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Aus dem Tagebuch eines Praktikanten: Nur die Hälfte der M&A-Interns will tatsächlich in die Branche

intern diary 4

Die vergangene Woche hat ganz gemächlich angefangen, bis alles drunter und drüber lief. Sie begann wie die Vorwoche endete: Mit einigen ruhigen Tagen, an denen ich früher nachhause gehen durfte. Falls Du als Praktikant nicht genügend zu tun hast, dann liegt es an Dir, im Team zu fragen, ob Du irgendwo helfen kannst. Zunächst gibt Dir niemand eine Aufgabe – vielmehr nehmen sie nur Notiz von Deinem Anliegen. Anschließend umrundest Du ein zweites Mal den Desk, spätestens dann ist jedem klar, dass Du tatsächlich Arbeit benötigst und sie werden Dich mit einer Unmenge an Kleinigkeiten überschütten.

In einer Bank muss man jederzeit bereit sein, seine Freizeitpläne zu opfern

Meine Woche endete allerdings mit Nachtschichten am Donnerstag und Freitag. Und auch am Samstag und Sonntag musste ich zur Arbeit erscheinen. Dass ich plötzlich so viel zu tun hatte, überraschte mich dann doch: In den zurückliegenden Wochen hatte ich mich an den etwas gemächlicheren Arbeitstrott gewöhnt. Es zeigte sich, dass es extrem wichtig ist flexibel und agil zu sein, was sowohl die eigenen Fähigkeiten als auch den Lebensstil betrifft, um mit der anfallenden Arbeit zurechtzukommen. Daher ist es ziemlich schwierig, gesellige Freizeitveranstaltungen im Voraus zu planen. Du musst immer in der Lage sein, die Zeitplanung rasch anzupassen.

In der zurückliegenden Woche habe ich mich besonders darüber geärgert, dass mir immer die gleichen Fehler unterliefen. Dies ging auf eine Kombination aus Müdigkeit, Druck und – offen gesagt – einer leicht schludrigen Arbeitsauffassung zurück, wie ich sie von der Uni mitgebracht habe. Die Arbeit eines Praktikanten wird immer geprüft, bevor sie ihren Weg in ein Pitchbook findet. Ich habe mich daran gewöhnt, dies gewissermaßen als Sicherheitsnetz zu betrachten, das dazu entworfen wurde, meine Fehler aufzufangen. Wenn ich meine Uni-Aufgaben verschicke, prüfe ich sie auch nicht gründlich. Den gleichen Arbeitsstil habe ich zunächst auch während meines Praktikums gepflegt. Eigentlich sollte man eine fehlerhafte Arbeit gar nicht erst weiterleiten. Denn schließlich dürfte man nicht allzu viele zweite Chancen erhalten, sich als Praktikant in M&A beweisen zu können.

Wieso eine Karriere in der Managementberatung immer attraktiver wird

Die beiden Karriereoptionen, die ich immer angestrebt habe, waren erstens Investmentbanking und zweitens Managementberatung. Darüber hinaus wurde ich von diversen Angestellten während meines Praktikums ausgefragt. Derartige Fragen bleiben keinesfalls auf Vorstellungsgespräche beschränkt. Indem ich mich ständig für meinen Einstieg ins Banking rechtfertigen muss, orientiere ich mich gleich aus mehreren Gründen immer mehr zur Managementberatung um:

Als erstes hätte ich gern mehr Freiraum für meine Kreativität. Für einen Analyst im Investmentbanking bleibt wenig Raum für eigene Gedanken. Abgesehen von Fragen, wie das Layout einer Präsentation aussehen könne, wird Dir minutiös vorgegeben, welche Zahlen Du ermitteln und wie Du sie aufbereiten musst. Du musst mindestens die Karrierestufe eines Associate erreichen, bevor Du auch nur die Umsetzung beeinflussen darfst.

Zweitens liebe ich den Umgang mit Menschen. Nachwuchsbanker haben nur sehr selten Umgang mit Kunden und selbst wenn, dann haben sie keinen Einfluss auf irgendetwas. Der Umgang mit den Kunden bleibt den höheren Tieren vorbehalten.

Drittens kann der Aufenthalt im Büro ein wenig monoton ausfallen. Ich würde gerne öfter mal nach draußen gelassen werden.  Viertens wäre ich gern in wichtigere Projekte eingebunden. Die Arbeit  am unteren Ende der Nahrungskette innerhalb einer Investmentbank ist sicherlich nicht glamourös. Die Realität während der ersten drei Jahre im M&A einer Investmentbank lautet: Nachdem Du stundenlang Geschäftsberichte durchsucht und Mitschriften für Kundengespräche verfasst hast, bleibt für das Aufstellen von Finanzierungsmodellen und wahrer Analyse nur wenig Zeit übrig. Die meiste Zeit entfällt auf untergeordnete Tätigkeiten.

Fünftens fallen die Arbeitszeiten von Consultants kürzer aus – auch wenn sie oft auf Geschäftsreisen abhängen. Darüber hinaus können sie flexibler arbeiten, z.B. von zuhause aus. Sicherheitsbestimmungen und Software-Eigenlösungen erschweren dies innerhalb einer Bank. Letztlich musst Du im Büro sein. Und sechstens dürften Consultants über vielfältigere Exitoptionen verfügen. Genau hierin besteht die Hauptsorge der meisten Banker.

Nicht alle Investmentbanking-Praktikanten wollen auch ins Investmentbanking

Nachdem ich immer mehr M&A-Banker kennengelernt habe, wird immer deutlicher, dass es völlig sinnlos ist, seine Karriere mehr als ein Jahr im Voraus zu planen. Die Absprungrate innerhalb einer Bank fällt unglaublich hoch aus. Solange Du den Beruf nicht wirklich liebst, dürfte es Dir sehr schwer fallen, den Job länger als zwei Jahre auszuüben. Es gibt eine Menge von Berufschancen von M&A-Experten außerhalb von Banken; die meisten davon innerhalb der Finanzdienstleistungen und das auch im derzeitigen Umfeld. Sogar ich habe in der vergangenen Woche einen Anruf von einem Headhunter erhalten.

Nicht jeder Teilnehmer am Summer Internship Program einer Investmentbank strebt auch tatsächlich eine Karriere innerhalb des Investmentbanking an – und zwar mehr als man für ein so begehrtes Programm erwarten würde. Nur etwa die Hälfte scheint wirklich von der Branche überzeugt zu sein, während die übrigen auch noch andere Optionen erwägen.

Keine Frage: Führungskräfte und HR-Mitarbeiter sind sich dieses Problems vollkommen bewusst. Daher investieren sie auch so viel Geld, Zeit und Training in diese Programme. Und dies zahlt sich tatsächlich aus: Die große Mehrheit der Praktikanten wird zurückkehren – mich eingeschlossen – auch wenn sie Vorbehalte gegenüber der Branche hegen. Obgleich ich von der Branche nicht so überzeugt bin, wie ich es erwartet hätte, habe ich mich persönlich noch längst nicht von ihr verabschiedet. Ich mag die Menschen, die ich in der Bank kennengelernt habe, und die Unternehmenskultur. Auch die Bezahlung kann sich sehen lassen. Ich muss mich allerdings entscheiden, ob ich die Entbehrungen der ersten Jahre durchmachen möchte, um die Vorteile eines Senior Bankers zu ernten.

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