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Wie wird man Risikomanager? Einstieg und Fortbildungen in einen boomenden Beruf

(Photo credit: Wikipedia)

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Risikomanager sind derzeit auf dem Arbeitsmarkt so gefragt wie Bananen in der DDR. Denn seit der Finanzkrise hat nicht nur die Reputation des Berufsbildes zugelegt, sondern die Regulierungsbehörden zwingen Finanzdienstleister sogar regelrecht zu Neueinstellungen in diesem Bereich. Kein Wunder, dass Headhunter Risikomanager händeringend suchen. Doch wie steigt man überhaupt in diesen Beruf ein und welche Qualifikationen gibt es?

„Bei den meisten Risikomanagern handelte es sich bislang um Seiteneinsteiger“, weiß Dominik Dersch, der das Münchner Chapter der Professional Risk Managers‘ Association (PRMIA) seit 2004 leitet und auch dem globalen PRMIA angehört . „Die meisten Berufseinsteiger haben einen quantitativen oder wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang absolviert“, beobachtet der promovierte Physiker. Mittlerweile gebe es auch akademische Einstiegsmöglichkeiten z.B. über den Lehrstuhl für Finanzmathematik der TU-München oder dem Masterstudiengang Stochastic Engineering der Hochschule München.

Der Associate Professional Risk Manager (APRM)

Oftmals erfolge der Einstieg ins Risikomanagement von Finanzdienstleistern direkt. Bei der persönlichen Entwicklung zum Risikomanager würden überdies Fortbildungen helfen. „Viele Berufseinsteiger arbeiten erst in der Datenerfassung, im Reporting oder sind mit administrativen Aufgaben betraut und entscheiden sich dann, einen APRM zu machen“, erzählt Dersch. Beim Associate Professional Risk Manager (APRM) handelt es sich um eine Basisqualifikation.

Der APRM vermittelt Grundkenntnisse über die drei klassischen Bereiche Marktrisiko, Kreditrisiko und operationelles Risiko. In der Fortbildung müssen die Teilnehmer ein Lehrbuch und Fachaufsätze mit insgesamt rund 550 Seiten durcharbeiten. Abschließend findet eine Prüfung in einem Online-Trainingscenter statt, von denen es allein in München fünf oder sechs gebe.

Der APRM vermittelt Grundkenntnisse über die drei klassischen Bereiche Marktrisiko, Kreditrisiko und operationelles Risiko. In der Fortbildung müssen die Teilnehmer ein Lehrbuch und Fachaufsätze mit insgesamt rund 550 Seiten durcharbeiten. Abschließend findet eine Prüfung in einem Online-Trainingscenter statt, von denen es allein in München ca. fünf gebe.

Nebenberuflich lasse sich die Fortbildung innerhalb von drei Monaten erwerben. Die Kosten für die Kursunterlagen und die Prüfung liegen bei rund 350 US-Dollar. Auch die Erfolgsquoten können sich sehen lassen. Insgesamt liege sie weltweit bei zwei Drittel der Teilnehmer. „Meiner Erfahrung nach ist die Erfolgsquote in Deutschland deutlich höher“, sagt Dersch. Um die Vorbereitung effizienter zu gestalten, können Interessenten auch zwei- oder dreitägige Vorbereitungskurse besuchen. Dersch bietet seit 2009 solche Schulungen als interne oder externe Seminare in Deutschland, Österreich und der Schweiz an

„Das Schöne am APRM ist, dass er kaum quantitative Kenntnisse voraussetzt“, betont Dersch. Die Grundrechenarten würden genügen. Geeignet sei der Kurs für Berufseinsteiger. So habe er schon sämtliche Trainees einer großen österreichischen Bank mit Schulungen auf den APRM vorbereitet. „Mancher BWL-Absolvent macht einen APRM zum Berufseinstieg. Dann tun sich neue Chancen auf“, sagt Dersch.

Auch viele Consultants würden den APRM gerne absolvieren. Selbst für Sales-Mitarbeiter einer Bank sei ein APRM interessant, denn schließlich nutzen viele Unternehmen derivative Bankprodukte, um sich gegen Risiken zu schützen.

Der Professional Risk Manager (PRM)

Laut Dersch deckt der PRM das gleiche Spektrum wie der APRM ab – allerdings deutlich tiefer. „Der PRM geht sehr stark in die Modellierung von Risiken hinein“, erläutert Dersch. Die quantitativen Anforderungen seien deutlich höher. Doch auch hierfür würde das Leistungskursniveau in Mathematik genügen. Der PRM sei innerhalb von zwei Jahren nebenberuflich zu erwerben. Dabei gibt es insgesamt vier Prüfungen, wobei eine nach einem vorherigen APRM entfällt. Der PRM sei für unter 1200 Dollar Gesamtkosten zu haben und die Erfolgsquote ähnlich wie bei APRM.

Der Certified Risk Manager (CRM)

Einen breiteren Ansatz verfolgt der CRM, den die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) in Frankfurt anbietet. Laut DVFA-Geschäftsführer Peter König brächten die meisten Teilnehmer bereits acht bis zehn Jahre Berufserfahrung im Risikomanagement und verwandten Bereichen wie dem Controlling bis hin zum Treasury mit. Ein zweiter Teilnehmerkreis stamme aus dem Kreditgeschäft der Banken. „Der CRM ist aber auch durchaus für jüngere Teilnehmer geeignet, wenn sie eine Karriere im Risikomanagement von Banken anstreben“, sagt König.

Dabei gehe darum, nicht nur Risikomodelle an die Teilnehmer zu vermitteln, schließlich würden diese schon oft im Berufsalltag angewendet. „Wir haben nicht das Ziel, den Leuten das Rechnen beizubringen“, sagt der promovierte Volkswirt. Denn neben Wirtschaftswissenschaftlern kämen viele Teilnehmer aus naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen. „Aber wir haben auch schon Juristen im Kurs gehabt, die in Banken mit Compliance beschäftigt sind“, ergänzt König.

„Uns geht es darum, dass die Teilnehmer lernen, die Berechnungen zu hinterfragen. Die Leute sollen nicht mehr, sondern besser rechnen“, betont König. Daher habe der CRM zum Ziel, den häufig sehr spezialisierten Teilnehmern zu vermitteln, wie eine Bank funktioniert und sie so für die Fragen jenseits der Risikomodelle zu sensibilisieren. Daher behandle der CRM auch Themen wie Gesamtbanksteuerung, Basel III, Bilanzierung oder Reporting. „Sie müssen eine Bank nicht nur quantitativ analysieren, sondern auch qualitativ verstehen“, betont König. „Es geht darum, dass die Leute weniger naiv mit Zahlen umgehen.“

Konkret kann der CRM innerhalb von fünf Monaten nebenberuflich erworben werden. Der Lehrstoff werde bei der DVFA an 18 Tagen mit Präsenzveranstaltungen vermittelt. Am Ende wird der Stoff in Klausuren über anderthalb Tage abgeprüft. Die Erfolgsquote liege bei über 90 Prozent. Der gesamte Kurs kostet 8450 Euro (und 7950 Euro für Frühbucher).

König unterstreicht den Wert des CRM für die Karriere: „Wenn Sie sehr stark spezialisiert gearbeitet haben, dann können Sie sich ab einem bestimmten Punkt nur verbessern, wenn Sie eine solche Ausbildung machen. Um in einer modernen Bank Karriere zu machen, ist das Verständnis des Zusammenspiels von Risikomanagement und Banksteuerung von großer Bedeutung.“

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Kommentare (2)

Comments
  1. Wie sieht es denn mit dem Financial Risk Manager (FRM) aus?

  2. In dieser Auflistung fehlt mir der Financial Risk Manager (FRM), der von der Global Association of Risk Professionals aus Dänen USA vergeben wird. Meines Wissens ist dies die derzeit anerkannteste Fortbildung im Risikomanagement. Sie erfordert für das Führen desTitels allerdings mehrere Jahre relevante Berufserfahrung (können nachgeholt werden) und zwei Prüfungen nach Selbststudium, die Erfolgsquote liegt allerdings deutlich unter der des CRM. Kosten liegen mit Literatur bei ca. 2500 Dollar.

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