☰ Menu eFinancialCareers

Wie der Private Banker der Zukunft aussieht

Der Zürcher Paradeplatz - das Herz der Schweizer Finanzwirtschaft.

Der Zürcher Paradeplatz - das Herz der Schweizer Finanzwirtschaft.

Die Zeiten in denen das Bankgeheimnis genügte, damit vermögende Ausländer ihr Geld kofferweise in die Schweiz trugen, sind endgültig Geschichte. „In der Schweiz werden Sie bis Jahresende kaum mehr unversteuerte deutsche Kunden finden“, sagte beispielsweise Julius Bär-Chef Boris Collardi in einem Interview mit „Finanz und Wirtschaft“. Viele Altlasten unversteuerter Vermögen seien bereits in Abkommen mit Großbritannien und Österreich bewältigt worden und Italien werde in absehbarer Zeit folgen. „Wenn das kommt, haben wir bis 2015 die Problematik der unversteuerten Gelder gelöst. Was Europa anbelangt, bin ich deshalb ziemlich entspannt.“ Und die Verhandlungen mit den USA befänden sich auf dem richtigen Weg.

Dennoch gibt es keinen Grund zur Entwarnung, denn mit dem Bankgeheimnis falle auch ein wichtiger USP der Schweiz weg, gibt Headhunter Philipp Buis von Jauch Associates in Zürich zu bedenken. Doch wie kann die Branche in einigen Jahren Geld verdienen, wenn „wining and dining“ nicht mehr genügen? Und wie sieht der Private Banker der Zukunft aus? Die Antworten fallen gar nicht so leicht.

Ein wenig Hoffnung gibt der jetzt veröffentlichte „Global Wealth Report 2013“ der Credit Suisse. Demnach ist das Durchschnittsvermögen eines Erwachsenen weltweit bis Mitte 2013 auf 51.600 US-Dollar angestiegen. Insgesamt hortet die Menschheit ein Vermögen von 241 Billionen Dollar, was ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 4,9 Prozent bedeutet.

Die reichste Nation der Welt stellen wiederum die Schweizer dar, wo jeder Erwachsene ein Vermögen von 512.600 Dollar hortet. „Die Schweiz liegt mehr als 100.000 Dollar vor ihrem nächsten Rivalen, Australien“, jubelt die Credit Suisse. Da sich die Erträge im Wealth Management traditionell an der Höhe der verwalteten Vermögen messen, müssten in der Wealth Management-Branche eigentlich die Sektkorken knallen. Doch dem ist nicht so. Vielmehr herrscht unter Schweizer Branchenkennern Nachdenklichkeit vor.

Der Kunde muss wieder in den Mittelpunkt rücken

„Ich hoffe für den Schweizer Finanzplatz, dass sich der Private Banker der Zukunft wandelt“, meint Jorge Frey, Managing Partner des Marcuard Family Office in Zürich. „Er sollte viel mehr Berater als Verkäufer sein.“

Der Family Office-Manager geht davon aus, dass sich auch die Gebührenmodelle der Banken ändern. Bislang würden die Institute einen bestimmten Satz an Basispunkten von den verwalteten Vermögen als Erträge kassieren. Diese nähmen mit der Höhe der Vermögen degressiv ab. „Der Kunde wird die Gebühren kritischer hinterfragen. So wird es Kunden geben, die Pauschalgebühren bezahlen wollen und dies nicht im Zusammenhang mit der Höhe des Vermögens sehen“, erwähnt Frey.  Künftig müssten die Gebühren transparenter ausfallen. Nach den höchstrichterlichen Entscheidungen sind Retrozessionen (Bestandesprovisionen) ohnehin in der Schweiz nicht mehr rechtens. „Den Gebühren muss ein konkreter Mehrwert gegenüberstehen“, fordert Frey.

Bei jüngeren Kunden mit einem relativ kleinen Vermögen kann sich Frey auch Modelle vorstellen, bei denen die Gebühren an den Erfolg geknüpft sind. Mit einer guten absoluten oder relativen Performance würden die Private Banker dann besser verdienen, bei Verlusten gingen sie indes leer aus oder müssten sich mit der Deckung der Selbstkosten zufrieden geben. Für Family Offices sei dieser Ansatz indes nicht zielführend. „Family Office Kunden mit beträchtlichen Vermögenswerten legen Wert auf Kapitalerhaltung, graduelles Wachstum und vor allem auf einen strukturierten Vermögensübergang an die nächste Generation und nicht so sehr auf dynamische Anlagestrategien.“

„Das große Thema der Zukunft ist die interessenkonfliktfreie Beratung. Wenn die Banken das umsetzen können, dann sollten sie weiterhin prosperieren können“, denkt Frey. „Für die Gebühren muss es einen klaren Gegenwert geben und die Modelle müssen transparent sein. Nur wenn die Kundenberater im gleichen Boot wie die Kunden sitzen, wird das Private Banking nachhaltig wachsen.“

Private Banker müssen eher wie ein Entrepreneur denken

Laut Headhunter Jean-Marc Aiello, Country Head Professinals Banking and Finance von Randstad Schweiz genüge es längst nicht mehr Assets einzuwerben und zu verwalten. „Der Private Banker der Zukunft muss mehr wie ein Entrepreneur denken und zusätzliche Services anbieten“, sagt Aiello. Dazu gehörten beispielsweise die Wealth Consolidation, also einen Überblick über die Gesamtvermögenssituation zu erstellen, die steuerliche Optimierung, Immobilienfragen oder auch Hilfen im operativen Geschäft des Kunden. Denn viele vermögende Kunden verfügten über ein eigenes Unternehmen.

Nach dem faktischen Ende des Bankgeheimnisses würden mittlerweile sogar wieder Vermögen aus Deutschland in die Schweiz zurückfliessen. Denn die heimischen Banken des Kunden könnten diese umfassenden Dienstleistungen gar nicht liefern. „Man sieht, dass die Schweiz nicht nur unversteuerte Gelder verwalten kann, sondern dass wir Profis sind und stabile Verhältnisse haben“, betont Aiello. In der Schweiz seien das Knowhow und sämtliche Dienstleistungen erhältlich.

Der Private Banker der Zukunft diene als „Hub“ für alle diese Dienstleistungen. Er müsse über die „kleine Box“ eines Vermögensverwalters alter Schule hinausschauen und ein breites Wissen mitbringen. „Darüber hinaus muss er wissen, wo er alle diese Services abrufen kann“, sagt Aiello. „Der Kunde will nicht zehn Ansprechpartner, sondern nur einen haben. Und den findet er in der Schweiz.“

Ganzheitliche Persönlichkeiten gefragt

„Der Private Banker der Zukunft muss eine Persönlichkeit sein, die den ganzen Kunden erfasst“, sagt Buis. Bislang würden sich die Private Banker zu sehr auf die von ihnen verwalteten Vermögen konzentrieren. Dagegen müssten in Zukunft auch andere Vermögensbestandteile in einer strategischen Gesamtsicht berücksichtigt werden, auch wenn der Private Banker sie nicht verwaltet. „Es muss eine Persönlichkeit sein, die stark auf den Kunden eingeht und nicht nur die Interessen der Bank verfolgt“, betont der Headhunter. Buis rechnet, dass damit die Softskills weiter an Bedeutung gewinnen.

Qualifikation wird bedeutender

„Da muss man wahrscheinlich ein Jurist sein, wenn das mit der Regulierung so weitergeht“, sagt Buis augenzwinkernd. Die wachsende Bedeutung von juristischen Kenntnissen belege, wie sich die Anforderungen an die Private Banker im Laufe der Zeit wandeln. Daher rechnet der Personalexperte damit, dass sich die Private Banker in Zukunft regelmäßig fortbilden müssten.

Frey sieht dies ganz ähnlich. „Das wird sich in eine Richtung entwickeln, wie sie zum Teil in anderen Ländern schon durchgesetzt wird.“ Private Banker müssen bestimmte Ausbildungen und Pflichtkenntnisse mitbringen, um überhaupt in der Vermögensberatung tätig werden zu dürfen. In der Schweiz werden z.B. die unabhängigen Vermögensverwalter durch die SRO/VSV reguliert. „Es darf sich aber jeder Vermögensverwalter oder Family Office Manager nennen. Diese Bezeichnungen sind nicht geschützt.“

Ähnliche Artikel:

Wachstumsmarkt Asset Management: Welche Jobprofile in der Schweiz benötigt werden

Family Offices boomen: Wie Sie in der verschwiegenen Branche Karriere machen

Europa ängstigt Schweizer Banken: Bedroht MiFID 7000 Jobs im Wealth Management?

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier