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Goldman Sachs: Wie schlecht ist schlecht?

Das kann nur schlecht enden. Dabei ist es egal, ob Goldman den Fall gewinnt oder verliert. Ihre Aktie musste einige kräftige Schläge einstecken und ihr Ansehen erlitt einige Knüppelschläge auf den Kopf und die lebenswichtigen Organe.

Jeder, der möglicherweise ganz bewusst mit den Fakten unvertraut ist, kann sich über die “Räuberbarone” im Handelsblatt, über das “Prellen der IKB” bei Spiegel-Online oder das “Opfer Goldman Sachs” im Zürcher Tagi informieren.

Doch was bedeutet das alles für Jobs, Bezahlung, den eigenen Seelenfrieden von all denjenigen, die bei Goldman Sachs arbeiten?

1) Goldman ist nicht mehr Gott

Goldman Sachs schien unbesiegbar zu sein. Die Bank mag eine Vampirkrake gewesen sein, doch sie hatte Freunde an höchsten Stellen, konnte immer einen Gewinn für sich verbuchen und konnte irgendwie aus jeder brenzligen Lage entschlüpfen.

Nach den jüngsten Ereignissen scheinen die Freunde an den höchsten Stellen von ihren Stühlen gefallen zu sein. Möglicherweise ist es gerade der frühere Erfolg von Goldman Sachs, der die Beobachter über den Niedergang der Investmentbank entzücken lässt. Wie Goldman jetzt entdecken muss, erzeugt Überheblichkeit unglücklicherweise oft Schadenfreude.

In der Blogosphäre ist eine Debatte über die Erfolgswahrscheinlichkeit der SEC-Klage entbrannt. Einerseits hält Henry Blodget die Chancen für gering, dagegen hält sie Felix Salmon andererseits für hoch.

Das könnte einem Öffnen der Schleusentore gleichkommen. Jake Zamansky ein Veteran unter den Zivilanwälten sagt, dass er bereits “von Goldman-Kunden kontaktiert wurde, die durch Klagen ihre Verluste zurückholen wollen.”

Im schlimmsten Fall kann es Goldman wie Drexel Lambert ergehen. Das Unternehmen in seinem Lebenslauf zu haben, könnte als Zeichen vergangener Brillanz und als ein wenig dubios gewertet werden.

2) Die Vergütungen werden einbrechen

Die diesjährigen Boni werden sicherlich leiden. Die Vergütungen der Banken werden nicht mehr nur durch politische Vorgaben beschränkt werden, sondern Goldman muss möglicherweise auch hunderte von Millionen an Entschädigungen an ACA, IKB und sogar die britische Regierung zahlen.

Laut dem Wall Street Journal kassierte Fabrice Tourre, dessen Emails Goldman Sachs einigen Ärger bereiten, in 2007 2 Mio. Dollar für das Abacus-Geschäft. Wird Fabrice davon etwas zurückzahlen müssen (was unwahrscheinlich ist, da Rückforderungen zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierten)?

3) Die Regulierung wird zunehmen

Dank dieser Klage wird es Banken schwerer fallen, gegen Regulierungen zu argumentieren. So betonen die Analysten von Samuel Bernstein: “Es ist wahrscheinlich, dass die Abgaben für das Trading steigen, dass die Leverage begrenzt wird und dass die Liquiditätsreserven in den Bilanzen steigen werden und dass die Aktivitäten jenseits des Kerngeschäfts wie z.B. mit Rohstoffen, Immobilien und Private Equity begrenzt werden.”

Das sieht nicht besonders gut für die Vergütungen aus – weder bei Goldman noch in der gesamten Branche.

4) Die Goldman-Kundschaft wird sich zurückhalten

Dies ist eine schlechte Nachricht für Goldman, doch es könnte sich als gute Nachricht für aufstrebende Mitbewerber wie BarCap oder Credit Suisse erweisen. Goldmans scheinbare Bereitschaft, sich vor den Füßen ihrer Kunden niederzuwerfen, ist mittlerweile in Frage gestellt.

Felix Salomon betont:

“Goldman erzählt bis zum Überdruss, dass alles was die Bank macht, sie für ihre Kunden macht und dass alle Gewinne, in denen das schließlich endet, lediglich “langfristig gierig” sind. Doch die juristische Haarspalterei, wonach ihr Verhalten in der Abacus-Angelegenheit technisch gesehen nicht illegal war, führt lediglich dazu, dass die Bank in den Augen der Kunden als noch schuldiger erscheint.”

Außerdem bezweifelt Bond Girl die geistige Gesundheit von jedem, der gerne ein Kunde von Goldman Sachs sein möchte. Dabei wird vorausgesetzt: Die Goldman-Mitarbeiter machen sich über die Transaktionen lustig, die sie in ihrem Namen ausführen und betrachten ihre Geschäftsbeziehungen als nicht mehr als einen Kollateralschaden auf der Suche nach Gebührenquellen.

5) Blankfein wird von einem Nicht-Trader ersetzt

Dick Bové denkt, dass Lloyd Bankfein und David Viniar daher zum Rücktritt gezwungen werden und dass Viniar von einem Außenseiter ersetzt werden wird.

Falls dies eintreten sollte, möchte Goldman tatsächlich Blankfein durch einen anderen Trader ersetzen? Könnte dies die Wiederauferstehung der IBD-Banker markieren?

Brad Hintz von Sanford Bernstein denkt, dass Goldmans IBD-Sparte trotzdem zu den Gewinnern zählen könnte: “Goldmans Marktführerschaft in den Geschäften mit den höchsten Margen an der Wall Street – Equity Underwriting und M&A-Beratung – wird zu höheren Erträgen aus dem Investmentbanking führen, wenn das Bruttoinlandsprodukt und die Unternehmensgewinne sich wieder erholen werden”, sagt er voraus.

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