☰ Menu eFinancialCareers

Libor-Affäre: Muss Bittar einen Teil seiner 80 Mio. zurückgeben?

„Deferrals“ heißt eines der Zauberworte, mit denen der Kulturwandel in den Investmentbanken vorangetrieben werden soll. Dabei handelt es sich um Bonusansprüche, die im Falle der Deutschen Bank drei bis fünf Jahre verzögert ausgezahlt werden. Der Vorteil dabei: Falls die Bank oder ihre einzelnen Sparten rote Zahlen schreiben oder später ein Fehlverhalten der Mitarbeiter nachgewiesen wird, dann lassen sich diese Ansprüche im Nachhinein noch aberkennen.

Diese Erfahrung musste auch der umstrittene Eigenhändler Christian Bittar machen; dem ehemaligen Deutsche Bank-Mitarbeiter wurden von seinem Arbeitgeber 40 Mio. Euro an Ansprüchen gestrichen. „Das, was mit arbeitsrechtlichen Mitteln einbehalten konnte, wurde eingefroren“, sagte ein Insider dem Handelsblatt.

Doch jetzt scheint der deutsche Branchenprimus noch einen Schritt weiterzugehen und die ausgezahlten Boni von womöglich 80 Mio. Euro von dem Skandaltrader zurückzufordern.

„Im Zuge unserer internen Untersuchung prüfen wir alle Optionen, um Maßnahmen gegen Personen zu ergreifen, wenn deren Fehlverhalten erwiesen ist“, zitiert das Handelsblatt aus einer internen Notiz. „Dazu können auch rechtliche Schritte gehören“, heißt es weiter.

Dabei scheint die Bank vor einem Dilemma zu stehen. Denn wenn Bittar gegen Gesetze verstoßen haben solle – wie z.B. durch eine betrügerische Manipulation des Referenzzinssatzes Libor – dann hat die Bank in einer juristischen Auseinandersetzung bessere Karten. „Wenn klar ist, dass er nicht nur gegen das Arbeitsrecht, sondern gegen Gesetze verstoßen hat, hat die Deutsche Bank eine bessere Grundlage, um eine solche Klage zu führen“, heißt es aus dem Unternehmensumfeld.

Doch hierzu müsste die Verstrickung Bittars und der Deutschen Bank in den Libor-Skandal nachgewiesen werden. In einem solchen Fall könnten der Deutschen Bank Bußgeldzahlungen in Milliardenhöhe drohen. So musste die UBS im Zuge der Libor-Manipulation ein Bußgeld in Höhe von 1,4 Mrd. Franken auf den Tisch blättern. Ein Bericht der Aufsichtsbehörde BaFin zu der Libor-Affäre wird nicht vor Ende März erwartet. Anschließend müssten sich die Aufseher noch mit ihren Kollegen aus London und New York abstimmen.

Mithin kann die Bank eigentlich nur verlieren: Entweder sie muss eine Libor-Buße akzeptieren und kann dann womöglich Bittar und seine vermeintlichen Kompagnons juristisch belangen oder die Gruppe der angeblichen Libor-Manipulatoren ist fein raus, und der angestrebte Kulturwandel erlebt eine erste Niederlage.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier