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Neun Dinge, die Banker von Machiavelli lernen können

Machiavelli

Der Meister höchst persönlich (CC BY-SA 2-0)

Vor gut 500 Jahren hat Niccolò Machiavelli seine berühmte Schrift „Der Fürst“ vollendet. Seither haben sich Generationen von Moralaposteln über dieses vermeintliche Schandwerk der politischen Theorie echauffiert. Dabei hat Machiavelli nur die Realitäten benannt. Da sich die Zeiten ändern, die Menschen aber nicht, lässt sich „Der Fürst“ auch heute noch als Karriereratgeber z.B. für Banker lesen. Schließlich gehorchen die Machtspiele im Banking ähnlichen Regeln wie in der großen Politik. Dazu haben wir Machiavellis teilweise recht angestaubte Beispiele durch Vorgänge aus dem heutigen Banking ergänzt. Die folgenden Ratschläge sind natürlich nicht ganz ernst gemeint.

1. Moral und Karriere schließen sich aus

Machiavelli geht es nicht darum, ein Wolkenkuckucksheim zu beschreiben. Vielmehr will er praktische Ratschläge für eine Welt geben, wie sie tatsächlich ist und nicht wie sie idealerweise sein sollte. Da der Mensch nach Auffassung von Machiavelli von Grund auf schlecht ist, kommt man mit Moral in Politik (und Karriere) nicht weiter: „Ein Mensch, der sich in jeder Hinsicht zum Guten bekennen will, muss zugrunde gehen inmitten von so viel anderen, die nicht gut sind. Daher muss ein Fürst, wenn er sich behaupten will, die Fähigkeit erlernen, nicht gut zu sein.“

2. Der Erfolg ist das Maß aller Dinge

Zu diesem Standpunkt Machiavellis schreibt der Historiker Volker Reinhardt: „Erfolg rechtfertigt alles, auch die moralisch fragwürdigsten Methoden, schon deshalb, weil nach dem Triumph niemand mehr fragt, wie er zustande kam. Am erfolgreichsten aber ist, wer die Techniken der Gewalt und der Hinterlist am virtuosesten beherrscht, jeweils zur rechten Zeit und in der passenden Situation.“

Als Prototyp eines machiavellistischen Bankers gilt der langjährige Chef der Royal Bank of Scotland Fred Goodwin. Der Brite erreichte alles: Er übernahm die niederländische Großbank ABN Amro, baute den Konzern rasant zu einer der größten Banken der Welt aus und wurde von der Queen aufgrund seiner „Verdienste für das Banking“ geadelt. Nachdem die Steuerzahler jedoch 2008 die Kleinigkeit von 45,5 Mrd. Pfund nachschießen musste, sank sein Stern: Der Ritterschlag wurde ihm aberkannt; aus Sir Fred wurde wieder Mister Goodwin.

3. Glück und Talent entscheiden über Erfolg in der Karriere

Für Machiavelli gibt es zwei Schlüsselbegriffe: Glück (fortuna) und Talent (virtu). Daher können Banker noch so talentiert sein, ohne ein Quäntchen Glück dürfte aus der Karriere nicht viel werden. Umgekehrt muss man aber auch dem eigenen Glück auf die Sprünge helfen. Machiavelli schreibt: „Dennoch halte ich es – um unseren freien Willen nicht auszuschließen – für wahrscheinlich, dass Fortuna zwar zur Hälfte Herrin über unsere Taten ist, dass sie aber die andere Hälfte oder beinahe so viel unserer Entscheidung überlässt.“

Für diese These dürfte UBS-Chef Sergio Ermotti ein gutes Beispiel abgeben. Der Tessiner fing im April 2011 bei der Schweizer Großbank an. Als der damalige UBS-Chef Oswald Grübel infolge des Milliardenverlusts des Traders Kweku Adoboli im September 2011 vor die Tür gesetzt wurde, war Ermotti pünktlich zur Stelle, um den Posten als Interimschef zu übernehmen. Wiederum erwies es sich als Glück, dass Ermotti Schweizer ist und sich somit als UBS-Chef geradezu anbot. Anschließend hat Ermotti Talent bewiesen, indem er seiner Bank – ganz anders als bei der Credit Suisse – eine gründliche Restrukturierung verordnete. Mittlerweile ist die UBS saniert und die Credit Suisse in der Krise.

4. Banker müssen im guten Ruf stehen und nicht etwa gut sein

Ein erfolgreicher Banker muss laut Machiavelli gelegentlich zu zweifelhaften Mitteln greifen. Doch dies allein hilft keinesfalls weiter. Vielmehr muss der Banker auch in gutem Ruf stehen, um erfolgreich zu sein. Konkret schreibt Machiavelli: „Für einen Fürsten ist es also nicht erforderlich, alle obengenannten guten Eigenschaften wirklich zu besitzen, wohl aber den Anschein zu erwecken, sie zu besitzen. Ich wage gar zu behaupten, dass sie schädlich sind, wenn man sie besitzt und ihnen stets treu bleibt; dass sie aber nützlich sind, wenn man sie nur zu besitzen scheint; so musst du milde, treu, menschlich, aufrichtig sowie fromm scheinen und es auch sein, sobald man es nicht mehr sein darf, in sein Gegenteil verkehren zu können.“

Geradezu vorbildlich ist dies dem ehemaligen Co-Chef der Deutschen Bank Anshu Jain gelungen, der in der deutschen Öffentlichkeit zunächst als der Prototyp eines Investmentbankers galt. Stattdessen predigte Jain öffentlichkeitswirksam die Abkehr von Egoismus und der Gier nach Boni. „Wir wollen, dass die Deutsche Bank sich an die Spitze dieses notwendigen Kulturwandels setzt“, verkündeten Jain und sein Co-Chef Jürgen Fitschen auf der Unternehmenswebsite. Kurz nach dem Abgang Jains, musste die Deutsche Bank Milliardenabschreibungen verkraften.

5. Wer eine neue Führungsposition erreicht, muss zunächst aufräumen

Für Machiavelli ist es entscheidend, dass ein Banker sofort nach dem Antritt einer Führungsposition gründlich aufräumt. Der Trick dabei: Die für Mitarbeiter schmerzvollen Maßnahmen sind dann abgehakt. Anschließend hat der Manager reichlich Zeit, die Mitarbeiter durch Wohltaten wie Boni oder Beförderungen für sich zu gewinnen.

„Demnach ist festzuhalten, dass bei der Aneignung eines Staates der Eroberer alle Gewalttaten in Betracht ziehen muss, die zu begehen nötig ist, und dass er alle auf einen Schlag auszuführen hat, damit er nicht jeden Tag von neuem auf sie zurückgreifen braucht, sondern, ohne sie zu wiederholen, die Menschen beruhigen und durch Wohltaten für sich gewinnen kann“, schreibt Machiavelli.

Deutsche Bank-Chef John Cryan scheint Machiavelli gelesen zu haben. Kurz nach seinem Antritt hat er Milliarden abgeschrieben und damit die Leichen im Bilanzkeller des Konzerns entsorgt und anschließend vielen Mitarbeitern die individuellen Boni für ein Jahr gestrichen. Jetzt kann es eigentlich nur noch aufwärts gehen. Übrigens: Erst kürzlich hat sich Cryan beklagt, dass seine Vorgänger nicht gründlich genug aufgeräumt hätten.

6. Wer Karriere machen will, darf nicht immer sein Wort halten

„Ein kluger Herrscher kann und darf daher sein Wort nicht halten, wenn ihm dies zum Nachteil gereicht und wenn die Gründe fortgefallen sind, die ihn veranlasst hatten, sein Versprechen zu geben. Wären alle Menschen gut, dann wäre diese Regel schlecht; da sie aber schlecht sind und ihr Wort dir gegenüber nicht halten würden, brauchst auch du dein Wort ihnen gegenüber nicht zu halten,“ meint Machiavelli. Da die Menschen in Machiavellis Weltbild abgrundtief schlecht sind, ist die Lüge legitim. Außerdem sei nichts leichter als einen Wortbruch im Nachhinein zu rechtfertigen. „Auch hat es noch nie einem Fürsten an rechtmäßigen Gründen gefehlt, um seinen Wortbruch zu verschleiern“, betont der Meisterdenker aus dem Lande des Cavaliere Silvio Berlusconi.

7. Wieso Verbrechen keineswegs immer sinnvoll sind

Zweifelsohne können schmutzige Methoden bei der Karriere weiterhelfen. Doch sobald ein Banker im Ruf steht, sich unsauberer Methoden zu bedienen, droht sich dieser Vorteil schnell ins Gegenteil zu verkehren und mehr zu schaden als zu nützen. „Andererseits kann man es auch nicht Tüchtigkeit nennen, seine Mitbürger umzubringen, seine Freunde zu verraten und ohne Treue, Mitleid und Religion zu sein; auf solche Weise kann man zwar Macht erwerben, aber keinen Ruhm“, betont Machiavelli.

Geradezu ein Paradebeispiel stellen die Vorgänge um den ehemaligen Chef der HSH-Nordbank Dirk Jens Nonnenmacher dar. Der Manager geriet u.a. in den Verdacht, in eine besonders schmuddelige Angelegenheit verstrickt zu sein. So wurde bei einer Razzia im Büro des Leiters der New Yorker Filiale Kinderpornografie entdeckt. Die zuständige Staatsanwaltschaft witterte indes eine Intrige gegen den Filialleiter. Nonnenmachers Ruf ging in den Sturzflug über, der Banker musste seinen Hut nehmen und seine Tage im Banking waren gezählt.

8. Kuschelführungsstil ist out: Untergebene müssen von Vorgesetzten abhängig bleiben

Wenn es nach Machiavelli geht, dann ist der moderne Kuschelführungsstil unangebracht. Vielmehr müssen die Mitarbeiter keine Kollegen, sondern Untergebene sein und völlig von ihren Vorgesetzten abhängen. Daher lobt Machiavelli auch ausdrücklich die zeitgenössischen Türken, die damals als Despotie verschrien waren. Der Sultan würde seine Amtsträger austauschen, „ganz wie es ihm gefällt.“ Mitarbeiter müssen auf ihren Chef angewiesen sein und nicht umgekehrt. „Daher muss ein kluger Fürst sich auf eine Methode besinnen, durch die seine Bürger immer und in jeder geschichtlichen Lage den Staat und ihn brauchen; dann werden sie ihm stets treu bleiben.“

9. Selbst der perfekte Karrierist kann scheitern

Doch selbst die geschickte Anwendung aller Tricks beim Aufbau einer Karriere kann im Desaster enden. Als Beispiel hierfür führt Machiavelli ausgerechnet den in seiner Zeit als Scheusal verschrienen Papstsohn Cesare Borgia an, der kürzlich in gleich zwei Fernsehserien sein Unwesen trieb. „Cesare Borgia … gewann die Herrschaft durch das Glück seines Vaters und verlor sie mit diesem, obwohl er jedes Mittel gebrauchte und all das tat, was ein kluger und tüchtiger Mann tun musste, um in jenen Staaten Wurzeln zu schlagen, zu denen ihm die Waffen und das Glück anderer verholfen hatten.“ Da hat Cesare wohl Pech gehabt.

Die Rolle als moderner Cesare Borgia scheint wie maßgeschneidert für den ehemaligen Lehman-Chef Dick Fuld zu sein. Der Ex-Pilot der US-Luftwaffe steht im Ruf durch dubiose Methoden bis an die Spitze der Investmentbank gelangt zu sein und bis zu 500 Mio. Dollar eingestrichen zu haben. Im September 2008 endete diese Karriere abrupt in einer Sensationspleite.


Kommentare (1)

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  1. Der Mann aus 9. heißt Dick Fuld

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