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Selters statt Schampus: Die Boni in der Londoner City fallen dramatisch

Nachdem der britische Think Tank CEBR bereits in der vergangenen Woche traurige Aussichten für den europäischen Finanzplatz Nummer 1 verkündete, legte das Institut jetzt nach: Auch bei den Boni soll es in Zukunft dramatisch bergab gehen. Damit könnte es künftig in den reichlich frequentierten Pubs der Londoner City Selters statt Sekt heißen. Konkret:

Für das laufende Jahr prognostiziert CEBR einen Bonuspool von insgesamt 4,4 Mrd. Pfund, was immerhin ein Minus von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeuten würde. Gegenüber dem Spitzenjahr 2008 mit 11,6 Mrd. Pfund musste die City sogar ein Minus von 62 Prozent vertragen.

Doch es soll noch härter kommen. Für 2013 prognostiziert CEBR sogar einen weiteren Einbruch auf 1,6 Mrd. Pfund, was ein zusätzliches Minus gegenüber 2012 von 64 Prozent bedeuten würde. Bis 2017 soll der Bonuspool sukzessive weiter auf 1,3 Mrd. Pfund absinken.

Quelle: CEBR

Auch bei den Arbeitsplätzen soll London in den kommenden Jahren als Finanzplatz nicht nur hinter den langjährigen Rivalen New York, sondern auch hinter das aufstrebenden asiatische Finanzzentrum Honkong zurückfallen.

So soll Honkong bis 2017 mit gut 277.000 Arbeitsplätzen zum größten Finanplatz der Welt avancieren, gefolgt von New York mit gut 254.000 Jobs. London kommt mit gut 240.000 Stellen erst an dritter Stelle, vor Singapur mit gut 203.000 Arbeitsplätzen.

Leider macht sich CEBR keine Mühe, kleinere und feinere Finanplätze wie Frankfurt, Zürich, Genf oder Luxemburg auch nur zu erwähnen. Unterdessen haben Frankfurter Headhunter verstärkt Anfragen aus London registriert.

Quelle: CEBR

Noch schwerer wiegt indes das Fehlen von Shanghai. So gibt es Studien, die Shanghai bei seinen Aspirationen zu einem führenden Finanzzentren der Welt aufzusteigen, mittelfristig einen Arbeitskräftebedarf von 400.000 Beschäftigten attestieren. Nur etwa 260.000 davon könnte China aus eigener Kraft stemmen. Mithin würden reichlich Jobs für Expatriates – z.B. aus  London, aber auch aus Zürich – bereitstehen.

Auch bei den Prognosen der Bonushöhe bleiben Fragen an der Stichhaltigkeit der CEBR-Prognosen offen. So weist das Institut selbst darauf hin, dass die Festgehälter in der Londoner City seit der Finanzkrise kräftig zu Lasten der Boni zugelegt haben – ein Trend, der noch keinesfalls abgeschlossen ist. Mithin sind die Gesamtvergütungen deutlich langsamer als die Boni gefallen. Darüber hinaus hat die britische Statistikbehörde innerhalb Großbritanniens lediglich Abstriche bei den Bonis von 9 Prozent ermittelt.

Ein Verlierer der magereren Boni scheint indes bereits festzustehen. „Der größte Verlierer stellt hierbei der Fiskus dar. Wenn man den Einkommensverlust einer viel kleineren City berücksichtigt mit niedrigeren Unternehmens-, Stempel- und anderen  für die City relevanten Steuern, dann würde ich schätzen, dass die Regierungseinnahmen aus der City im laufenden Steuerjahr wahrscheinlich nur 40 Mrd. Pfund im Vergleich zu 70 Mrd. Pfund auf der Spitze des Konjunkturzyklus in 2007/8 betragen werden”, betont CEBR-Chef Douglas McWilliams.

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