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Interview mit UBS Head of Equities: Welche Chancen westliche Bewerber in Asien haben

Yeoh Choo Guan

Die besten Trader sind versiert in IT, verfügen über makroökonomisches Verständnis und ein stressbewältigenden Sinn für Humor, meint Choo-Guan Yeoh, die im vergangenen Oktober bei der UBS in Singapur zum Head of Equities ernannt wurde.

Yeoh stammt ursprünglich aus Malaysia, stieß in 2001 von RHB zur UBS in Singapur und machte dort rasch Karriere. Im Jahr 2007 zog Yeoh nach Honkong, wo sie das Client-Trading and Execution Team für China leitete und betrat damit für die UBS Neuland, indem sie als erster ausländischer Broker die so genannten A-Aktien handelte, wie es sie in Festlands-China gibt. In 2010 kehrte sie nach Singapur zurück und avancierte zum Head of Client Trading and Execution für Südost-Asien. Wir haben mit Yeoh gesprochen, wieso Asien auch für Leute aus dem Westen reizvoll ist und wieso sie ursprünglich eine Naturwissenschaftlerin werden wollte.

Was macht einen guten Sales-Trader aus?

Ich suche nach Leuten, die Aktivitäten außerhalb des Studiums mögen. Dabei bin ich nicht an einem speziellen Hobby interessiert. Vielmehr zeigt sich daran, dass diese Leute einen Sinn für Spaß mitbringen. Fröhlichkeit schafft positive Energie in einem nervösen Handelssaal und sie hilft die Batterien aufzuladen. Technische Kenntnisse sind von Vorteil, gute Kenntnisse in Softwarefragen und Programmierung stellen ein weiteres Plus dar. Darüber hinaus müssen Sie ein profundes Wissen in Makroökonomie mitbringen – und zwar anlageklassenübergreifend. Wichtig ist auch zu verstehen, wie Liquidität die Märkte antreibt.

Auch einige Banken aus Asien bauen im Aktiengeschäft Stellen ab. Wie sieht dies bei Ihnen aus?

Das Aktiengeschäft ist für uns von zentraler Bedeutung und die UBS erhält regelmäßig ein Top-Rating mit ihrem asiatisch-pazifischen Aktiengeschäft. Daher haben wir unsere Mitarbeiterzahl im abgelaufenen Jahr stabil gehalten, obgleich die Marktvolumen abnahmen. Ich denke, dass uns das auch in diesem Jahr gelingen wird. Alle weiteren Einstellungen hängen von der Marktentwicklung ab. Falls es nur einen kleinen Aufschwung gibt, dann verfügen wir mit unserem aktuellen Team bereits über genügend Kapazitäten. So sehe ich derzeit keine Neueinstellungen.

Erhalten Sie viele Bewerbungen aus Europa und den USA?

Bei Bankern im Westen herrscht ein großes Interesse, in Asien zu arbeiten. Ich würde sagen, dass sich die Zahl der Bewerbungen in den zurückliegenden 18 Monaten verdrei- oder vervierfacht hat. Doch um einen Job zu bekommen, müssen Sie belegen, dass sie über Berufserfahrungen verfügen, in denen hier ein Mangel herrscht, und das wird immer schwieriger. So sind beispielsweise Derivate mittlerweile in Singapur und Hongkong gut etabliert – hierfür gibt es bereits einen großen Talent-Pool. Sicherlich, wenn Sie sehr erfahren sind und neue Kunden für die Bank mitbringen, dann heißt das schon etwas. Doch jüngere Banker dürften damit zu kämpfen haben, genügend Mehrwert anzubieten.

Was war Ihre größte Herausforderung?

Als ich die Leitung des Aktiengeschäfts in Singapur übernahm, stieg meine Mitarbeiterzahl von 17 auf 39 an. Ich verfüge über einen starken Hintergrund im Sales-Trading, was es den entsprechenden Teammitgliedern erleichterte, zu mir aufzuschauen. Doch in meinem neuen Job managte ich auch Leute aus dem Aktienresearch, einem Gebiet, in dem ich zuvor noch nie gearbeitet hatte, so musste ich eine Menge Anstrengung hierin investieren. Denn diese Leute müssen Sie anders anleiten. Trader sind sehr direkt und aggressiv; mit ihnen können Sie hitzige Diskussionen führen und am nächsten Tag ist alles vergessen. Dagegen müssen Sie mit Analysten anders umgehen.

Wie lief das mit der Einführung von A-Aktien bei der UBS?

In 2007 eröffneten wir UBS Securities in China, was auf die Umstrukturierung von Beijing Securities zurückging. Wir waren Pioniere und machten als erster ausländischer Broker den Weg frei, indem wir die besten globalen Verfahren in unserer Plattform in Shanghai einführten. Diese Zeit stellte eine großartige Erfahrung dar, da es keinerlei Spielraum für Fehler gab. Unter den ausländischen Brokern handelten wir das größte Volumen an A-Aktien. Ich war sehr stolz darauf, was das Team erreichte.

Wie hat es Sie ins Banking verschlagen?

Es war eher zufällig und ungeplant. Denn ursprünglich wollte ich eine Naturwissenschaftlerin werden. I studierte Fischereibiologie an der Humboldt State University in Kalifornien und absolvierte teilweise einen MBA, was mir – wie ich dachte – helfen würde, Finanzierungsanträge für wissenschaftliche Forschungen abzufassen. Doch als ich 1996 nach Malaysia zurückkehrte, war es sehr schwierig, die Finanzierung für ein Promotionsprojekt zu erhalten. Als also ein Freund für das Team seiner Aktienboutique in Kuala Lumpur Leute suchte, nahm ich einen Job in der Ausführung von Deals an. Dabei ging es eigentlich nur darum, Aufträge einzugeben und dafür sehr gut bezahlt zu werden. Dann wechselte ich ins Sales Trading einer großen Bank in Malaysia, was ich genoss und worin ich erfolgreich war. In 2001 habe ich schließlich bei der UBS angefangen und diesen Schritt niemals bedauert.

Hat Sie Ihr Geschlecht in Ihrer Karriere irgendwie behindert?

Da kann ich nur über meine eigene Bank sprechen: Eigentlich denke ich, dass wir Leistungen anerkennen sollten, ungeachtet von Rasse und Geschlecht. Unser CEO für den asiatisch-pazifischen Raum Chi-Won Yoon und andere Führungskräfte haben eine Unternehmenskultur vorangetrieben, die Frauen fördert. Meine Vorgesetzten haben sich immer nach Chancen ungesehen, die mir weiterhalfen. Das Unternehmen erkennt Leistungsträger an – sowohl Männer als auch Frauen – und stellt sicher, dass sich um ihre Karriere gesorgt wird.

Wenn man sich die Bankenbranche insgesamt anschaut, dann gibt es immer noch Herausforderungen für Frauen. Als ich in Hongkong arbeitete, traf ich mich mit anderen Heads of Trading von Großbanken: Unter ihnen stellte ich die einzige Asiatin und die einzige Frau dar. Ich denke, die Zahl der weiblichen Führungskräfte ist während der Finanzkrise gesunken, weil ihnen einfach mehr Optionen zur Verfügung standen. So konnten sie zuhause bleiben und eine Familie gründen oder aber auf Reisen gehen. Es ging nicht darum, dass sie nicht mit dem Stress zurechtkamen. Ihnen standen einfach mehrere Optionen offen und sie wählten die für sie richtige.

Generell tendiert die Bankenbranche dazu, von Männern dominiert zu sein. Wenn Manager nicht gewohnt sind, Frauen zu leiten, dann mag dieser Hang sich auf ihre Einstellungsentscheidungen auswirken – bewusst oder unbewusst. Als Hiring Manager müssen Sie indes darauf achten, wie Sie die ‚Diversity‘ in ihrem Team steigern können, damit tatsächlich auch die besten Ideen generiert werden. Als junge Bankerin sollten Sie aber keine Komplexe wegen Ihres Geschlechts haben. Arbeiten Sie hart, bringen Sie Leidenschaft fürs Banking mit und suchen Sie nach dem richtigen Unternehmen, das Ihrer Bedürfnisse anerkennt.

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