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GASTKOMMENTAR: Es gab noch nie härtere Zeiten für Analysten in einer Investmentbank

Sie haben es geschafft!

Sie haben es geschafft!

Noch nie gab es eine schlechtere Zeit für Analysten im Investmentbanking. Ich habe die dreijährige zermürbende Zeit als Analyst selbst miterlebt und zurückblickend hat es sich um eine Art von Initiationsritus gehandelt. Sie verdienen sich erste Sporen und übernehmen wichtigere und bessere Aufgaben.

Es ist ähnlich wie im Schulsport.  Sie müssen sinnlose sadistische Dinge zum Vergnügen der anderen über sich ergehen lassen und dafür ernten Sie deren Anerkennung und alle Vorteile, die dies mit sich bringt.

Die Hauptgründe, trotz der vielen Nachteile den Job eines Analysten in M&A zu übernehmen, bestehen in der guten Bezahlung und in der Berufserfahrung, die Sie dort sammeln. Doch wenn Sie beides nicht länger erhalten, was bleibt dann noch übrig? Nichts anderes als irgendein McJob. Hier einige Faktoren, wieso ein Einstiegsjob im Investmentbanking künftig dem Burgerwenden gleichen könnte:

a) Die Jobsicherheit sinkt weiter

b) Der Trend, Analysten in Pools zusammenzufassen, setzt sich fort

c) Ein genereller Mangel an Deals

d) Die Erarbeitung von Pitches für nicht-existente Projekte

e) Eine insgesamt schlechtere Arbeitsatmosphäre – wegen der allgemein düsteren Aussichten

f) Niedrigere Boni

Für jeden, der die vergangenen Jahre in der Londoner City miterlebt hat, dürfte dies offensichtlich sein. Doch falls dies nicht der Fall sein sollte, dann erkläre ich es gern:

Es fiel schon immer leicht, Analysten loszuwerden, die keine Leistung gebracht haben, nicht ins Team passten oder einfach aus irgendwelchen Gründen nicht mehr gebraucht wurden – Gründe die sie nicht beeinflussen konnten. Jetzt verabschiedet sich Goldman Sachs von Zweijahresverträgen, die zumindest ein wenig Sicherheit boten.

Ähnlich sieht es aus, wenn Analysten aus kleineren Teams herausgenommen und in großen Siloeinheiten abgeladen werden, wie dies bei Goldman Sachs und Credit Suisse kürzlich vorgekommen ist und andere Banken bereits vorher unternommen haben. Dies bedeutet, dass niemand mehr genügend Branchen- und Produkt-Erfahrung sammelt, um davon in seiner weiteren Karriere zu profitieren. Dann wird es schwierig, vom Banking in andere Branchen zu wechseln. Und bei dem Handel: „Arbeiten Sie hart und wir bringen Ihnen eine Menge bei“, wie es in Vorstellungsgesprächen und Arbeitgeber-Präsentationen heißt, hat sich die eine Seite des Deals plötzlich in Luft aufgelöst.

Damit haben sich die Spielregeln verändert. Denn für einen Erfolg in der Investment Banking Division war es lange entscheidend, dass Sie sich in Ihrem Gebiet gut auskannten. Jetzt dreht sich alles darum, bei den politischen Spielchen am Arbeitsplatz gut abzuschneiden. Falls sie selbst ein junger Banker sind und in einem Pool von Analysten arbeiten, dann müssen Sie sich mit jeder Führungskraft gutstellen, die Ihnen eine Beteiligung an irgendeinem Deal ermöglicht.

Doch am Wichtigsten ist, dass die Bezahlung in diesen Zeiten wesentlich schlechter ausfällt. Sicherlich wurden die Grundgehälter als Ausgleich für niedrigere Boni erhöht. Doch wird dies lange so bleiben? Die Banken tendieren dazu, ihren Spitzenkräften rund das Fünffache von dem zu zahlen, was sie an ihre Aktionäre ausschütten. Im gegenwärtigen und künftigen Umfeld rechnen die Banken damit, immer weniger zu verdienen. So hat die Deutsche Bank die Ziele für ihre Eigenkapitalrendite öffentlich von 20 auf nur noch 12 Prozent zurückgenommen. Entsprechend dürfte auch die Vergütung sinken.

Der Autor hat sechs Jahre lang im Investmentbanking gearbeitet

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