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Mission Impossible? Wie Banken versuchen, Studenten von einer Karriere im Banking zu überzeugen

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Eigentlich sollte zwischen Studenten ein erbitterter Konkurrenzkampf um eine Einstiegsposition bei einer Investmentbank herrschen. So erhielt Goldman Sachs für 300 Praktikumsplätze immerhin 17.000 Bewerbungen. Brancheweit gingen auf jede Absolventenstelle in Großbritannien zuletzt durchschnittlich 135 Bewerbungen ein.

Dennoch scheinen die wenigen Glücklichen, die ihren Weg in die geheiligten Hallen der Investmentbanken gefunden haben, nicht sonderlich entzückt von einer Investmentbankingkarriere zu sein. Anstatt alles daranzusetzen, am Ende des Sommerpraktikums ein Angebot auf eine Absolventenstelle zu erhalten, versuchen die Studenten vielmehr ihre Chancen offen zu halten.

„Studenten verfolgen zwei bis drei Karriereoptionen, eine davon ist Investmentbanking“, sagt Gordon Chesterman, der den Karriereservice der Universität Cambridge leitet. „Früher hätten sie gezielt einen Job im Banking angestrebt, aber in diesem Jahr betrachten sie es eher als eine großartige Chance, um ihren Lebenslauf aufzubessern, auch wenn sie tatsächlich eine andere Karriere verfolgen.“

Vielleicht liegt es auch an dem Recruitmentprocedere der Investmentbanken, die nur die besten Studenten von den besten Unis zu Praktika zulassen. Jedenfalls verfügen die heutigen Studenten über genügend Selbstbewusstsein, um sich Karriereperspektiven im Investmentbanking,  Strategieberatung, Professional Services und Fondsmanagement offenzuhalten.

Aus diesem Grund scheinen sich auch die HR-Abteilungen der Banken immer mehr Mühe zu geben, die Studenten von einer Karriere im Investmentbanking zu begeistern. „Führungskräfte sprechen mit uns und halten Präsentationen, wie aufregend es sein kann, in Investmentbanking zu arbeiten“, berichtet ein Praktikant einer führenden Investmentbank, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte. „Sie sprechen über ihre lange Karriere, dass die langen Arbeitszeiten nicht immer nötig wären und dass wir die Generation der Analysten sein könnten, die die Kultur des Banking nachhaltig verändert.“

Laut Chesterman würde sich wohl kaum eine andere Branche so viel Mühe geben, junge Studenten von einer Karriere in der Branche zu begeistern.

Doch der Erfolg scheint vorerst auszubleiben. Der Praktikant berichtet, dass nur 50 Prozent der diesjährigen Praktikanten tatsächlich eine Karriere im Investmentbanking anstreben. Bei wiederum der Hälfte davon gehe es lediglich ums Geld. „Wir werden ständig nach unserer Motivation gefragt, wieso wir bei einer Bank anfangen wollen. Wir müssen den Eindruck vermitteln, dass wir von dieser Karriere überzeugt sind, aber viele Praktikanten versuchen lediglich, ihren Lebenslauf aufzumöbeln.“

In den zurückliegenden Jahren wurden Praktikanten eher wie Analysten  behandelt. Networkings und geselligen Veranstaltungen mit anderen Praktikanten werden immer noch angeboten. Allerdings müssen viele Praktikanten bis in die frühen Morgenstunden arbeiten, um die Arbeit der durch Stellenabbau verkleinerten Teams zu bewältigen.

Die Investmentbanken in der Londoner City zahlen ihren Berufseinsteigern direkt von der Uni weg ein Gehalt von mindestens 45.000 Pfund und womöglich noch einen Bonus von weiteren 20.000 Pfund – das ist mehr als jede andere Branche im Vereinigten Königreich für Berufseinsteiger springen lässt. Dennoch fragen sich immer mehr angehende Banker, ob die langen Arbeitszeiten bis in die frühen Morgenstunden und das endlose Ausfüllen von Exceltabellen in den ersten Jahren der Karriere tatsächlich das Geld wert sind.

„Die Negativschlagzeilen in der Presse haben sicherlich viele Leute abgeschreckt, die andere Branchen vorziehen. Viele halten dieses Bild auch für gerechtfertigt“, sagt der Praktikant.

Ein Investmentbanker, der gemeinsam mit der HR-Abteilung die Arbeit von Praktikanten beurteilt, stellt fest, dass die aktuellen Praktikanten „fleißig und klug“ sind. Sie seien sich über ihre Chancen in anderen Branchen voll bewusst. „Auch wenn ihnen das niemand sagt: Sie werden an jeder Ecke genau beobachtet und es herrscht eine gewisse Furcht, dass sie sich für etwas anderes entscheiden könnten.“

Vorerst scheint die Quote an Praktikanten, die später tatsächlich bei einer Bank anfangen, hoch zu bleiben. So bietet Goldman Sachs angeblich 60 bis 70 Prozent ihrer Praktikanten eine Einstiegsposition an; bei Morgan Stanley sollen es 65 bis 75 Prozent sein.

Laut Shaun Harris, Chef des Karriereservice der renommierten London School of Economics, streben immer noch viele Studenten ins Banking. „Dennoch bewerben sich Studenten, die das Banking anstreben, auch bei Strategieberatungen und Professional Services“,  ergänzt Harris.

Mithin stellt sich die Frage, ob die Investmentbanken auch immer das Niveau an Studenten erhalten, das sie gerne hätten. So haben fast 40 Prozent der Neueinsteiger im Investmentbanking in diesem Jahr den Einstiegstest nicht bestanden. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 30 Prozent. Ähnliche Erfahrungen mussten auch Goldman Sachs, Citi und JPMorgan machen.

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