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Große Risiken und noch größere Chancen: Banker kehren in den Irak und nach Libyen zurück

Photo: The U.S. Army

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Immer mehr Finanzprofis riskieren ihr Leben und wagen sich in die Frontmärkte des Mittleren Ostens wie den Irak oder Libyen, um rechtzeitig einen Fuß in die Tür zu bekommen und vom anstehenden Wirtschaftsaufschwung zu profitieren.

Doch ein solcher Schritt ist nichts für schwache Nerven: Bomben am Straßenrand und Entführungen ausländischer Geschäftsleute sind im Irak immer noch an der Tagesordnung, wo die Gewalt von Aufständischen und politischen Gruppen auch ein Jahr nach dem Abzug der US-Truppen anhält. Auch in Libyen gehen die Anschläge – besonders in Bengasi – weiter, wo sie „eine spezifische und unmittelbare Bedrohung für Menschen aus dem Westen darstellen“, wie das britische Außenministerium ausdrücklich betont.

Doch für diejenigen, die dieses Risiko auf sich nehmen, könnte die Belohnung auf lange Sicht sehr hoch ausfallen. So handelt es sich bei Ziad Makkawi um einen Investmentbanking- und Private Equity-Veteran, der für Unternehmen wie Algebra Capital, Dubai Bank und Shuaa Capital  im Mittleren Osten ebenso wie in New York gearbeitet hat. Makkawi hat kürzlich das Private Equity-Unternehmen Blue Gate Capital Partners gegründet, um von den Plänen des Iraks zu einer Ankurbelung der Wirtschaft und vom Wachstumspotenzial des nach-revolutionären Libyens zu profitieren.

„An Orten wie Libyen und dem Irak gibt es eine Menge Herausforderungen; es handelt sich um unterentwickelte Märkte, wo die Korruption ausgeprägt ist und es Sicherheitsprobleme und Gefahren für die körperliche Unversehrtheit gibt. Das ist sicher nichts für jedermann“, erzählt Makkawi. „Doch wenn Sie sich dieser Gefahren bewusst sind, dann gibt es den Reiz hohen Wachstums und hoher Erträge.“

Beim Irak handelt es sich immerhin um eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Erde. Laut der Weltbank hat das Bruttoinlandsprodukt in 2012 um 11,1 Prozent zugelegt und es wird mit einem weiteren Wachstum von 13,5 Prozent gerechnet, nachdem sich die Ölexporte auf das Vorkriegsniveau erholt haben. Auch Libyen hängt stark vom Schwarzen Gold ab. Der Wirtschaft des Landes gelang im vergangenen Jahr ein eindrucksvoller Turnaround. Nach einer Kontraktion von fast 60 Prozent in 2011, legte die Wirtschaft in 2012 laut dem Internationalen Währungsfonds um stolze 121,9 Prozent zu.

Einige internationale Investmentbanken haben bereits ihre Fühler in den Irak und nach Libyen ausgestreckt: Morgan Stanley, Goldman Sachs, HSBC, Citigroup und BNP Paribas haben allesamt versucht, Beteiligungen an lukrativen Infrastrukturprojekten und Projektfinanzierungen zu erlangen. Allerdings wurden im vergangenen Jahr dort nur neun Deals verkündet, wie aus den Daten von Dealogic hervorgeht. Darüber hinaus hat es beim Börsengang des irakischen Telekommunikationskonzerns Asiacell Probleme gegeben, weshalb sich Morgan Stanley anscheinend zurückgezogen hat.

„Das Investmentbanking ist in Ländern wie dem Irak oder Libyen immer noch stark unterentwickelt, dennoch suchen Finanzprofis zunehmend nach Chancen in diesen Frontmärkten“, sagt Headhunter Shane Phillips von Shane Phillips Consultants in Dubai. „Dabei geht es nicht so sehr darum, dass Banken dort einstellen und wachsen. Vielmehr handelt es sich um Finanzprofis, die aufgrund von düsteren Berufsaussichten und dem niedrigen Wachstum in entwickelten Märkten frustriert sind. Sie suchen nach neuen Chancen und nutzen ihre Kenntnisse, wie sich neue Geschäfte aufbauen lassen.“

Wenn Sie indes als Banker im Irak oder in Libyen arbeiten möchten, dann können Sie nicht aus dem Koffer leben. „Beziehungen vor Ort aufzubauen, ist für den Erfolg im Irak und in Libyen absolut entscheidend. Sie können nicht nur einfliegen und dann wieder abhauen, denn die Leute wollen Einsatz sehen. Es ist sehr schwierig, einen Fuß in diese Märkte zu bekommen, solange Sie nicht über die richtigen Verbindungen verfügen“, sagt Makkawi. „Unternehmen, die ihre Präsenz vor Ort verstärken möchten, rekrutieren von rund um den Globus. Leute aus den USA, Europa und dem Mittleren Osten ziehen hierher.“

Weiter gibt es Anzeichen, dass auch Investmentbanken aus dem Mittleren Osten ein Auge auf Chancen im Irak werfen. Bei der Abu Dhabi Investment Bank handelt es sich um das erste Institut aus den Emiraten, das von der Zentralbank des Irak eine volle Bankenlizenz erhalten hat, und das sein Investmentbanking dort ausbauen möchte. Auch vom Joint Venture zwischen den regionalen Investmentbanken EFG Hermes und QInvest wird behauptet, nach Libyen und in den Irak expandieren zu wollen.

Die libanesischen Banken Audi und Byblos Bank engagieren sich ebenfalls in den beiden Ländern, um die schlechteren Geschäft im Heimatland auszugleichen. So erzählte Byblos Bank-General Manager Sami Haddad der Nachrichtenagentur Reuters, dass der Irak zu wenige Banken aufweise und dass es „dumm“ wäre, sich die Gelegenheit zum Geld verdienen entgehen zu lassen.

Dennoch denkt Makkawi, dass Libyen kurzfristig die besseren Geschäftschancen biete. „Libyen verfügt nicht über die gleichen schwelenden Spannungen wie der Irak, weist eine kleinere Bevölkerung auf und ist sehr reich. Offensichtlich gibt es Probleme in der Region, aber es herrscht gewissermaßen Gründerzeitstimmung, also ist es jetzt die richtige Zeit um zu investieren.“

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