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Neue Wachstumschancen: Big 4 denken über den Einstieg ins Rating-Geschäft nach

Die Kritik an den drei Rating-Agenturen Standard & Poor’s, Moody`s und Fitch hat in der Griechenland-Krise einen neuen Höhepunkt erreicht. Denn Standard & Poors’s hat die Bonität griechischer Staatsanleihen auf Ramschstatus gesenkt, ohne das Ergebnis der Verhandlungen über ein Rettungspaket für Griechenland abzuwarten.

Bereits in der Finanzkrise wurden den drei US-Unternehmen eine umrühmliche Rolle vorgeworfen. So wurden Kreditderivate mit Bestnoten bewertet, in denen Banken minderwertige Wertpapiere (Subprime) gebündelt hatten. Damit wurden Anleger – so der Vorwurf – über die wahren Risiken getäuscht.

Die drei Unternehmen beherrschen den Weltmarkt für Ratings in einem lukrativen Oligopol. Doch damit könnte bald Schluss sein, falls die Überlegugen der Big 4 Wirklichkeit werden sollten.

Fähigkeiten, Wissen und Personal für Ratings vorhanden

So hat der britische KPMG-Chef John Griffith Jones gegenüber der Londoner Financial Times gesagt, dass die Big 4 über die Fähigkeiten, das Wissen und die Leute verfügten, um selbst Ratings anzustellen.

“Wir haben darüber als eine plausible Möglichkeit gesprochen. Es ist definitiv etwas, was wir kompetent durchführen könnten… Aber es ist im Augenblick nicht auf der Agenda. Doch wenn die Welt einen neuen starken Rating-Player will, dann sind wir da.”, ergänzte Griffith Jones.

Bereits von einer Woche hatte Ernst & Young-Partner Daniel Mair in einem eFinancialCareers-Interview ähnliche Überlegungen angestellt. Demnach könnten schärfere gesetzliche Regelungen für die Rating-Branche neue Geschäftsfelder für die Wirtschaftsprüfungs-Branche erschließen.

“Ich gehe davon aus, dass diese Prozesse durch den Gesetzgeber künftig transparenter gemacht werden. Mit der Prüfung, ob diese Richtlinien eingehalten werden, könnte ein neues Geschäftsfeld für die Wirtschaftsprüfungs-Branche entstehen. Durch die externe Prüfung könnte das Vertrauen in die Ratingagenturen zurückgewonnen werden”, sagte Mair.

Big 4 haben Unabhängigkeit bewiesen

Doch auch bei den Big 4 besteht der gleiche Interessenkonflikt wie bei den Rating-Agenturen. So werden Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch von denjenigen Unternehmen bezahlt, deren Anleihen sie bewerten.

Dies räumt auch Griffith Jones für die Big 4 offen ein: “Wir sind uns bewusst, dass die Leute denken, dass wir bereits Interessenkonflikte haben. Das macht es wahrscheinlich unmöglich.”

Dagegen betont Mair die Erfahrung der Big 4 mit Interessenkonflikten. Denn auch bei der Jahresabschlussprüfung bestehe die gleiche Konstellation, indem das geprüfte Unternehmen die Kosten trägt. Die Wirtschaftsprüfungs-Branche habe indes bewiesen, dass sie in der Lage sei, unabhängige Prüfungen zu “99,99 Prozent” zu gewährleisten.

Auch die Äußerungen des britischen PwC-Chefs Richard Sexton wurden in diese Richtung gedeutet. Demnach sei PwC ständig auf Suche nach Wachstumschancen rund um die Kernkompetenzen wie die Stärkung des öffentlichen Vertrauens.

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