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Gefeuert? Welche Rechte Arbeitnehmer rund um den Globus haben

Jeder Arbeitnehmer sollte seine Rechte kennen.

Jeder Arbeitnehmer sollte seine Rechte kennen.

Rund um den Globus werden derzeit in den Finanzzentren die Äxte gewetzt und beherzt an den Mitarbeiterstamm angelegt. Doch falls die Axt auch über Ihrem Kopf schwebt, dann fragen Sie sich womöglich, wo auf dem Erdball der schlechteste Ort ist, um seinen Job zu verlieren. Nach unserer Untersuchung scheinen dies die Vereinigten Staaten zu sein – dicht gefolgt von der Schweiz.

Denn in beiden Ländern sind arbeitsrechtliche Regelungen in Kraft, die Arbeitgeber begünstigen und Kündigungen ohne großzügige Abfindungszahlungen ermöglichen. In jedem US-Bundesstaat (außer Montana) kann eine Kündigung „nach Belieben“ erfolgen. Ein Arbeitgeber kann Mitarbeiter also jederzeit – ohne Angabe von Gründen –  vor die Tür setzen, solange dies nicht mit diskriminierender Absicht geschieht. Dabei werden keinerlei Abfindungszahlungen fällig.

Auch in der Schweiz sind Arbeitgeber gesetzlich zu keinen Abfindungszahlungen verpflichtet – obgleich Tarifverträge derartige Regelungen oftmals vorsehen. Anders sieht dies bei Mitarbeitern aus, die 20 und mehr Jahre für das gleiche Unternehmen gearbeitet haben. Diese haben einen Anspruch auf Abfindungszahlungen in Höhe von zwei bis acht Monatsgehältern.

„Aber solche Abfindungen sind in der Schweiz nicht weit verbreitet, weil der Arbeitgeber diese Abfindungen von vorgeschriebenen Pensionsplan abziehen kann“, sagt der Züricher Arbeitsrechtler André Lerch. Derartige Abfindungen verringern also spätere Pensionszahlungen.

Laut Lerch verhalten sich die Banken bei Kündigungsfristen (normalerweise 1 Monat) und Abfindungszahlungen nicht großzügiger als andere Branchen. Allerdings profitieren die Betroffenen von der mit aktuell 3,1 Prozent sehr niedrigen Arbeitslosigkeit in der Schweiz.

Auch die Betroffenen in den USA können sich zumindest damit trösten, dass Kündigungsfristen und Abfindungszahlungen oft in den Anstellungsverträgen – und weniger in Gesetzestexten –  geregelt sind. Im Falle von Massenentlassungen von 500 und mehr Mitarbeitern sind die Arbeitgeber nach dem Worker Adjustment and Retraining Notification Act (WARN) verpflichtet, eine solche Maßnahme 60 Tage im Voraus anzukündigen. Doch laut dem Anwalt für Arbeitsrecht Michael J. Borelli von Borelli & Associates in New York fallen Vertragsstreitigkeiten normalerweise zugunsten der Arbeitgeber aus.

Auch Honkong scheint in Hinsicht auf das Kündigungsrecht nicht der angenehmste Ort zu sein: Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt hier lediglich sieben Tage und die Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, einen Jobabbau zu begründen. Allerdings fallen die Regelungen bei Abfindungszahlungen vergleichsweise üppig aus. Diese betragen zwei Drittel eines Monatsgehaltes für jedes Jahr im Unternehmen und es gibt heftige Bußen von 350.000 Honkong-Dollar (35.500 Euro) und sogar Haftstrafen für Arbeitgeber, die absichtlich Abfindungszahlungen vorenthalten, worauf Jennifer Van Dale und Sonia Wong von Baker & Mackenzie hinweisen.

Wenn es um Kündigungen geht, dann scheinen auch die Finanzzentren des Mittleren Ostens zu den wahren Geizhälsen zu zählen. So gibt es für Kündigungen weder in den Vereinigten Arabischen Emiraten noch in Saudi Arabien rechtliche Vorschriften und damit auch keine Abfindungszahlungen. Arbeitskräfte aus dem Ausland drohen darüber hinaus auch die Aufenthaltsbewilligung zu verlieren.

Tatsächlich wird jedoch auch dort nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. So kennt das Dubai International Financial Centre z.B. eine Vorschrift, wonach ein Arbeitgeber, der Kündigungen ausspricht, seinen Mitarbeitern Zeit für die Jobsuche geben muss, bevor er sie vor die Tür setzt. Und anstatt einer Abfindungszahlung gibt es eine sogenannte „End of service gratuity“ von 21 Tagen für jedes der ersten fünf Jahre der Unternehmenszugehörigkeit, erläutert Sara Khoja von der Employment and Incentives Group Clyde & Co in Dubai.

Auch australische Arbeitgeber müssen Kündigungen nicht rechtfertigen; dennoch fallen die gesetzlichen Abfindungszahlungen recht bedeutsam aus. Die Fortzahlung von vier Wochen stellt das Minimum dar, das nach einem Jahr Unternehmenszugehörigkeit beansprucht werden kann.

Erstaunlicherweise scheint in Australien nach neun Jahren im Unternehmen der optimale Zeitpunkt gekommen zu sein, um seinen Job zu verlieren. Denn danach können Sie Abfindungszahlungen von 16 Wochen erhalten. Laut Stephen Trew, Partner bei der Anwaltskanzlei Holding Redlich, vermindern sich diese Ansprüche nach zehn Jahren auf nur noch zwölf Wochen.

Die Länder mit vergleichsweise komfortablen Regelungen

Die Arbeitslosigkeit in Italien beläuft sich derzeit auf 11,1 Prozent. Doch wer dort seinen Job verliert, kann sich auf ein strenges Arbeitsrecht verlassen. Laut Olimpio Stucchi, Partner bei LABLAW – Studio Legale in Mailand, sind in den Finanzdienstleistungen Kündigungsfristen von fünf bis zwölf Monaten möglich und ähnliches gilt auch für die Abfindungszahlungen.

Auch die arbeitsrechtlichen Regelungen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden fallen für die Mitarbeiter recht vorteilhaft aus. In Frankreich muss ein Arbeitgeber verschiedene Hürden nehmen und die Kündigungen rechtfertigen – auch wenn sich diese aus rein wirtschaftlichen Erwägungen ergeben. Falls beispielsweise die französische Großbank Société Générale betriebsbedingte Kündigungen in ihrem Heimatland vornehmen will, muss sie belegen, dass diese Probleme das Gesamtunternehmen betreffen und nicht nur eine Tochtergesellschaft, erläutert David Jonin von der französischen Anwaltskanzlei Gide Loyrette Nouel.

Auch bei den Abfindungen kommen die Banker in Frankreich gut weg. So belaufen sich die Abfindungen auf ein Viertel Monatsgehalt für jedes Quartal im Unternehmen.

In den Niederlanden wiederum muss der Arbeitgeber vor Kündigungen zunächst eine Erlaubnis von Gerichten und der Arbeitsbehörde einholen. Falls die korrekte Vorgehensweise nicht eingehalten wird, kann der Arbeitnehmer ggf. sogar eine Entschädigung verlangen. Darüber hinaus kassieren die Mitarbeiter – je nach Alter – eine Abfindung von einem halben bis zwei Monatsgehältern für jedes Jahr im Unternehmen. Und es kommt noch besser: Dies gilt sogar für die durchschnittlichen Bonuszahlungen in den vergangenen drei Jahren, was gerade für die Bankenbranche relevant ist.

Die für Angestellte günstigste Situation scheint hingegen im offiziell kommunistischen Festlandschina zu herrschen. Dort belaufen sich die gesetzlichen Abfindungsansprüche auf ein Monatsgehalt für jedes Jahr der Unternehmenszugehörigkeit und das Kündigungsrecht erschwert Kündigungen, wie Matthew Durham, Partner bei Clyde & Co. in Shanghai, berichtet.

Falls Sie sogar die einzige erwerbstätige Person in ihrer Familie sind und über Kinder oder ältere Angehörige verfügen, dann ist Ihre Kündigung sogar gänzlich illegal. Dies setzt indes voraus, dass Sie einen chinesischen Arbeitsvertrag haben.

(Mit Material von unseren Redakteuren Simon Mortlock (Asien), Florian Hamann (Deutschland & Schweiz), Julia Lemarchand (Frankreich) und Beecher Tuttle (USA).

Die Arbeitnehmerrechte Land für Land

Australien:

–          Ein Arbeitgeber muss Kündigungen nicht rechtfertigen. Doch sobald ein Angestellter gegen eine unfaire Behandlung klagt, muss der Arbeitgeber die wahren Gründe für den Schritt offenlegen.

–          Die gesetzlichen Abfindungsansprüche belaufen sich nach einem Jahr der Unternehmenszugehörigkeit auf vier Wochen, was bis zu neun Jahren Unternehmenszugehörigkeit auf 16 Wochen ansteigt.

–          Die meisten Banken zeigen sich indes großzügiger. So bietet die australische Bank ANZ beispielsweise Abfindungen von sieben Wochen für das erste und je vier weitere Wochen für folgende Jahre im Unternehmen.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von Stephen Trew und Jennifer Teh von der australischen Kanzlei Holding Redlich.

China:

–          Es gibt keine gesetzliche Kündigungsfrist. Doch üblicherweise dauert der Prozess sechs bis acht Wochen.

–          Der gesetzliche Abfindungsanspruch beläuft sich auf ein Monatsgehalt für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit, wobei es jedoch in einzelnen Regionen Kappungsgrenzen gibt wie bei rund 13.000 Renminbi (1600 Euro) in Shanghai und 14.000 Renminbi (1700 Euro) in Peking.

–          Angestellte mit befristeten Arbeitsverträgen oder Alleinverdiener mit Kindern oder älteren Angehörigen können kaum gekündigt werden.

–          Kündigungen müssen dem gesamten Unternehmen und nicht nur den betroffenen Mitarbeitern mindestens 30 Tage zuvor angekündigt werden.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von Matthew Durham von der Kanzlei Clyde & Co. in Shanghai.

Deutschland:

–          Die Kündigungsfrist beläuft sich nach der Probezeit auf wenigstens vier Wochen. Allerdings kann diese Frist bei 20 Jahren Unternehmenszugehörigkeit auf sieben Monate ansteigen.

–          Falls ein Arbeitgeber nicht korrekt vorgeht, ist die Kündigung ungültig und der Arbeitgeber muss die ausstehenden Gehälter zahlen.

–          Abfindungszahlungen belaufen sich üblicherweise auf ein halbes Monatsgehalt für jedes Jahr der Unternehmenszugehörigkeit.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von Sebastian Müller vom Verband „Die Führungskräfte“.

Frankreich:

–          Banken zahlen Abfindungen von einem halben Monatsgehalt für jedes Jahr der Unternehmenszugehörigkeit vor 2002 und ein viertel Monatsgehalt für jedes spätere Jahr.

–          Unternehmen, die die korrekte Vorgehensweise nicht einhalten, können mit empfindlichen Bußgeldern belegt werden.

–          Kündigungsfristen werden auch von diversen Tarifverträgen vorgegeben.

–          Arbeitgeber müssen sich vor Kündigungen mit Betriebsräten und den Arbeitsbehörden abstimmen.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von David Jonin von Gide Loyrette Nouel.

Honkong:

–          Kündigungen dürfen ohne Angabe von Gründen vorgenommen werden.

–          Die gesetzliche Kündigungsfrist beläuft sich auf nur sieben Tage.

–          Abfindungszahlungen können indes recht großzügig ausfallen: Zwei Drittel des letzten Monatsgehalts für jedes Jahr der Unternehmenszugehörigkeit. Die Höchstgrenze liegt bei 320.000 Honkong-Dollar (31.500 Euro)

–          Falls der Arbeitgeber eine Abfindungszahlung absichtlich vorenthält, kann er mit einer Zahlung von 350.000 Honkong-Dollar (35.500 Euro) oder mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von Jennifer Van Dale und Sonia Wong von Baker & McKenzie.

Italien:

–          Kündigungen müssen in schriftlicher Form erfolgen.

–          Für Führungskräfte können sich die Kündigungsfristen auf fünf bis zwölf Monate belaufen.

–          Falls einem Angestellter unfairerweise gekündigt wurde, kann er eine Entschädigung von zwei bis sieben Monatsgehältern beanspruchen.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von Olimpio Stucchi von LABLAW – Studio Legale in Mailand.

Niederlande:

–          Abfindungszahlungen bewegen sich zwischen einem halben Monatsgehalt pro Jahr für Mitarbeiter unter 35 Jahren und zwei Monatsgehältern pro Jahr für Mitarbeiter über 55.

–          Die gesetzliche Kündigungsfrist beläuft sich auf einen Monat bei einer Betriebszugehörigkeit von unter fünf Jahren, zwei Monaten bei fünf bis zehn Jahren, drei Monaten von zehn bis 15 Jahren und vier Monaten bei mehr als 15 Jahren.

–          Abfindungszahlungen berücksichtigen auch die durchschnittlichen Bonuszahlungen in den zurückliegenden drei Jahren.

–          Arbeitgeber benötigen eine Erlaubnis der Gerichte und der Arbeitsbehörden.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von Desiree Kemperlink von Freshfields Bruchkhaus Deringer in Amsterdam.

Saudi Arabien:

–          Die meisten ausländischen Arbeitnehmer werden mit auf zwei Jahren befristeten Arbeitsverträgen beschäftigt. Falls der Arbeitsvertrag vom Arbeitgeber vorzeitig aufgekündigt wird, muss dieser den Arbeitnehmer auszahlen.

–          Die Kündigungsfrist beträgt 30 Tage und die Abfindung beläuft sich auf eine Gehaltszahlung von 15 Tagen für jedes vollendete Jahr der Unternehmenszugehörigkeit.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von Clyde & Co. in Dubai.

Singapur:

–          Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt maximal vier Wochen. Doch sie kann auch nur einen Tag betragen, falls Sie weniger als 26 Tage im Unternehmen tätig sind.

–          Üblicherweise wird eine Abfindung von einem Monatsgehalt für jedes Jahr der Unternehmenszugehörigkeit gezahlt.

–          Kündigungen müssen schriftlich erfolgen.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von Manisha Rai von Colin Ng & Partners in Singapur.

Schweiz:

–          Kündigungen können ohne Angabe von Gründen erfolgen. Die Kündigungsfrist beträgt mindestens einen Monat.

–          Normalerweise gibt es für jüngere Angestellte keine gesetzlichen Ansprüche auf Abfindungszahlungen. Allerdings können diese tarifvertraglich geregelt sein.

–          Mitarbeiter über 50 und mit 20 Jahren Unternehmenszugehörigkeit haben einen gesetzlichen Anspruch auf Abfindungszahlungen von zwei bis acht Monatsgehältern. Da diese jedoch auf Pensionsansprüche angerechnet werden, sind derartige Zahlungen nicht weit verbreitet.

–          Bei größeren Entlassungen werden mit Arbeitnehmervertretern indes Abfindungszahlungen vereinbart.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von André Lerch, Arbeitsrechtler in Zürich.

Vereinigte Arabische Emirate:

–          Normalerweise wird eine Abfindung von 21 Tagen für jedes Jahr der Unternehmenszugehörigkeit gewährt. Dies steigt nach fünf Jahren Betriebszugehörigkeit auf 30 Tage an.

–          Unternehmen im Dubai Financial Centre müssen ihren Beschäftigten genügend Zeit geben, um eine neue Arbeitsstelle zu finden. Auf diese Weise verfällt auch nicht die Aufenthaltsbewilligung.

–          Es handelt sich um einen dreistufigen Prozess: Dem Mitarbeiter muss die Kündigung mitgeteilt werden, es muss ein persönliches Gespräch stattfinden und die Kündigung schriftlich festgehalten werden.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von Sara Khoja von Clyde & Co. in Dubai.

Vereinigtes Königreich:

–          Banken gewähren üblicherweise Abfindungen von einem Monatsgehalt für jedes Jahr der Unternehmenszugehörigkeit.

–          Abfindungsansprüche für eine unfaire Kündigung sind bei 72.300 Pfund und ansonsten bei 12.900 Pfund gedeckelt.

–          Nach zwei Jahren steigt die Kündigungsfrist um eine Woche für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit.

–          Der Arbeitgeber muss den wahren Grund für die Kündigung angeben und die Kündigung muss auf klare und transparente Form erfolgen.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von Philip Landau von Landau Zeffertt Weir Solicitors.

Vereinigte Staaten:

–          Mit Ausnahme von Montana – wo nicht sonderlich viele Menschen in den Finanzdienstleistungen beschäftigt sind – kann eine Kündigung willkürlich erfolgen. Es müssen also keine Gründe angegeben werden.

–          Die meisten Arbeitnehmerrechte resultieren aus den Arbeitsverträgen, die indes zugunsten des Arbeitgebers ausgelegt werden.

–          Jegliche Massenentlassungen müssen 60 Tage zuvor angekündigt werden.

Klicken Sie hier für weitere Informationen von verschiedenen US-Arbeitsrechtlern.

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