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GASTKOMMENTAR: Nur weil Sie im Banking arbeiten, müssen Sie noch lange nicht unfreundlich sein

Bei Freunden, die ihr Leben lang im Investmentbanking verbracht haben, habe ich eine sonderbare Beobachtung gemacht: Sie haben vergessen, freundlich zu sein.

Zum Anfang des Jahrtausends haben ich und einige hundert andere ein Trainee-Programm bei einer erstrangigen weltweit agierenden Investmentbank angefangen. Wir führten ein gutes Leben: Wir verfügten über ein großzügiges tägliches Taschengeld, komfortable Wohnungen in New Yorks Upper Eastside und drei Monate, um Dinge zu lernen, die wir bereits weitgehend wussten, wodurch uns viel Freizeit neben der Arbeit verblieb. Ich habe es niemals besser gehabt.

Und als wir zurück nach London kamen, setzte die Schinderei der Traineeprogramme ein und die umfangreichen Hierarchien von Großbanken lasteten auf unseren Schultern. Und bei unglücklichen und müden Leuten, die von der Barmherzigkeit ihres Blackberrys abhängen, welches sie zu jedem Zeitpunkt ins Büro zurückrufen kann, handelt es sich nicht um die freundlichsten Zeitgenossen, die man um sich herum haben kann.

Daher kann ich von einigen hundert Trainees, die direkt nach der Uni angefangen haben, diejenigen an zehn Fingern abzählen, die noch bei dieser Bank arbeiten. Für die überwiegende Mehrheit war der Wechsel zu einer kleineren Bank oder zu anderen Bereichen der Finanzdienstleistungen einfach zu verlockend.

Die Leute, die zurückgeblieben sind, verwandelten sich in jenen Menschentyp, der sein eigenes Leben zur Hölle gemacht hat. In dieser Bank hat sich die Bosheit gegenüber jüngeren Mitarbeitern zu einer weitverbreiteten Krankheit entwickelt. Zu meiner Zeit hat ein Vice President eine riesige Modellierungs-Aufgabe an einen anderen Nachwuchsbanker in meinem Team vergeben, die bis 9 Uhr Morgens am folgenden Tag abgeschlossen sein sollte. Allerdings war es bereits 19 Uhr, als er die Email erhielt. Um Eindruck zu schinden, arbeitete er die ganze Nacht durch.

Am nächsten Morgen fragte er den Vice President nach den Gründen für diese dringende Aufgabe. Der Vice President fixierte ihn mit einem humorlosen Blick und sagte ihm: “Dafür gibt es keinen besonderen Grund. Ich dachte nur, dass Du ein wenig Modellierungs-Praxis vertragen könntest. Betrachte es als eine Art Hausaufgabe.”

Für einen Outsider und Freund stellen sich die Symptome schleichender Bosheit anders dar, wenn die Leute die Karriereleiter in Banken hinaufklettern. Allerdings sind sie nicht weniger eklatant. Es handelt sich um die barschen Anrufe, die fehlende Beantwortung von Emails, die ohne Entschuldigung gestrichenen Verabredungen und das völlige Desinteresse an den Mitmenschen.

Den lebenslangen Bankern kann ich nur sagen: Täuschen Sie sich nicht. Es kann einen Verwandlungsprozess geben, wenn Sie für größere Unternehmen arbeiten, ein Gefühl der Unbesiegbarkeit. Doch dies kann schnell mit einem Kündigungsschreiben vergehen. In der wirklichen Welt zählt Freundlichkeit und eines Tages werden Sie Ihre Freundschaften benötigen.

Der Autor arbeitet mittlerweile auf der Buyside und ist für jeden Tag dankbar, den er das Investmentbanking hinter sich gelassen hat.

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