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Das stressreiche Arbeitsleben westlicher Banker im Mittleren Osten

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Es gibt vielfältige Gründe, wieso westliche Finanzprofis in den Mittleren Osten umsiedeln: keine Einkommensteuern, die Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard, Berufserfahrung in den Schwellenländern zu sammeln oder Karrierechancen zu nutzen. Viele Einwanderer aus dem Westen müssen jedoch mit einem äußerst stressreichen Arbeitsalltag zurechtkommen.

So haben nach einer Umfrage von eFinancialCareers unter Finanzprofis rund um den Globus die Banker im Mittleren Osten besonders unter Stress zu leiden. Dazu mag die Angst vor dem Jobverlust beitragen – wie sie derzeit an den meisten Finanzzentren herrscht. Allerdings denken die Recruiter von Robert Half, dass der Stress hauptsächlich auf Überarbeitung und den Mangel an Anerkennung zurückgehe. Laut einer Umfrage der Personalvermittler unter HR-Verantwortlichen in den Vereinigten Arabischen Emiraten zählt der Burnout von Mitarbeitern zu einem der größten Probleme.

Doch was sorgt im Mittleren Osten für besonders viel Stress am Arbeitsplatz? Sonnenschein rund ums Jahr und die Aussicht auf ein luxuriöses Leben als Expat dürfte kaum jemanden Angstschweiß auf die Stirn treiben.

„In den meisten Banken im Mittleren Osten gibt es geradezu einen Melting Pot unterschiedlicher Kulturen und dies kann gleich aus verschiedenen Gründen für Stress sorgen“, sagt ein HR-Manager einer Großbank in Dubai. „Sie finden hier Investmentbanker mit Harvard-Abschlüssen, die vom langsamen Lebensrhythmus frustriert sind. Dann gibt es Leute von weniger entwickelten Finanzzentren, die mit den Anforderungen des Arbeitsplatzes zu kämpfen haben.“

Doch auch anderer Gründe spielen eine Rolle: Durch die verminderte Neigung der Banken zu Neueinstellungen müssen die verbleibenden Teammitglieder härter und länger arbeiten, erzählen Headhunter. Darüber hinaus stelle der Mangel an Anerkennung vor allem für Finanzprofis ein großes Problem dar.  Sie leisten die ganze Arbeit, während einheimische Angestellte mit einem schicken Jobtitel sämtliche Lorbeeren dafür einheimsen.

Laut dem Psychologen Raymond H. Hamden vom Human Relations Institute and Clinic in Dubai handelt es sich dabei um einen Hauptgrund für die Belastungen am Arbeitsplatz. „Die Anerkennung wird normalerweise in den Finanzdienstleistungen daran gemessen, wie viel Geld verdient wird. Daher spielen materielle Punkte eine größere Rolle als persönliche Anstrengung. Der menschliche Faktor muss stärker betont werden, um die Anstrengungen zu erhöhen, die zu materiellen Gewinnen führen.“

Mithin fällt die Zeit, die ausländische Finanzprofis auf einer Stelle verbringen, relativ kurz aus. Nach einer Station im Mittleren Osten ziehen sie rasch weiter. „Das Wesen des Expatriat-Arbeitsmarkts besteht darin, dass die Leute von der lukrativen Bezahlung, den Karriereaussichten und dem Lebensstil in den Vereinigten Arabischen Emiraten profitieren und dann in ihre Herkunftsländer zurückkehren“, erläutert Headhunter Gareth El Mettouri von Robert Half im Mittleren Osten.

Banker sind schon seit langem als Blackberry-Junkies bekannt. Doch die kulturellen Vorgaben im Mittleren Osten erschweren es besonders, sein Smartphone auszuschalten. Es ist kulturell erlaubt, in jeder denkbaren Situation zu telefonieren – gleich ob in einem Meeting oder beim Familienbarbecue.  Damit müssen die Banker rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

„Bei Firmen aus Großbritannien und den USA herrscht die Tendenz, die Wochenenden ihrer Angestellten zu respektieren, doch das passiert hier nicht“, erzählt der HR-Manager der Großbank. „Die Leute erwarten, dass Sie per E-Mail, Telefon und SMS erreichbar sind – Sie haben nie die Chance, wirklich abzuschalten.“

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