☰ Menu eFinancialCareers

Der unendliche Niedergang der Londoner City: deutschsprachige Banker zieht es nach Frankfurt oder Zürich

Der anhaltende Jobabbau in London treibt so manchen ausländischen Banker zurück in die Heimat.

Der anhaltende Jobabbau in London treibt so manchen ausländischen Banker zurück in die Heimat.

Der Kehraus in der Londoner City geht rasant voran. Laut den Prognosen des Londoner Think Tanks „Centre for Economics and Business Research” (CEBR) werden in dem ehedem größten Finanzzentrum der Welt in 2013 nur noch etwa 237.000 Menschen beschäftigt sein.

Zum Vergleich: Vor der Krise zählte die Quadratmeile noch 354.000 Beschäftigte. London muss also einen Verlust von 117.000 Arbeitsplätzen verkraften, was ein Drittel weniger als zu den Boomzeiten von 2007 waren. Damit wird das größte europäische Finanzzentrum in 2013 den Stand von vor 20 Jahren erreichen.

„Der Geschäftsrückgang resultiert teilweise aus einer schwachen Konjunktur, aus den Folgen der Finanzkrise und aus der wachsenden Regulierung, was den Zugang zu Bankgeldern und die Finanzierung von Finanztransaktionen erschwert. Das Geschäftsmodell vieler Unternehmen in der City, das auf Zinsätzen von 8 Prozent und mehr beruhte, muss sich auf eine Welt einstellen, wo niedrige Zinsen für viele Jahre sehr wahrscheinlich sind“, erläutert CEBR-Geschäftsführer Douglas McWilliams.

Headhunter registrieren mehr Anfragen aus London

Der Kahlschlag unter den Beschäftigten der Londoner City hat auch die Attraktivität des Finanzplatzes für viele ausländische Beschäftigte nachhaltig geschmälert. Denn rund die Hälfte der Arbeitsplätze entfällt auf sogenannte Expats. So spielen auch immer mehr deutschsprachige Banker mit dem Gedanken einer Rückkehr.

„Wir erhalten mehr Anfragen aus London. Die Leute von dort sind heute auch viel eher zu einem Wechsel bereit“, beobachtet Executive Search-Experte Rolf Behrens von Banking Consult in Bad Nauheim bei Frankfurt.  Umgekehrt sei es schwieriger geworden, Kandidaten aus Deutschland zu einem Wechsel an die Themse zu motivieren. „Wenn wir früher einen Kandidaten angesprochen haben, war dieser sofort Feuer und Flamme, sofern nicht die familiäre Situation entgegenstand“, erzählt Behrens.

Die Beschäftigten in London registrierten langsam, dass das Arbeitsplatzrisiko dort höher sei als z.B. in Frankfurt. Ein Beispiel hierfür seien die deutlich kürzeren Kündigungsfristen.

Weiter beobachtet Behrens, dass die Attraktivität deutscher und europäischer Banken gegenüber den klassischen Investmentbanken deutlich zugenommen habe. „Die Kandidaten sind eher bereit zu einer relativ sicheren europäischen Adresse zu wechseln“, ergänzt der Experte. Ähnliches gelte für einen Wechsel aus dem Investmentbanking in andere Berufsfelder.

Allerdings würden Kandidaten aus London auch in Frankfurt und Zürich nicht immer mit offenen Armen empfangen, denn auch hierzulande sei die Arbeitsmarktsituation schwierig. „Einem Analysten mit ein oder zwei Jahren Berufserfahrung falle ein Wechsel relativ leicht. Bei einem M&A-Experten mit sieben bis zehn Jahren Berufserfahrung sieht dies anders aus“, sagt Behrens.

Darüber hinaus müssten sich Londoner Investmentbanker auf andere Gehaltsklassen einstellen. Wer aus dem Sales im Londoner Investmentbanking zu einer europäischen Bank wechsle, müsse teilweise Gehaltseinbußen von 100.000 Euro in Kauf nehmen. „Das überlegt man sich dann zweimal“, kommentiert Behrens.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier