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GASTKOMMENTAR: Ohne Vitamin B hätte ich nie einen Job in der City bekommen

Vor einigen Monaten hat der Chef der britischen Liberaldemokraten Nick Clegg eine altbekannte Debatte wiederbelebt. Ob jemand einen hochbezahlten Job in der City erhalte, darüber müsse entscheiden, was jemand könne und nicht wen jemand kenne. Ich fühle mich berufen, dieses Problem zu behandeln, da ich die geheiligten Hallen des Finanzdistrikts nur durch eklatante Vetternwirtschaft betreten konnte. Offen gesagt: Wer sollte auch sonst einen Clown wie mich einstellen?

Mein Bruder, ein Fondsmanager bei einer verschlafenen Genossenschaftsbank, verschaffte mir in 1996 ein Praktikum bei einer Bank in der City – trotz meiner völlig unzulänglichen Qualifikationen, die im wesentlichen in einem Abschluss in Geschichte, einer belastbaren Leber und einem Haarschnitt bestanden, der an einen deutschen Austauschstudenten aus dem Jahre 1985 erinnerte. Als ich damals aufsprang, wusste ich nicht einmal, was ein Kurs-Gewinn-Verhältnis ist.

An einem schönen Augustmorgen betrat ich ABN Amro, trug einen lächerlichen Anzug im Al Capone-Stil, den ich in einem Secondhand-Shop für 6 Pfund erstanden hatte, wobei ich meine Ohrringe, meinen Spitzbart und meinen grässlichen Pferdeschwanz abgenommen hatte (eine der frühesten Errungenschaften meiner Bankingkarriere).

Ein Sales-Guy hatte meinem Bruder diesen Gefallen getan, weil er wusste, dass dies ihre Beziehung festigen würde und er mit Sicherheit auf einen gigantischen Auftrag meines Bruder rechnen könne, sobald ich durch die Tür trete. So mancher mag dies als “Bestechung” bezeichnen, doch dies stellte damals die gängige Form war, wie die eine Hand die andere wäscht.

Nach einigen Jahren in der City stellte ich fest, dass ich keinesfalls ein Einzelfall war. So haben dort vielleicht ein Viertel aller Mitarbeiter im Frontoffice ihren Job über familiäre Kontakte erhalten. Damals herrschte eine große Nachfrage nach lukrativen Bankjobs, weshalb man jeden Pfeil in seinem Köcher nutzen musste und wenn das bedeutete, dass man einen verhassten Onkel anrufen musste, der Head of Sales bei Goldman Sachs war, dann hat man zum Telefonhörer gegriffen.

Natürlich ist diese ganze Angelegenheit nicht fair und sollte in einer Leistungsgesellschaft nicht vorkommen. Denn Vetternwirtschaft trägt dazu bei, eine Klassengesellschaft aufrechtzuerhalten, wo immer die gleichen Mittelklasse-Typen die bestbezahlten Jobs erhalten. Dies verursacht massive Ressentiments und bringt die hellen Leute ohne Verbindungen zu glauben, dass es sinnlos sei, nach Erfolg zu streben.

Doch nachdem ich all dies erzählt habe: Falls Sie einen Verwandten haben, der eine große Nummer bei einer Bank ist, dann wären Sie schön blöd, wenn Sie das nicht ausnutzen würden. Das mag unfair sein…., doch so ist das Leben!

Geraint Anderson ist der Autor von “Cityboy – Geld, Sex und Drogen im Londoner Finanzdistrikt”..

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