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Die zehn gemeinsten Fragen aus asiatischen Vorstellungsgesprächen

Singapur

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Da mittlerweile auch in Asien auf jede freie Stelle eine Flut an Bewerbern kommt, gewinnt die Kunst, in einem Vorstellungsgespräch zu brillieren, weiter an Bedeutung. Weil mittlerweile reichlich Kandidaten die erforderliche akademische Qualifikation und Berufserfahrung mitbringen, prüfen die Arbeitgeber immer genauer, ob die Bewerber auch tatsächlich ins Unternehmen passen. Wir haben zehn Fragen zusammengestellt, auf die Bewerber in Asien regelmäßig treffen und wie eine gute Antwort lauten könnte.

1. Wie wichtig ist eine ausgewogene Work-Life-Balance für Sie?

Von einem guten Banker wird in Asien traditionell verlangt, unerträglich lang zu arbeiten. „Obgleich sich diese Einstellung ändert und immer mehr Wert auf eine hohe Produktivität gelegt wird, wird in den Banken immer noch lange gearbeitet. Aus diesem Grund prüft der Interviewer sicherlich Ihr Engagement“, sagt Headhunter Gerard Milligan von Randstad in Singapur. Er empfiehlt die folgende Antwort: „Ich bin davon überzeugt, gute Arbeit zu leisten und meine Aufgaben auf bestmögliche Weise und zeitnah zu erledigen. Mir ist bewusst, dass es Umstände gibt, in denen Überstunden einfach erforderlich sind, um die Kundenwünsche zu erfüllen oder Neugeschäft zu generieren.“

2. Wie viele (was auch immer) gibt es in (irgendeiner asiatischen Stadt)?

Desto weniger Berufserfahrung Sie mitbringen, umso eher stoßen Sie auf diesen Fragetypus. „Querdenken ist für das Investmentbanking wichtig und ich versuche dies mit ein wenig abwegigen Fragen zu testen wie z.B. ‚Wie viele Toyota Corolla gibt es in Hongkong‘“, erzählt ein Investmentbanker aus Hongkong. Einige platzen mit einer Antwort heraus, ohne irgendeinen Denkprozess zu zeigen, während andere Schritt für Schritt vorgehen – indem Sie z.B. vom Bevölkerungsanteil im fahrtüchtigen Alter ausgehen.“

3. Was unterscheidet Sie von anderen Kandidaten mit dem gleichen Hintergrund?

Diese Frage stellen asiatische Banken besonders gern westlichen Bewerbern. Mit einer guten Antwort können Kandidaten aus dem hartumkämpften Wettbewerb hervorstechen. Anstatt Ihre Kompetenzen und Stärken herunterzubeten, sollten Sie sich nur auf Ihre Leistungen konzentrieren. Erzählen Sie Erfolgsgeschichten, rät Headhunter Eunice Ng von Avanza Consulting.

4. Wann kommen Sie nach (Name einer asiatischen Stadt)?

Falls Sie hierauf keine Antwort wissen, hat sich die Sache mit dem neuen Job bereits erledigt. „Wir erhalten so viele Lebensläufe aus Nordamerika und Europa, dass wir uns nur ernsthaft mit denjenigen beschäftigen können, die uns tatsächlich sagen können, wann sie nach Hongkong kommen“, betont Headhunter Damian Babis von Capital People in Hongkong. „Wenn Sie hierher reisen, dann zeigt uns dies, dass Sie es ernst meinen und dafür auch Zeit und Geld investieren.“

5. Wie bewerten Sie Erfolg?

Jeder Arbeitgeber will Leute anheuern, die davon überzeugt sind, für das Team Ziele zu erreichen. Ihre Antwort muss sich allerdings um Ihr Arbeitsleben drehen. „Sie können auch private Vorhaben ansprechen. Vielleicht sind Sie ja der Captain eines Rugby-Teams oder Sie engagieren sich sozial“, sagt Headhunterin Christina Ng von Robert Walters in Singapur. „Menschen mit solchen Freizeitaktivitäten können wahrscheinlich gut mit Menschen umgehen, was auch bei der Kommunikation mit den Kollegen hilft.“

6. Beschreiben Sie, wie Sie in einer schwierigen Situation zurechtgekommen sind

Dabei handelt es sich um eine altbekannte Frage, dennoch sollten Sie auf der Hut sein: Greifen Sie sich kein regulatorisches Problem heraus, erzählen Sie lieber, wie Sie einen Konflikt mit einem anderen Teammitglied bewältigt haben. Wieder geht es um Ihre Persönlichkeit. „Sie sollten konkrete Beispiele anführen, die Sie an Ihrem Arbeitsplatz erlebt haben. Anschließend sollten Sie beschreiben, was Sie unternommen haben, um das Problem zu lösen“, sagt Ng. „Erzählen Sie nicht von Ihren Emotionen, sondern zeigen Sie, dass Sie einen kühlen Kopf bewahrt haben. Wir wollen nur die Situation und die Lösung. Damit lässt sich leichter abschätzen, wie Sie in Zukunft mit schwierigen Situationen umgehen werden.“

7. Was ist Ihre größte Schwäche?

So mancher Recruiter liebt es, ganz beiläufig die ein oder andere kritische Frage zu stellen. Dabei wollen sie sehen, wie Sie den Angriff gekonnt parieren. „Die Leute lernen am meisten aus ihren Fehlern, daher will ich eine Geschichte von einer wirklichen Schwäche hören und wie Sie damit umgehen“, sagt Stuart Fox, der früher Managing Director bei der UBS war und heute in Sydney die Investmentboutique Artesian Venture Partners betreibt.

8. Wen kennen Sie (in irgendeiner asiatischen Stadt)?

Auch wenn es sich um eine recht persönliche Frage handelt, wollen die Recruiter doch wissen, ob Sie es mit Ihrem Wunsch, nach Singapur oder Hongkong zu ziehen, ernst meinen. „Wenn Sie bereits von Freunden die Höhe der Lebenshaltungskosten erfahren haben, dann lässt sich damit auch leichter ein Gehalt für z.B. Hongkong aushandeln“, sagt Headhunterin Marlene Chan von Capital People. „Es zeigt auch, wie groß Ihr örtliches Netzwerk ist, was besonders wichtig ist, wenn Sie in ein neues Land ziehen und es zeigt dem Arbeitgeber, dass Sie lange genug bleiben und sich eine Einstellung überhaupt lohnt.“

9. Wie würden Sie im derzeitigen Umfeld ein Portfolio aufbauen?

Da die Finanzmärkte sich sehr volatil verhalten, wollen Arbeitgeber gerne wissen, wie Sie mit dem ständigen Wandel umgehen. Ihre Antwort sollte dokumentieren, dass Sie sich auch mit der Strategie des fraglichen Unternehmens beschäftigt haben, den Einfluss der Finanzmärkte und von Trends auf das Geschäftsmodell verstehen und vielleicht sogar ein wenig über den Horizont des Jobs hinausschauen, sagt Headhunterin Rachel Liu von Profile Search & Selection in Singapur. „Einige Leute platzen ohne irgendeine angemessene Vorbereitung in ein Vorstellungsgespräch. Nur weil sie noch keine Führungskraft sind, scheinen sie der Auffassung zu sein, dass sie sich nicht darum zu scheren hätten. Aus diesem Grunde prüfen Hiring Manager auch ihre Einstellung zum Job.“

10. Welches war das größte Risiko, das Sie jemals eingegangen sind?

Risikomanagement steht bei Banken seit der Finanzkrise ganz oben auf der Agenda. Daher stellen Interviewer auch gerne entsprechende Fragen. „Es geht ihnen weniger um den Grad des Risikos. Sie wollen sehen, ob Sie zum Unternehmen passen“, sagt Milligan von Randstad. „Sie wollen nicht nur hören, wieso ein Situation, ein Projekt oder ein Geschäft riskant war, sondern auch, was Sie unternommen haben, um das Risiko zu mildern. Sie wollen denn Sinn hinter Ihrer Antwort verstehen.“

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