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GASTKOMMENTAR: Wie sich das CFA-Institut in Sachen Ethik etwas vormacht

Ein neues Juniwochenende und eine neue Reihe von CFA-Examen. Der CFA hat sich zur Benchmark für professionelle Investoren rund um den Globus entwickelt. Sonderbarerweise entfallen 10 bis 15 Prozent der Gesamtnote bei dem “Goldstandard der Investmentmanagement-Industrie” auf die dubiose Kategorie der “Ethischen und Berufsstandards”.

Als ein Marktteilnehmer bin ich von meiner Fähigkeit überzeugt, das Geschäft gut genug zu kennen, um zu entscheiden, ob Wertpapiere unter- oder überbewertet sind. Ich muss nicht den Markt beschummeln, um outzuperformen. Ich weiß auch, dass wir für gute Performance gut bezahlt werden und ich möchte nicht die Integrität des Marktes beschädigen, in dem ich arbeite.

Daher ist es besonders enttäuschend zu erfahren, dass “die meisten Trader stehlen würden, wenn es sich um eine sichere Angelegenheit handeln würde.”

Ethik kann nicht gelehrt werden. Falls Sie erwachsen genug sind und keinen Sinn für Moral entwickelt haben, der es Ihnen erlaubt, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, dann werden Sie das auch nicht in diesem oder irgendeinem anderen Examen lernen.

Der CFA verfügt auch über einen “Code of Ethics & Standards of Professional Conduct”, an den sich Mitglieder und Kandidaten zu halten haben. Dieser Code ist derart lächerlich offensichtlich, dass ich mich darüber wundere, wie sich die Investoren verhalten haben, bis sie sich diesen Standards unterworfen haben. Haben Sie nach (oder ohne) “Integrität, Kompetenz und Respekt” gehandelt? Haben Sie nicht die “Integrität des Berufes und die Interessen Ihrer Kunden” über Ihr eigenes Interesse gestellt?

Noch schlimmer ist, dass ein bedeutsamer Teil der Ethik-Noten sich um die richtige Verwendung von “CFA” und “CFA-Charterholder” drehen: Falls Sie diesen Titel führen, handelt es sich dann um einen akademischen Titel? (Das ist nicht der Fall, aber bis vor kurzem hielt es das Institut dafür und verteilte entsprechende Noten). Dabei handelt es sich um ein Routinethema, das in jedem der drei Examen auftauchen kann. Da es sich bei dem CFA-Institut um eine Nonprofitorganisation handelt – damit wir das ja nicht vergessen – und um eine Marke, hinterlässt dies den Geruch eines schnöden Selbstmarketings.

Alfred Winslow Jones verwaltete den ersten Hedgefonds vor rund einem halben Jahrhundert. Er erhob Verwaltungsgebühren von 20 Prozent auf die Performance, bevor dies in Mode kam. Er war erfolgreich und Börsenmakler wollten an seinen Kommissionen teilhaben oder besser noch einen Job bei seinem Hedgefonds erhalten. Er stellte seinen möchtegern Schützlingen folgende Frage: “Wenn Sie auf ein Restaurantklo gehen, waschen Sie sich Ihre Hände vor oder nach dem Pinkeln?”

Die meisten von uns würden darauf antworten: “Danach natürlich”. Doch er würde lächeln und sagen: “Das ist die falsche Antwort. Sie sind ein konventionelle Kopf und nicht rational.”

Ich weiß indes nicht, wie er die ethischen Qualitäten von Frauen geprüft hat oder ob er das überhaupt gemacht hat, doch ich schweife ab.

Vielleicht handelte es sich dabei um einen guten Weg, um Querdenker vom Rest zu unterscheiden. Natürlich sprechen die Leute, die den CFA lehren, zu ihrem eigenen Vorteil. Daher hat der Lehrbeauftragte des Seminaranbieters 7City learning im Januar geschrieben, dass “der CFA Ethik-Teil sehr angesehen ist und gegenüber den Regulierungsbehörden und Kunden sicherstellt, dass der Sinn für Moral ihres Private Bankers voll funktionstüchtig ist.”

Der einzige Weg um sicherzustellen, ob ethische Standards befolgt werden, besteht darin, die Übeltäter zu benennen und damit der Kritik auszusetzen mit angemessener Abschreckungswirkung. Mit anderen Worten sollten die Risiken, erwischt zu werden, die möglichen Vorteile übersteigen. Banker und Trader wenden wahrscheinliche Resultate auf Entscheidungen an, die Risiken einschließen, wozu auch das Haftungsrisiko zählt. Da ihr Gehirn entsprechend verdrahtet ist, würde es sich um keinen Quantensprung handeln, wenn man sie bei dieser Idee fassen würde.

Meine Antwort auf Jones Frage wäre gewesen, beides zu machen. Das dauert zwar länger, doch für die gesamte Investment-Community ist es besser.

Bei dem Autor handelt es sich um einen Investor von der Buyside und um einen ehemaligen Investmentbanker.

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