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Wie Sie den perfekten Lebenslauf bewerkstelligen: Eine Anleitung

Nicht jede Initiativbewerbung muss so enden.

Nicht jede Initiativbewerbung muss so enden.

Desto schlechter die Zeiten, desto besser müssen die Lebensläufe ausfallen. Während früher auch eine teilweise Erfüllung des Anforderungsprofils genügte, müssen die Kandidaten heute einen möglichst passgenauen Lebenslauf vorweisen. „Es wird der perfekte Werdegang gesucht; es muss natürlich auch eine perfekte Persönlichkeit dahinterstehen“, beobachtet Headhunter Thomas von Ciriacy-Wantrup von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. „Gerade die Top-Strategieberatungen akzeptieren nichts anderes. Wenn Sie da auch nur eine Minidelle in ihrem Lebenslauf haben, dann hat sich das schon erledigt“, ergänzt von Ciriacy-Wantrup.

Doch für den perfekten Lebenslauf muss man rechtzeitig die Weichen richtig stellen. Hier einige Tipps:

1. Früh anfangen

Der Grundstein für eine erfolgreiche Karriere wird oftmals schon vor dem Studium gelegt. Denn erstklassige Banken, Strategieberatungen und andere Traumarbeitgeber tendieren dazu, sich bei der Bewerbung um ein Praktikum oder eine Absolventenstelle das Abitur vorlegen zu lassen. Falls sich dort unschöne Noten finden sollten – gerade auch in Kernfächern – dann kann dies das Gesamtbild eines Lebenslaufes empfindlich stören.

2. Die richtige Universität auswählen

Wer sich mit unbändigem Arbeitseifer in sein Traumstudium stürzt, hat womöglich bereits einen kapitalen Fehler begangen. Denn eine der wichtigsten Entscheidungen für eine außergewöhnliche Karriere kommt dem Studiengang und der richtigen Zielhochschule zu.  So haben Studenten, die an einer sogenannten „Zielhochschule“ ihres späteren Arbeitgebers in spe studieren, bereits einen Glanzpunkt im Lebenslauf geschafft.

Dabei fallen die Listen der jeweiligen Arbeitgeber – je nach den individuellen Bedürfnissen – recht unterschiedlich aus. So finden sich auf der entsprechenden Liste der Munich Re mit gerade einmal 19 Einträgen so klingende Namen wie die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, die London School of Economics und die Havard University.

Doch abgesehen von diesen großen Namen – mit oft astronomischen Studiengebühren – finden sich auch Hidden Champions wie die Unis Augsburg, Ulm und Leipzig. Denn diese Hochschulen verfügen über profilierte wirtschaftsmathematische und versicherungsspezifische Studienrichtungen, die für einen Rückversicherungskonzern besonders attraktiv sind.

Um die einschlägigen „Zieluniversitäten“ ausfindig zu machen, gibt es eine einfache Daumenregel: Desto häufiger ein renommierter Arbeitgeber, bei den Campus-Events einer Hochschule auftaucht, desto  eher handelt es sich um eine Zieluniversität.

3. Auslandsaufenthalte und Sprachkenntnisse

Ein Auslandsaufenthalt gehört zu einem perfekten Lebenslauf wie das Lächeln zur Mona Lisa oder Silikon zu Pamela Anderson. Wer nicht mindestens drei bis sechs Monate mit Studium um Praktikum im Ausland verbracht hat, braucht sich bei vielen Top-Adressen gar nicht erst bewerben. Es handelt sich um ein K.o.-Kriterium. Obgleich dies oft nicht ausdrückglich gefordert wird, sind englischsprachige Auslandsstudien – die auch bei immer mehr Hochschulen im nicht-englischsprachigen Ausland möglich sind – bevorzugt.

„Für eine herausragende Karriere sind perfekte Englischkenntnisse unerlässlich. Schulkenntnisse sind keinesfalls ausreichend. Auch andere Fremdsprachen spielen nur in Ausnahmefällen eine Rolle“, beobachtet Headhunter Mike Boetticher von match personalberatung in Frankfurt. „Diese können eigentlich nur bei einer Hochschule im englischsprachigen Ausland oder einem mindestens einjährigen Arbeitsaufenthalt im Unternehmen vor Ort erlernt werden“, betont Boetticher. Selbst englischsprachige Studien in nicht englischsprachigen Ländern wie z.B. in den Niederlanden oder Skandinavien sieht Boetticher kritisch. „Sie müssen Englisch im alltäglichen Umgang gebrauchen und von Muttersprachlern lernen“, ergänzt Boetticher. Das sei in Ländern wie den Niederlanden oder Skandinavien kaum der Fall.

4. Praktika bei renommierten Adressen

Auch Praktika stellen bei vielen Arbeitgeber-Adressen ein Ausschlusskriterium dar.  Am besten sind mindestens zwei Praktika von mehrmonatiger Dauer. Diese sollten erstens gezielt in Bereichen stattfinden, in denen Sie später arbeiten wollen, und zweitens bei möglichst glanzvollen Adressen. Denn gerade in angelsächsischen Ländern, aber auch anderswo, dienen die Praktika aus Arbeitgebersicht hauptsächlich (!) als Spielwiese, um sich die besten Praktikanten für ein späteres Trainee- und Absolventenprogramm aussuchen zu können.

5. Rasches Studium und gute Noten

Gute Noten sind selbstverständlich – sehr gute Noten hingegen nicht. „Klare Einser (1-1,5) sehe ich relativ selten. Noten um 1,8 oder 1,9 hingegen öfter, die kommen aber auch deutlich häufiger vor“, beobachtet Headhunterin Sabrina Tamm von financial talents in Frankfurt, die hauptsächlich fürs Investmentbanking tätig ist. Gelegentlich würden Arbeitgeber nach Kandidaten mit Einser-Abschüssen fragen, dennoch zähle das Gesamtbild: „Gute Noten, rasches Studium und möglichst viele Praktika. Kandidaten mit Einser-Abschluss haben vielleicht länger studiert, sich auf das Studium konzentriert und weniger Praktika gemacht oder gehen einfach einen anderen Weg“, erläutert Tamm.

Laut Boetticher spielen die Abschlussnoten im Laufe des Berufslebens eine immer geringere Rolle. „Bei Jobs, bei denen konkretes Fachwissen im Vordergrund steht, schaue ich eher auf die Note“, ergänzt Boetticher. Dies gelte beispielsweise für Mathematiker oder allgemein für Quants. Dagegen würde Noten nichts darüber aussagen, ob jemand z.B. ein guter Verkäufer ist. Dort spielen die Verkaufserfolge eine entscheidende Rolle.

6. Ein Master ist Pflicht – es sei denn Sie arbeiten in England oder den USA

„Bachelor Welcome“ lautet eine Initiative der deutschen Wirtschaft. Darin werben Unternehmen für den Berufseinstieg mit dem neuen Studienabschluss. Doch selbst Personalverantwortliche von Unternehmen, die diese Initiative offiziell unterstützen, gestehen hinter vorgehaltener Hand ein, dass sie Absolventen mit einem Master oder einem anderen höheren Studienabschluss bevorzugen.  Dabei geht es nicht nur um höhere intellektuelle Fähigkeiten und Fachkenntnisse. Vielmehr benötigen die Studenten auch die Zeit, um die verlangten Praktika und Auslandsaufenthalte abzuarbeiten. Außerdem seien viele Bachelor schlicht zu jung, hieß es von einer Personalverantwortlichen eines deutschen Finanzdienstleisters.

Dies stellt indes eine kontinentaleuropäische Eigenart dar. In England und den USA sind Master, die direkt an einen Bachelor anschließen, wesentlich seltener. Allerdings unterbrechen dort viele hoffnungsvolle Nachwuchskräfte nach einigen Jahren ihre Berufstätigkeit für einen MBA. Dies ist hingegen in Deutschland weniger verbreitet.

7. Ein Trainee- / Analystenprogramm bei einem klingenden Namen

Wer die Karriereleiter ganz nach oben klettern möchte, sollte am besten bereits möglichst weit oben einsteigen. „Optimalerweise sollte der erste Job gleich bei der Nummer eins der Branche sein. Denn große Namen haben eine große Strahlkraft, oft auch branchenübergreifend, und beeinflussen die Entscheidung über eine Einstellung in einem anderen Unternehmen stark. Der Entscheider denkt dann: Wenn sich die Nummer eins damals für den Kandidaten entschieden hat, kann er ja gar nicht so schlecht sein“, erläutert Boetticher. Finanzprofis von einer Spitzenadresse haben auch bei Finanzdienstleistern aus der zweiten Reihe gute Chancen – umgekehrt fällt ein Stellenwechsel ungleich schwerer.

Ein solcher Lebenslauf stellt nicht nur einen optimalen Einstieg ins Berufsleben dar, sondern hilft auch in der späteren Karriere weiter. Doch auch wenn Sie selbst nicht zu den Auserwählten mit einem perfekten Lebenslauf zählen, wissen Sie jetzt jedenfalls, was Personalverantwortlichen die Freudentränen in die Augen treibt.

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