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GASTKOMMENTAR: Weshalb schlaue Banker Weihnachtsfeiern meiden

Gott sei gepriesen – Weihnachten wird nur einmal im Jahr gefeiert. Ich kann mich an kein Jahr meiner Karriere in der Londoner City erinnern, in dem ich bei einer Weihnachtsfeier nicht knapp einer Kündigung entronnen wäre und mein letztes Jahr in der Quadratmeile stellte in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar.

Rund 500 Bankangestellte aller Karrierestufen besuchten die Party in 2007, die in einer extrem vornehmen Örtlichkeit in der City stattfand und wozu ein wundervolles Essen, nette Spielchen und genügend Champagner gehörten, um Puff Daddy für ein ganzes Jahr abzufüllen. Wie immer habe ich mich wie ein Trainee, der reichlich feucht hinter den Ohren ist, benommen und wie ebenfalls immer war der Alkohol dafür verantwortlich. Gegen 22 Uhr war ich so betrunken wie ein Stinktier und dann sollte der Spaß erst richtig beginnen…

Die vier gewaltigen Fehler

Zuerst ließ ich eine schwelende Rivalität mit einem Kollegen außer Kontrolle geraten. Ein kameradschaftliches Späßchen eskalierte schneller als ein Grenzkonflikt im Mittleren Osten und sogleich registrierte ich verärgerte Blicke von den umstehenden Leuten. Selbst Faustschläge sind bei derartigen Veranstaltungen keine Seltenheit, doch noch gewann die Besonnenheit überhand über meinen Kampfesmut und ich ließ den riesigen Rugbyspieler von dannen ziehen.

Zweitens habe ich mit einer Reihe schuljungenhafter Zweideutigkeiten gegenüber zwei verheirateten Kollegen klargestellt, dass ich über ihre Seitensprünge im Bilde sei. Den vernichtenden Blick, den ich dafür von einer betroffenen Lady erhielt, legte nahe, dass ich keine Weihnachtskarte von ihr erhalten würde.

Drittens stritt ich mich auf peinlich öffentliche Weise mit meinem Vorgesetzten. Aus irgendeinem Grund nutzte er meine geringschätzigen Bemerkungen über seinen Haarschnitt nicht, um meinen Bonus zusammenzustreichen. Die Mistkerle, die diese Partys organisieren, scheinen sicherstellen zu wollen, dass diese immer zur Bonussaison stattfinden, wahrscheinlich um eine ungesicherte Kanone wie mich zu identifizieren.

Schließlich gelangte ich auf die Tanzfläche, wo ich mich wie ein von Extasy benebelter Teenager bewegte und unverschämt mit einigen “Ladys” flirtete. Denn bei diesen Events handelt es sich um die besten Gelegenheiten für City-Sekretärinnen, sich einen Millionär zu angeln. Doch da ich weder über die Millionen von Abramowitsch noch über das Aussehen von Clooney verfüge, wird es dort kaum eine Goldgräberin geben, die verzweifelt genug ist, mich in meinem Rauschzustand eines zweiten Blickes zu würdigen.

Gegen Mitternacht stolperte ich hinaus und wachte schließlich auf meinem Sofa wieder auf und roch wie Ollie Reed (und dass sage ich, obgleich mir voll bewusst ist, dass er bereits seit Jahren tot ist.)

In der City handelt es sich bei Weihnachten um jene Zeit des Jahres, in der man reichlich verkatert sein darf und in der Weihnachtsfeiern scheußliche Minenfelder darstellen, wo es um hohe Einsätze geht. Mit einem erfolgreichen Flirt kannst Du Dir einen Millionär angeln, doch ein unangebrachtes’ Verhalten kann Dich auch einen überaus gutbezahlten Job kosten.

Sag einfach nein

Klügere und erfahrenere Börsenhändler nehmen oft an den Weihnachtsfeiern nicht teil, weil das potenzielle Risiko einfach zu groß ausfällt. Immerhin ist es mir gelungen, niemals in wirklich großen Ärger zu geraten, doch ich bin häufig so nah herangeraten, dass es schon fast einem Wunder gleicht, dass ich meinen Job aufgegeben habe und nicht gefeuert wurde.

Es mag unglaublich langweilig klingen, doch wenn Du einen Hang dazu hast, außer Kontrolle zu geraten und Du schätzt Deinen Job, dann empfehle ich Dir, nur ein paar Biere zu trinken und frühzeitig nachhause zu gehen – andernfalls besteht das einzige Weihnachtsgeschenk womöglich nur in einem festlich verpackten Kündigungsschreiben.

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