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INTERVIEW: Ex-Goldman Sachs-Bankerin arbeitet heute als Psychotherapeutin

Nell Montgomery

Es gibt viele Leute, die in der Vergangenheit irgendwann einmal für Goldman Sachs gearbeitet haben. Allerdings gibt es wenige Leute, die eine Stelle im Frontoffice aufgegeben haben, um eine Kombination von Karrierecoaching und Psychotherapie für Banker anzubieten.

Dazu zählt Nell Montgomery, die früher als Sales Trader bei Goldman Sachs und als Sales-Mitarbeiterin bei Investec gearbeitet hat. Nachdem sie 2004 aus ihrem Bankingjob ausgestiegen ist, hat sie in 2007 eine Ausbildung zur Therapeutin aufgenommen und ist jetzt bereit, ihre Ausbildung in die Praxis umzusetzen.

Im vergangenen Jahr hat Patrick Watt, der Head of Wellness bei Goldman Sachs, angemerkt, dass mentale Gesundheitsprobleme besonders häufig auftreten. Wir haben uns mit Montgomery über ihre Karriere unterhalten und sie gefragt, woran ihrer Meinung nach das Investmentbanking krankt.

Wie sind Sie ins Investmentbanking geraten?

Nach dem Studium habe ich direkt bei Goldman Sachs in Equity Sales und Sales Trading angefangen. Es waren die frühen 90er Jahre und Goldman Sachs suchte nach Oxbridge-Absolventen, um sie direkt als Associates einzustellen. Dabei handelte es sich um eine brillante Chance: Die ersten neun Monate arbeiteten wir in New York. Ich hatte eine großartige Zeit.

Wie lange haben Sie im Banking verbracht?

Etwa ein Jahrzehnt. Nach Goldman wechselte ich ins Sales von Investec. Dann habe ich eine Familie gegründet und mein Partner – ein Drehbruchautor – hat eine große Chance in Hollywood erhalten, also schien dies eine gute Zeit für eine Auszeit darzustellen.

Auf welchen Bereich der Psychoanalyse haben Sie sich spezialisiert?

Ich habe die Methoden von John Bowlby studiert, der ein Vertreter der Bindungstheorie ist. Er achtet auf die Arten der Bindungen, die Sie in der Kindheit zu Ihrer Hauptpflegeperson aufgebaut haben und wie dies dauerhafte Auswirkungen auf Ihr Leben hat.

Können Sie die Bindungstheorie an einem praktischen Beispiel erläutern?

Falls Sie eine frühe feste Beziehung zu Ihrer Hauptpflegeperson unterhielten, dann können Sie eine Beziehung zu jemandem auf sichere Weise aufrechterhalten. Doch falls Sie in Ihrer Kindheit eine unsichere Beziehung zu Ihrer Hauptpflegeperson hatten, dann wird es Ihnen auch als Erwachsener schwerfallen, stabile Beziehungen zu unterhalten.

Ist dies fürs Investmentbanking relevant?

Man könnte natürlich argumentieren, dass für die Arbeit in den Finanzdienstleistungen Leute benötigt werden, die in ihrer Vergangenheit unsichere Beziehungen hatten. Denn um in einer Investmentbank erfolgreich zu sein, müssen Sie sehr ehrgeizig sein. Vielleicht waren Sie eines von fünf Kindern, die um die Liebe Ihrer Eltern konkurrierten. Doch falls Sie sichere Beziehungen unterhielten, dann sind Sie vielleicht nicht so ehrgeizig und werden es schwerer haben, erfolgreich zu sein.

Was ist schlecht daran, eine Person mit unsicheren Bindungen zu sein?

Es kommt auf den organisatorischen Kontext an. Es kann es erschweren, Sie zu managen. Leute mit unsicheren Beziehungen sind notwendigerweise unsicher. Sie sind sehr wettbewerbsstark, doch Sie können sehr hilfsbedürftig sein und nach Aufmerksamkeit suchen. Sie benötigen viel Bestätigung und sie können zu Problemen in Teams führen – insbesondere wenn Sie sich in einer Position als Co-Head befinden.

Was kann man dabei machen?

In vielen Fällen stellt schon eine Beziehung zu einem Therapeuten eine Hilfe dar, in der sie wirklich ehrlich sein und ihre Gefühle artikulieren können. Ich arbeite sowohl als Therapeutin als auch als Coach. Daher kann ich auch bei Kommunikationsproblemen und der Identifizierung von Problemen helfen, die Spannungen bei der Arbeit verursachen.

Doch mal abgesehen davon; worin bestehen die großen psychischen Probleme in den Finanzdienstleistungen?

Es herrscht eine Menge Stress und Angst. Die Positionen der Leute sind sehr unsicher. Vielleicht hatten die eine Zeit lang einen Vorgesetzten, der im Zuge einer Restrukturierung gehen musste. Dass kann zu großen Ängsten führen, denn Sie haben eine Förderer verloren.

Angst bei der Arbeit hat auch Auswirkungen jenseits des Arbeitsplatzes. Ehen gehen zu Bruch und es kommt zu Drogenmissbrauch. Leute, die bipolar oder depressiv veranlagt sind, und damit zurechtgekommen sind, haben es plötzlich schwerer.

Worin bestehen die Warnzeichen?

Da gibt es einige: Schlafprobleme, irrationale Ängste, Beziehungsprobleme zuhause und zu viel Alkoholgenuss stellen alles Hinweise dar, dass Angst ein Problem ist.

Arbeiten Sie nur mit Bankern mit mentalen Schwierigkeiten?

Nein. Ich arbeite auch als Coach. So arbeite ich mit leistungsstarken Managing Directors, die in eine neue Position wechseln. Ich kann mit dem ganzen Spektrum umgehen.

Mit welchen Problemen haben Leistungsträger zu kämpfen?

Beispielsweise steigen sie in Stellen mit größerer Verantwortung auf oder arbeiten mit neuen Kollegen zusammen. Ich helfe bei der Übergangsphase.

Nett Montgomery bietet Coaching über Preston Associates an

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