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Wieso so manchem Praktikanten bei einer Bank eine böse Überraschung droht

Das wichtigste Arbeitsinstrument eines Praktikanten. (Foto: Chris_J)

Das wichtigste Arbeitsinstrument eines Praktikanten. (Foto: Chris_J)

Mit dem Ende des Studienjahres nähert sich auch die Praktikumssaison. Bald werden also wieder Heerscharen an hoffnungsfrohen Nachwuchsbankern über die Institute herfallen. Doch kurz darauf dürfte so mancher Praktikant einen bösen Realitätsschock erleiden. Selten fiel es so schwer, einen der begehrten Sommerpraktikums-Plätze zu erheischen. So kamen beispielsweise bei der US-Investmentbank Goldman Sachs auf jeden Platz 45 Bewerber. Dennoch ist dies noch lange nicht mit einem gelungenen Karriereeinstieg gleichzusetzen. Um den Realitätsschock ein wenig abzumildern, haben wir hier schon einmal zusammengestellt, was Praktikanten in der näheren Zukunft erwartet:

1. Praktika in Banken werden überschätzt

Bei den Karriereseiten der Banken handelt es sich auch um ausgeklügelte Marketinginstrumente. Als solche schildern sie das Engagement der Banken in der Nachwuchsgewinnung in den schönsten Farben. Ein nicht sonderlich erbauliches Beispiel stellt die Investmentbanking-Boutique Gleacher & Co dar. Laut deren Website erlaubt die Boutique Praktikanten „ins Weltklasse-Investmentbanking“ einzutauchen. Die Chancen auf eine spätere Übernahme stünden recht gut. Doch in dieser Woche machte Gleacher ihr Investmentbanking dicht und kündigte sämtlichen Praktikanten, bevor diese überhaupt nur einen Fuß über die Türschelle des Unternehmens setzten konnten.

2. Die Chancen auf ein Jobangebot fallen gering aus

In der guten alten Zeit stellten Praktika einen Königsweg ins Investmentbanking dar. So erzählt ein ehemaliger Praktikanten der insolventen US-Bank Lehman Brothers, dass in 2007 noch 90 Prozent aller Praktikanten aus dem Fixed Income-Geschäft ein Übernahmeangebot erhalten haben, wobei darauf in 2008 allerdings das böse Erwachen folgte. Laut einem Head of Graduate Recruitment habe die Übernahmequote bei Sommerpraktika vor fünf Jahren noch bei 60 bis 70 Prozent gelegen.

Doch seither hat sich leider viel geändert. Der Chef des Karrierecenters einer renommierten britischen Business School hat gegenüber eFinancialCareers sogar gesagt, dass so manche Bank heute Praktikanten als günstige Arbeitskräfte nutze.

„Die Banken haben aufgehört, Praktika als einen Teil ihrer Recruitmentprozesses zu verstehen und nutzen sie immer mehr als flexiblerer Recruitmentinstrumente. Statt den Studenten nach ihrem Abschluss ein Angebot für eine Vollzeitstelle zu unterbreiten, bieten sie ihnen immer häufiger ein weiteres jetzt sechsmonatiges Praktikum an, mit der Option es zu verlängern“, erzählt er. „Sie müssen also eine ganze Reihe von Praktika absolvieren, bevor sie einen richtigen Job erhalten.“

3. Es ist unwahrscheinlich, dass interessante Aufgaben übertragen bekommen

Falls auch Ihnen ein Sommerpraktikum bevorsteht, dann rechnen Sie womöglich damit, lange Arbeitstage mit Excel und Powerpoint zu verbringen. Stattdessen dürften Sie oftmals nicht allzu viel zu tun haben. Wie unsere „Tagebücher eines Praktikanten“ zeigen, kann sich ein Investmentbanking-Praktikum auch als langweilig herausstellen.

Laut der Buchautorin Polly Courtney, die früher für die Bank of America Merrill Lynch arbeitete, gibt es zwei Kategorien von Praktikanten: Diejenigen, die sich sprichwörtlich zu Tode arbeiten und diejenigen, die nichts zu tun haben.

„Normalerweise gibt es eine kleine Zahl von Praktikanten, denen Aufgaben übertragen werden und die sehr stolz auf ihre Leistungen sind, aber viele Praktikanten verfügen nicht über genügend Arbeit und behaupten gerne das Gegenteil“, sagt Courtney.

Viele Praktikanten erhalten auch die löbliche Aufgabe, die Trader in Handelssaal mit Kaffee zu versorgen. Ihnen werden oftmals auch sinnfreie Aufgaben übertragen, damit sie die Angestellten nicht bei der Arbeit stören. „Die meisten Praktikanten sind zu keinen anderen Aufgaben zu gebrauchen, als Telefonanrufe anzunehmen“, behauptet ein Equity Sales-Mitarbeiter. „Sie geben ihnen einfach einen Haufen Arbeit und achten darauf, dass Sie Ihnen nicht in die Quere kommen. Die Arbeit muss unerheblich sein, aber sie müssen sich als wichtig fühlen und sie müssen sie unter Druck setzen, dass sie ihre Arbeit erledigen“, erzählt der Sales-Mitarbeiter.

4. Auch wenn das Praktikum gut war, ist es oft vom tatsächlichen Arbeitsalltag weit entfernt

Viele Banker betonten, dass Praktikanten für gewöhnlich freundlich behandelt werden. Das ist sicherlich eine schöne Sache; nur leider bereitet dies auch nicht auf den harten Arbeitsalltag vor. „Praktikanten werden einfache Aufgaben übertragen und erhalten keine Deadlines, können um 5 Uhr nachhause gehen und werden von älteren Mitarbeitern auf einen Drink eingeladen, die sich gerne mit den Nachwuchsbankern abgeben“, erzählt ein Londoner Banking-Accountant. „Dies alles erhält die Illusion aufrecht, dass Banken spaßige, freundliche und stressfreie Arbeitsplätze sind.“

5. Auch wenn Sie nichts zu tun haben, dürfen Sie sich keinen Urlaub nehmen

Gelegentlich sehen die Arbeitsverträge ein paar Urlaubstage während des Praktikums vor. Doch Sie sollten sich zweimal überlegen, diese auch zu nehmen. „Praktikanten sind junge, fitte, helle und enthusiastische Leute“, erzählt der Head of Graduate Recruitment. „Ein Praktikum stellt die Chance dar, um sich selbst zu beweisen und nicht, um sich einen Kurzurlaub zu gönnen.“

6. Andere Praktikanten sind nicht immer Ihre Freunde

Einige Leute knüpfen während ihres Praktikums tatsächlich neue Freundschaften. Doch so mancher wird auch feststellen, dass die übrigen Praktikanten mit Ihnen um die gleichen Jobs konkurrieren. Unter den Praktikanten befinden sich oftmals selbstsüchtige Typen, die von ihrem eigenen Fortkommen besessen sind, sagt Courtney. „Es herrscht ein scharfer Wettbewerb darum, wer am härtesten arbeitet und wer bei den wichtigsten Deals dabei ist.“

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