt. „Die Einstellungen zum Sparen, der Risikoappetit und die Vorstellungen von persönlichen Beziehungen unterscheiden sich möglicherweise. Daher müssen Sie die kulturellen Unterschiede dahinter verstehen und Respekt und Verständnis zeigen, dann können Sie bessere Beziehungen aufbauen und einen größeren Beitrag leisten.“

3. Vermeiden Sie öffentliche Erniedrigung

So manches Alpha-Tier aus dem Westen tendiert dazu, andere Leute während der Teammeetings herunterzuputzen. „Die meisten Westler sehen kaum die Spitze des Eisbergs, den der tiefverwurzelte Wunsch der Asiaten darstellt, persönliche Konflikte zu vermeiden. Dies sollten Sie bei der Kommunikation im Hinterkopf behalten“, betont Management Consultant Andrew Eagle aus Hongkong. Sparen Sie sich Ihre persönliche Kritik für Vieraugengespräche, wo es unwahrscheinlicher ist, dass Ihr Kollege sein Gesicht und seinen Respekt vor Ihnen verliert.

4. ‚Ja‘ bedeutet noch lange nicht ‚Ja‘

„Viele Asiaten zögern damit, ‚nein‘ zu sagen und mangelndes Wissen oder Kompetenzen einzugestehen. Für einen Ausländer dauert es ein bisschen, bis er erkennt, wann dies der Fall ist und wie man damit umgeht“, sagt Headhunter Fraser Douglas von Links International in Hongkong. „Zeigen Sie Geduld, erklären Sie ganz genau, was Sie wollen und sagen Sie der Person, dass Sie auf Sie zurückkommen kann, sobald sie irgendwelche Fragen hat – vielleicht auch per E-Mail um einen Gesichtsverlust zuvorzukommen.“

5. Hüten Sie sich vor übler Nachrede

Als ausländische Führungskraft tragen Sie womöglich Teamverantwortung in Asien. „Wohlmeinende Kollegen oder Personaler geben Ihnen vielleicht eine kleine Vorwarnung zu den einzelnen Teammitgliedern. Diese sollten Sie nicht für wahr halten; oftmals handelt es sich lediglich um Anekdoten“, sagt Karrierecoach Tony Latimer vom Asia Pacific Corporate Coach Institute in Singapur. „Sie müssen von der Vorstellung ausgehen, dass jeder in Ihrem Team das Zeug dazu hat, Leistungen zu erbringen. Sie werden mit dem Team anders zusammenarbeiten und auch die Reaktionen werden anders ausfallen.“

6. Bedenken Sie, Sie befinden sich in einem Schmelztiegel

„Wenn Sie umziehen, dann müssen Sie sich im Klaren darüber sein, dass es sich bei Asien um einen Schmelztiegel vieler unterschiedlicher Kulturen handelt – nicht nur um unterschiedlicher Nationalitäten, sondern auch Ethnien“, betont Headhunter Paul Endacott von Ambition. „Der Schlüssel, um kulturelle Brücken zu schlagen, besteht darin, häufig freundliche Gespräche zu führen. Was in einer Kultur für Stirnrunzeln sorgt, kann in einer anderen akzeptiert werden. Sie müssen verstehen, was für jedes einzelne Teammitglied wichtig ist und sich auf seinen bevorzugten Kommunikationsansatz einstellen.“

7. Bevorzugen Sie nicht immer die Extrovertierten

Wenn Ihre neuen asiatischen Kollegen nicht sofort Antworten auf Ihre Fragen parat haben, heißt das noch lange nicht, dass sie keine guten Ideen haben. „Der eher introvertierte Kommunikationsstil, wie er manchmal in Asien herrscht, kann besonders in Meetings für Missverständnisse sorgen, falls er nicht respektiert wird“, erzählt Headhunterin Kate Harper von der Connected Group in Hongkong. „Introvertierte Denker bevorzugen es, das Problem erst einmal mitzunehmen, es zu analysieren und dann eine machbare Lösung in  einer eher privaten Form zu präsentieren. Wenn Ausländer diese Beiträge unterdrücken, dann büßen sie an Unterstützung ein und schaffen Animositäten im Team.“

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