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Karrierestart in London oder New York gefällig? Kinder reicher Eltern können sich Praktikumsplätze kaufen

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Wer ein Praktikum im Investmentbanking anstrebt, muss sich gegen eine heftige Konkurrenz behaupten. Kein Wunder, handelt es sich doch bei einem Praktikum immer noch um den Königsweg zu einem späteren Einstiegsjob in der Branche. So erhalten bei der US-Investmentbank Goldman Sachs gerade einmal 2 Prozent der Bewerber einen Praktikumsplatz. Bei der Bank of America Merrill Lynch kommen sogar 750 Bewerbungen auf einen Platz.

Doch es gibt auch eine Möglichkeit, um um das strenge Auswahlverfahren herumzukommen. Allerdings gilt es dafür tief in Papas oder Mamas Tasche zu greifen. So gibt es ganze Unternehmen, die sich auf die Vermittlung von Praktika in den unterschiedlichsten Branchen spezialisiert haben. Im Angebot befinden sich auch die Finanzdienstleistungen. Die Firmen kümmern sich wahlweise um die Praktikumsplätze sowie die Reiseorganisation und die Unterkunft, soweit es sich um Auslandspraktika handelt. Hierfür wird allerdings die Kleinigkeit von einigen Tausend US-Dollar fällig.

Reiseunternehmen der besonderen Art

Ein Beispiel für ein solches Reiseunternehmen der besonderen Art stellt Dream Careers dar, das Praktika bei den kleineren Fondsgesellschaften Bedlam Asset Management und Lionhart Advisors vermittelt, aber auch bei so bekannten Namen wie der US-Bank State Street und der Ratingagentur Standard & Poors. Dream Careers berechnet für ein Sommerpraktikum 9000 Dollar (6700 Euro). Bei dem Vermittlungsunternehmen Global Experiences sind es wiederum 8000 Dollar (5900 Euro) für ein achtwöchiges Sommerpraktikum an der Themse. Für ein zwölfwöchiges Praktikum erhöhen sich die Kosten auf 10.000 Dollar (7400 Euro).

Gus Baker von der britischen Praktikantenrechte-Organisation Intern Aware kritisiert, dass derartige Unternehmen für ungleiche Spielbedingungen sorgen: „Finanzdienstleister sollten Leute mit einem unterschiedlichen Background rekrutieren. Von vornherein nach einer Gebühr zu fragen, schließt all jene aus, die sich die Wucherpreise nicht leisten können. Die Banken sollten Studenten aufgrund ihres eigenen Potenzials und nicht aufgrund der Finanzkraft ihrer Eltern einstellen.“

Bei The Intern Group handelt es sich um ein weiteres Unternehmen, das Studenten Auslandspraktika vermittelt. Die Firma wurden von dem ehemaligen Fixed Income Sales-Experten David Lloyd 2010 in London gegründet. Etwa 18 Prozent seiner Vermittlungen entfallen auf die Finanzdienstleistungsbranche. Die Preise liegen zwischen 2770 Pfund (3300 Euro) für ein einmonatiges Sommerpraktikum bis zu 9000 Pfund (10.600 Euro) für ein sechsmonatiges Praktikum.

Das Londoner Unternehmen ist darauf spezialisiert, Plätze im Ausland zu vermitteln z.B. nach Madrid, Lateinamerika oder Hongkong. Nach den eigenen Angaben stammen die meisten Kunden von der National University of Singapore – aber auch von britischen Hochschulen wie der University of Warwick, der University of Nottingham oder der University of Manchester.

Laut Lloyd gehe es bei seinem Angebot um „Ausbildung“. „Wie bei jedem Auslandsstudium gibt es ein Kostenelement. Unser Ziel ist es, in der Zukunft ein breites Lehrprogramm zu schaffen, das jedem Taltentierten und Begabten offensteht.“

Doch wieso sollte jemand tief ins Portemonnaie greifen, anstatt sich einfach direkt zu bewerben? „In vielen Ländern gibt es bei Investmentbanken keine strukturierten Online-Bewerbungen, wie man sie in Großbritannien findet. Die Banken dort wissen aus Erfahrung, dass wir erstklassige Kandidaten liefern und unsere guten Verbindungen öffnen den Studenten Türen, die ansonsten für alle ohne sehr gute Kontakte verschlossen blieben.“

Doch auch bei The Intern Group befinden sich die Plätze nicht bei den einschlägigen Großbanken. In Lateinamerika arbeite The Intern Group z.B. mit BTG Pactual und BanColumbia zusammen. In Großbritannien und Hongkong seien es „Boutiquen und schnell wachsende Startups.“

Hedgefonds versteigerte sogar Praktika

Praktikantenschützer Baker wiederum kritisiert den Trend, für Praktika zu bezahlen, scharf. Dies zeige, dass die Rekrutmentprozesse der Investmentbanken immer häufiger Praktikanten aus begüterten Verhältnissen begünstigten. „Wenn Sie sich die Tatsache anschauen, dass viele Banken die Lebenserfahrung anhand einer einjährigen Auszeit bewerten, dann müssen Sie erst einmal über die finanziellen Ressourcen verfügen, um sich diese Auszeit leisten zu können. Derzeit organisieren Banken Programme, die sich ganz speziell an ärmere Studenten richten. Es muss aber einen Kulturwandel geben, dass die Leute nur aufgrund ihrer persönlichen Leistungen rekrutiert werden.“

Doch vorerst scheint es immer noch von Vorteil zu sein, aus einem begüterten Elternhaus zu stammen. So kam im Mai heraus, dass der Hedgefonds Man Group und die Bank Oppenheimer bei einem Charity-Event tatsächlich Praktika für 5000 Pfund (5900 Euro) versteigert haben.

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