☰ Menu eFinancialCareers

Bei der Commerzbank können nur die Investmentbanker überzeugen

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Die Commerzbank vermag mit einem Gewinn in homöopathische Dimension ein kleines Kursfeuerwerk zu entfachen. So hat die teilverstaatlichte Bank im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn von gerade einmal 54 Mio. Euro erwirtschaftet, wie das Institut am heutigen Donnerstag (8. August) mitteilte. Dennoch scheint die Commerzbank damit die Anleger überrascht zu haben. Der Kurs der Aktie schnellte im Vormittagshandel um mehr als 9 Prozent in die Höhe.

Dabei purzelten die Erträge zwischen Januar und Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,4 Prozent auf 4,8 Mrd. Euro. Allein beim Zinsüberschuss – der Hauptertragsquelle des Instituts – musste die Commerzbank auf fast 500 Mio. Euro verzichten. Überdies erhöhten sich die Verluste aus dem Bereich Non-Core Assets, der internen Bad Bank, um 37,6 Prozent auf 651 Mio. Euro. Allerdings konnte die strauchelnde Bank erst kürzlich ein milliardenschweres Paket an toxischen Wertpapieren abstoßen.

Corporates & Markets verdient 542 Mio. Euro

Überzeugen konnten im ersten Halbjahr mit einem Vorsteuergewinn von 542 Mio. Euro nur die verbliebenen 1870 Investmentbanker des Instituts.  Im Vorjahreszeitraum hatte der Vorsteuergewinn der Sparte noch bei mickrigen 77 Mio. Euro gelegen. Die Erträge legten kräftig von 788 auf 1,152 Mrd. Euro zu. Damit profitierte das Investmentbanking deutlich vom besseren Kapitalmarktumfeld. Die Aufwands-Ertrags-Quote verbesserte sich drastisch von 83,9 auf 58,4 Prozent. Die Investmentbank musste also keine 59 Cent ausgeben, um einen Euro Ertrag zu generieren.

Dagegen scheint die ehemalige Goldgrube des Instituts, die Mittelstandsbank, langsam erschöpft zu sein. Der Vorsteuergewinn brach im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um stolze 40 Prozent auf 542 Mio. Euro ein. Hier schlug das niedrigere Zinsniveau voll auf das Ergebnis durch.

Das Privatkundengeschäft wiederum lief noch schlechter als im Vorjahr. Der Vorsteuergewinn gab um weitere 26,3 Prozent auf schmale 123 Mio. Euro nach. Das Osteuropageschäft überzeugte hingegen mit einer Verdopplung des Gewinns vor Steuern auf 127 Mio. Euro.

Fast 3000 Stellen binnen Jahresfrist weggefallen

Derweil scheinen sich beim geplanten Abbau von 5200 Stellen bis 2016 erste Erfolge einzustellen. Im Vergleich zum Vorjahr beschäftigte die Commerzbank per Ende Juni lediglich gut 50.400 Mitarbeiter, was einen Abbau von immerhin fast 3000 Stellen bedeutet. Allein im Backoffice mussten rund 1000 Mitarbeiter gehen. Im Privatkundengeschäft fielen 460 Mitarbeiter weg. Der deutlich gefallene Personalstand in Osteuropa dürfte indes auf die Veräußerung der ukrainischen Bank Forum zurückgehen. Dagegen bliebt die Beschäftigung in der Mittelstandsbank und der Investmentbank mit 5425 bzw. 1870 stabil.

Da der Kahlschlag beim Personal auch mit Kosten verbunden ist, sank der Personalaufwand im Vorjahresvergleich nur um 1,6 Prozent auf 1,991 Mrd. Euro.

„Wir setzen die Maßnahmen unserer strategischen Agenda planmäßig um – in Teilbereichen sogar etwas schneller als geplant. Die Umsetzung der strategischen Agenda belastet allerdings erwartungsgemäß das Ergebnis. Wir nehmen das Übergangsjahr 2013 in Kauf, das einzelne Maßnahmen mit einmaligen Restrukturierungsaufwand oder höherer Risikovorsorge verbunden sind“, sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Ähnliche Artikel:

Welche Investmentbank im ersten Halbjahr am besten zahlte

Wieso der Einstieg der UBS bei der Commerzbank absurd ist: Stellungnahmen von Branchenexperten

Jetzt ist es amtlich: Commerzbank streicht 5200 Stellen – und stellt 1000 Mitarbeiter neu ein

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier