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Die Herkulesaufgabe: Wie die EZB 1000 Jobs in Frankfurt in nur einem Jahr besetzen möchte

1000 neue Jobs für Frankfurt. Nichts Geringeres bedeutet der Beschluss des Europäischen Rats vom 15. Oktober, die Gemeinschaftliche Bankenaufsicht (Single Supervisory Mechanism, SSM) einzuführen. Nach der Veröffentlichung der SSM-Verordnung voraussichtlich Anfang November hat die Europäische Zentralbank (EZB) nur ein Jahr Zeit, 770 Aufseher sowie 230 unterstützende Mitarbeiter einzustellen.

Vor welcher Aufgabe die EZB steht

Konkret soll die EZB künftig sämtliche Banken der Eurozone überwachen, die eine Bilanzsumme von mehr als 30 Mrd. Euro aufweisen oder sobald die Bilanzsumme mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Herkunftslandes erreicht. In der Eurozone betrifft dies immerhin 124 Institute – 24 davon allein in Deutschland. Neben den einschlägig bekannten Groß- und Landesbanken zählen dazu auch die Hamburger Sparkasse, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank und Volkswagen Financial Services.

Welche Profile die EZB sucht

Dabei will die EZB überall nach Personal suchen – also nicht nur bei den anderen Zentralbanken. „Wir suchen Aufseher, wollen es aber nicht auf jene beschränken. Wir wollen jedoch hauptsächlich Leute, die Erfahrung mit Aufsicht haben. Das können beispielsweise Banker sein, die mit Aufsehern zu tun haben. Willkommen sind uns aber etwa auch Wirtschaftsprüfer, Rechtsexperten, Risikomanager. Wir haben Interesse an einer großen Bandbreite an Erfahrungen und Fähigkeiten“, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet in einem Interview mit der Börsen-Zeitung.

Das Dumme daran: Spezialisten mit Kenntnissen in Regulierung, Compliance und Risikomanagement sind derzeit auf dem Arbeitsmarkt heiß umkämpft. Dann stellt sich schon die Frage, ob die EZB mit ihrem vergleichsweise starren Vergütungsmodellen im Kampf um die besten Talente bestehen kann.

Dies gibt auch Praet zu: „Das, was vor uns liegt, ist eine enorme Herausforderung. Bei der Anwerbung von Personal für die künftige Bankenaufsicht bei der EZB ist für uns auf jeden Fall klar, dass wir bei der Qualität keine Kompromisse machen werden, nur damit es schneller geht.“

Schlimmstenfalls werde die EZB ihre Aufsichtsaktivitäten verschieben. „Die EU-Gesetzgebung sagt, dass wir nach Inkrafttreten des Rechtstextes zwölf Monate für den Aufbau haben – das wäre aktuell bis November 2014. Aber sie gibt uns auch die Möglichkeit, im Notfall alles ein wenig zu strecken“, ergänzte Praet.

Wie sich Kandidaten bewerben können

Bislang wurden nur die Stellen für den Chef der neuen Aufsicht sowie die vier Direktoren und sechs Stellvertreter ausgeschrieben. „Wir haben erstmals Headhunter hinzugezogen“, sagt eine EZB-Sprecherin. So sei die internationale Personalberatung Egon Zehnder beauftragt worden, bei der Besetzung der elf Spitzenpositionen zu helfen. Damit scheinen auch die Chancen gut zu stehen, dass die EZB bei ihrer Herkulesaufgabe weitere Aufträge an Headhunter vergibt.

Gegenüber eFinancialCareers.de kündigte die EZB-Sprecherin an, dass in der Woche ab dem 4. November noch eine ganze Reihe weiterer Jobs ausgeschrieben werden. Die genaue Zahl wollte sie jedoch nicht verraten. „Wir stellen die offenen Stellen sukzessive online und schalten auch Anzeigen“, ergänzte die Sprecherin. Sämtliche Ausschreibungen seien auf dem Karriereportal der EZB einsehbar und die Bewerbungen sollten ebenfalls hierüber online erfolgen.

Besondere Hoffnungen setzt die EZB auf Mitarbeiter von den anderen Zentralbanken des Eurosystems sowie den nationalen Aufsichtsbehörden. „Wir gehen davon aus, dass die Mehrzahl der Mitarbeiter von den bisherigen Aufsichtsbehörden kommen“, sagt die Sprecherin. „Wir sind aber auch offen für Bewerber aus der Privatwirtschaft – von Banken und Wirtschaftsprüfungen.“

Nicht alle Zentralbanken sind von der Umarmung der EZB entzückt

Mit ihrem Werben um qualifiziertes Personal war die EZB auch schon in der Vergangenheit erfolgreich. Ein solcher Fall ist Fabrizio Dicone, der von der Banca d’Italia in Rom nach Frankfurt wechselte. „Es handelt sich um eine großartige Gelegenheit“, sagt der 32jährige. „Im Rom habe ich die Regeln angewendet, hier verfassen wir die Regeln. Ich fühle mich geehrt, Teil dieser Gruppe von Pionieren zu sein.“

Die Begeisterung der Mitarbeiter an dem europäischen Großprojekt mitzuarbeiten, dürfte so manchen Personalchef anderer Zentralbanken den Angstschweiß auf die Stirn treiben, auch wenn diese sich offiziell diplomatisch äußern. „Der Erfolg der neuen europäischen Aufsicht liegt uns sehr am Herzen“, sagt Bundesbank-Personalvorstand Rudolf Böhmler der Nachrichtenagentur Reuters. „Daher unterstützen wir auch die Einrichtung des SSM bei der EZB, auch wenn uns dies aus personeller Sicht vor beträchtliche Herausforderungen stellt.“ Die Bundesbank rechnet damit, dass etwa 100 Mitarbeiter gehen könnten.

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