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Wie Banker von Stress geplagt werden und wie sie damit umgehen

stress in compliance

Immer mehr Stress für immer weniger Geld. Die sinkenden Vergütungen in der Branche stellen nach einer Umfrage von eFinancialCareers in den USA, Deutschland, England, Frankreich und dem Mittleren Osten mittlerweile den Hauptgrund für Stress bei der Arbeit dar. Und es gibt keinerlei Anzeichen, dass sich die Situation auf absehbare Zeit ändern könnte.

Insgesamt haben an der eFinancialCareers-Umfrage zwischen Dubai und New York etwa 3400 Banker teilgenommen. Gut zwei Drittel (68 Prozent) führten den Stress auf zu geringe Bezahlung zurück. Außer den Beschäftigen der Wall Street klagten in allen teilnehmenden Ländern die Banker über zunehmenden Stress in den zurückliegenden sechs Monaten: 63 Prozent in Frankreich, 57 Prozent in England und immerhin 50 Prozent in Deutschland.

Briten und Amerikaner sind gestresster als Deutsche

In Deutschland fühlten sich indes 64 Prozent der Teilnehmer unterbezahlt; jeweils 56 Prozent gaben an, dass der Tag nicht genügend Stunden habe und sie auch am Feierabend und während des Urlaubs ihre beruflichen E-Mails checken würden.

In Großbritannien und den USA meinen sogar 72 Prozent der Umfrageteilnehmer, unterbezahlt zu sein. 71 Prozent auf der Insel und 60 Prozent in den USA klagten, dass der Tag nicht genügend Stunden für all die Arbeit habe.

Damit schneiden die Arbeitsverhältnisse in Deutschland sogar noch gut ab. Dies ist umso erstaunlicher, als die Gehälter im deutschen Investmentbanking spürbar niedriger als an den beiden führenden angelsächsischen Finanzzentren ausfallen.

Geld allein genügt für zufriedene Mitarbeiter nicht

Der Englische Psychologe Philip Hodson erläutert unterdessen den Zusammenhang zwischen Stress und geringer Bezahlung. „In Investmentbanken gibt es keine Rückmeldungen oder Verhätschelung. Nur bei der Auszahlung des Bonus erfahren die Mitarbeiter, ob sie einen guten Job geleistet haben. Eine kleinere Summe – besonders im Vergleich zu anderen Kollegen – zu erhalten, kommt geradezu einem Schlag ins Gesicht gleich“, erläutert Hodson.

Laut dem PwC-Vergütungsexperten Jon Terry hätten die Banken die Mitarbeiterzufriedenheit in der Vergangenheit zu stark auf die Bezahlung reduziert. „Der Hauptgrund, weshalb die Menschen wirklich hart für Banken arbeiten, besteht in der fantastischen Menge Geld, die sie dafür erhalten. Die Vergütung fällt niedriger aus und wird auch weiterhin sinken. Daher müssen sich die Banken einen anderen Weg einfallen lassen, um ihre Mitarbeiter zu motivieren. Doch mit all den Kostensenkungsmaßnahmen werden auch Fortbildungen und andere HR-Funktionen zurückgefahren“, erzählt Terry.

Dennoch wachse bei den Banken das Bewusstsein für das Problem, wie Cary Cooper, Psychologieprofessor an der Lancaster University Management School, berichtet. Der Psychologe ist darüber hinaus Mitbegründer des Beratungsunternehmens Robertson Cooper, das Investmentbanken zu den mentalen Problemen ihrer Mitarbeiter berät.

„Die Banken sind besorgt, denn am Ende drohen Schlüsselmitarbeiter wegen zu viel Stress abzuspringen. Es macht keinen Sinn, Leute herumzuschicken, die die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz massieren, oder Meditationsveranstaltungen anzubieten. Vielmehr müssen die Banken zu den Wurzeln der Probleme bei den verschiedenen Mitarbeitern vordringen“, betont Cooper.

Sport, Alkohol und Beten: Was bei der Stressbewältigung hilft

Daher führen auch immer mehr Investmentbanken „Well being audits“ durch. Auf diese Weise sollen die Gründe für den Stress ausfindig gemacht werden. Handelt es sich um einen herrschsüchtigen Vorgesetzten, zu lange Arbeitszeiten oder zu geringe Vergütungen? Laut Cooper bestehe eine Lösung darin, spezielle Trainings anzubieten, um die mentale Belastbarkeit der Mitarbeiter zu steigern.

Doch unsere Umfrage enthält auch positivere Befunde: So scheint das gängige Klischee nicht ganz korrekt zu sein, wonach überarbeitete Banker ihren Stress bevorzugt in Alkohol ertränken oder sogar zu Drogen greifen. Unter den Umfrageteilnehmern aus Deutschland treiben hingegen 63 Prozent Sport, um ihren Stress zu bewältigen. 54 Prozent verbringen Zeit mit Freunden und der Familie und 29 Prozent hören Musik. Lediglich 8 Prozent trinken Alkohol und 12 Prozent rauchen zur Entspannung.

Dagegen treiben in England nur 49 Prozent Sport und 16 Prozent greifen zum Alkohol. Ein weiteres Mittel zu Stressbewältigung erfreut sich bei den Umfrageteilnehmern aus dem Mittleren Osten einer besonderen Beliebtheit: Banker aus Dubai beten einfach zu Allah.

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