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Headhunter im Stresstest: Optimismus beflügelt Recruitment-Markt

Waren die Deutschen noch vor wenigen Jahren als Sorgenkinder Europas und als notorische Nörgler berüchtigt, kennt heute der wirtschaftliche Optimismus hierzulande kein Halten mehr. Die Zeiten der Zukunftsangst scheinen wie verflogen.

So geht der DIHK von einem Exportwachstum von mindestens 11 Prozent im laufenden und weiteren 8 Prozent im kommenden Jahr aus. In einer Umfrage der “Welt” strotzten einige Volkswirte geradezu vor Zuversicht und prognostizieren ein Wirtschaftswachstum von bis zu 2,5 Prozent für 2010. Diese Zuversicht kommt auch auf dem Arbeitsmarkt an. So sankt die Arbeitslosigkeit im Juli binnen Jahresfrist um 271.000 auf 3,192 Mio. Erwerbslose – eine Krise sieht anders aus.

Bereitschaft zu Neueinstellungen und Arbeitsplatzwechsel steigt

Der Aufschwung kommt auch in den Unternehmensergebnissen an. “Da haben wir schon wieder Rekordergebnisse”, sagt Jörg Fricke vom Recruitment-Unternehmen Fricke Finance & Legal und ergänzt: “Ich kann mir das nicht erklären.”

Doch die Auftragsbücher der Industrie sind wieder voll, weshalb auf nach neuen Personal gesucht werde. Da Fricke auch im Auftrag der Industrie nach geeignetem Personal für Finanzen, Auditing, Controlling oder Steuern sucht, haben auch er und seine Kollegen alle Hände voll zu tun.

Nach der Industrie legen jetzt die Banken nach

“Jetzt legen auch die Banken nach”, beschreibt Fricke die deutlich gestiegenen Aufträge im Headhunting-Geschäft: “Die Auftragslage ist sicherlich signifikant höher als im Vorjahr.” Einige Kunden wagten sogar eine Bankenlizenz zu beantragen, was natürlich Einstellungen nach sich ziehe.

Für die positive Entwicklung macht Fricke den neuen Optimismus in Deutschland verantwortlich. “Wenn es einen positiven Stimmungswandel gibt, dann werden auch die Wechselchancen positiver gesehen und die Leute werden wieder mutiger”, ergänzt Fricke. Damit entstehe gewissermaßen eine Aufwärtsspirale, was auch gut für die Bewerber sei: “Wir entwickeln uns wieder von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt,” ergänzt Fricke, was in einer Aufwärtsphase ganz normal sei.

Selbst im Asset Management wird wieder massiv gesucht

“Die Quantität der freien Stellen hat sich massiv erhöht”, ergänzt Dorothea Friebe, Managerin Banking & Finance beim Recruitment-Unternehmen Huxley Associates. Dabei findet der Aufschwung auf breiter Ebene statt und erreicht selbst Berufsfelder, in denen vor wenigen Monaten noch Trübsal herrschte. So gebe es jetzt eine beträchtliche Nachfrage aus dem Asset Management und speziell nach Portfolio Managern. Lediglich das Investmentbanking bleibe ein Problemfall.

Laut Friebe gibt es bei den Banken einen Dominoeffekt: “Man schaut sehr stark, wer ist erfolgreich, wo kann man Geld verdienen und das will man dann auch machen.” Gesucht wird mithin nur nach Leuten mit der entsprechenden Expertise – Einsteiger haben dabei noch keine Chancen. Überdies müsse alles ganz schnell gehen. In der Folge steige die Zahl der direkten Suchaufträge bei den Recruitern kräftig an.

Noch steigen die Gehälter nicht

Allerdings wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Obgleich die Bewerber mittlerweile wieder deutlich mehr Vorstellungsgespräche hätten, würden die Gehälter noch nicht steigen. “Die Flexibilität bei einem Angebot – wie viel man nachverhandeln kann – ist wesentlich gesunken. Da heißt es: Friss oder stirb”, sagt Friebe.

Freud und Leid sind eben auch im Leben von so manchem Recruiter eng miteinander verbunden. Ein Headhunter klagte kürzlich über die stark gestiegen Auftragslage und den damit verbundenen Stress. So sind die Deutschen – selbst dem Aufwärtstrend und dem wachsenden Optimismus vermögen sie noch eine negative Seite abzugewinnen.

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